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Post: (K)Ein Partner gesucht

Von Monika Jonasch

Wirtschaft

Für die österreichische Staatsholding ÖIAG hat die Suche nach einem strategischen Partner für die heimische Post zwar "keine Priorität" und soll bis 2007 verschoben werden. Post-Generaldirektor Anton Wais beobachtet aber aufmerksam Post-Teilverkäufe in anderen EU-Staaten. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Aktivitäten rund um die belgische und dänische Post, deren Größenordnungen in etwa jenen der österreichischen Post entsprechen.


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"Es gibt unterschiedliche Sichtweisen zur Frage, ob eine Post einen strategischen Partner braucht", erklärte Post-Generaldirektor Anton Wais am Mittwoch vor Journalisten sein Interesse an der Kapitalerhöhung bei der belgischen Post und an der Teilprivatisierung (25%) der dänischen Post. Für Letztere interessiert sich pikanterweise die Deutsche Post, die schon mehrfach an der österreichischen Post Interesse gezeigt hat.

Zwar habe es mit der ÖIAG "eine weitgehende Klärung von Verwirrungen" gegeben, derzeit sei kein strategischer Partner für die österreichische Post notwendig, um die geforderte EBIT-Marge von 5% abliefern zu können. Aber: "Aus der Sicht eines Verkäufers muss man wissen, wann man am meisten für Anteilsverkäufe bekommt", so Wais.

Als Postchef sei er durchaus zufrieden, ohne Partner weitermachen zu dürfen. Wenn jedoch Teilverkäufe wie in Dänemark "in Mode" kämen, "dann muss man vorsichtig sein, denn wenn man als Letzter seine Anteile verkauft, ist das nicht von Vorteil", will er weiter die Augen offen halten. Er fügt hinzu: "Es tut sich was in der europäischen Postlandschaft."

Expansion in den Südosten soll Liberalisierung abfedern

Inzwischen will er die Expansion der österreichischen Post in Südosteuropa vorantreiben. Dabei biete sich "eine Palette, die von Beratungsverträgen über Kapitalverflechtungen bis zu Beteiligungen reiche", so Wais.

Mitte August hat die österreichische Post einen Kooperationsvertrag mit der slowenischen Post abgeschlossen. Ziel dabei ist es, gemeinsam am südosteuropäischen Markt aufzutreten. Außerdem besitzt die Post mit Yellogistics auch noch eine eigene Tochter für den Paketbereich in Slowenien. In Kroatien hat sie erst im Vorjahr die Nummer 2 am dortigen Paketmarkt, Overseas Express, übernommen.

Weitere Akquisitionen bzw. Kooperationen hat die Post in der Slowakei und Ungarn vorgenommen. Tschechien, Bulgarien und Rumänien stehen laut Wais noch auf dem Speiseplan. Im Bereich "Businesspaket" tue sich in Südosteuropa ein interessantes Geschäftsfeld auf, "dieser Markt boomt", so Wais. Das Volumen zugestellter Pakete sei in dieser Region im ersten Halbjahr 2004 um 47% gestiegen. Die Pakettöchter in Slowenien, Kroatien und der Slowakei hätten so bereits früher als erwartet die Gewinnzone und ein "dünnes positives Betriebsergebnis" erreicht.

Der Südosteuropa-Expansion misst er unter anderem auch in Hinblick auf die Liberalisierung am österreichischen Markt besondere Bedeutung zu: "Wir werden hierzulande einen Preiswettbewerb erleben, der sich gewaschen hat. Das müssen wir aus der Expansion finanzieren", so der Post-General.

Weniger Personal, aber mehr Postpartner in Österreich

Mit 25.475 Vollzeitkräften liege die Post heuer schon "unter" Plan, was den Mitarbeiterabbau beträfe, meinte Wais. Mittelfristig will das Unternehmen auf "noch über 20.000 Mitarbeiter" kommen.

Genauere Zahlen wollte der Postgeneral gestern jedoch nicht nennen. Sie seien von der Marktentwicklung abhängig. "Wenn der Markt einbricht und unser Umsatz von 1,5 auf 1,2 Mrd. Euro sinkt, werden wir reagieren müssen". - Im ersten Halbjahr 2004 hat die Post bereits 1.747 Mitarbeiter abgebaut, seit 1999 waren es fast 7.000.

Der "große Brocken" in Sachen Mitarbeiterabbau sei die Briefzustellung gewesen. Diese Aufgabe sei aber weitgehend abgeschlossen, erläuterte Wais. Die Zahl der Postämter sank von 1.880 auf inzwischen 450. "Heuer haben wir schon 50 Postämter geschlossen, aber keiner hat das groß bemerkt", so Wais.

Ausgleich würden hier inzwischen die "Postpartner" schaffen, die im Franchisingbetrieb vor allem im ländlichen Raum die Postämter ersetzen sollen. Über 120 Postpartner gebe es schon und das Interesse sei sehr groß, freute sich der Post-Chef.