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Post-Partner: Viel Arbeit, aber nur wenig Ertrag

Von Andreas Trötscher

Wirtschaft

Manche sind hellauf begeistert, einige enttäuscht, weitermachen wollen sie aber alle: Die Betreiber der 35 Post-Partner-Agenturen in Niederösterreich. Ob im Wald- oder Weinviertel, im Marchfeld, Wienerbecken, entlang der Eisenstraße oder im Wienerwald - die Kundschaft ist größtenteils sehr zufrieden und hat die "Ersatz-Postämter" längst ins Herz geschlossen.


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Briefe und Pakete wandern zuhauf über die Ladentische, der Geldverkehr hält sich in Grenzen. Einig sind sich die Privatpostler in einem Punkt: Reich wurde mit dem gelben Zusatzdienst bis jetzt noch niemand.

"Ich kann nur jedem Kaufmann empfehlen, dass er Post-Partner wird. Es hat mich zwar viel Kraft gekostet, die Leute und die Firmen dazu zu bringen, die Post bei mir abzugeben, aber jetzt funktioniert das alles wunderbar", sagt Maria Kratschmar. Sie betreibt in Würmla bei Neulengbach den ältesten Post-Partner im Lande - seit 9. Juli 2001 werden dort die Postdienste im Kaufhaus angeboten. Mehr als 10.000 Briefe und Pakete nimmt die Kauffrau im Monat entgegen. Damit ist sie allerdings eine Ausnahme. Von solchen postalischen Dimensionen können die Kollegen in anderen Regionen nur träumen.

Zum Beispiel in Böhlerwerk im Mostviertel: Dort ist das Kaufhaus Moshammer seit kurzem Partner der Post. "Es ist sehr viel Aufwand und fast kein Ertrag. Es wird sehr viel verlangt, Schulungen gibt es aber kaum. Die Kundschaft erwartet sich ja, dass man sich mit Bausparern auskennt. Wenn man das aber nur ein paar Mal im Jahr macht - wie soll das gehen?", klagt die Betreiberin. Ans Aufhören denkt sie aber nicht, schließlich sei es ja ein gutes Service.

"Ich bin zufrieden, wir machen das gerne - und wir sind schon um 6.00 Uhr in der Früh da", sagt die Dame der Trafik und Gemischtwarenhandlung in Oberrohrbach, nahe Korneuburg. Nachsatz: "Dass man damit nicht reich wird, hat jeder gewusst." Das Postamt im Ort geht kaum jemandem ab. "Es lag bergauf und sehr versteckt - wir sind unten an der Hauptstraße, das ist für alle praktisch."

"Fast schon zu viel" Arbeit fällt in Leopoldsdorf im Marchfeld an. Dort kämpft die Inhaberin eines Malereibetriebes mit zahlreicher Kundschaft - auch aus den Nachbarorten. "Wir haben einen Arzt im Haus, das verbinden viele mit einem Abstecher bei mir." Ein großes Problem: Der Urlaub. "Wir dürfen ja nicht zusperren, deshalb muss ich mir immer Ersatz suchen. Bis jetzt ist das familienintern geregelt worden, aber Dauerlösung ist das natürlich keine."

"Tadellos" läuft der Betrieb in Schleinbach im Bezirk Mistelbach. Martin Hackl ist Tankstellenbesitzer und freut sich über ständig steigende Kundenzahlen. "Wir sind halt ein bisserl hilfsbereiter als die Post", lacht er. Mit Lebensmittel, Lotto und Benzin ergeben sich angenehme Synergieeffekte. Nur: "Für diese Verantwortung bekommen wir halt schon ein bisserl wenig Geld von der Post. Das sollte irgendwann mehr werden, sonst rechnet sich das für uns nicht. Denn der derzeitige Arbeitsaufwand kommt nicht einmal annähernd herein." APA