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Parlament und Wirtschaftstreibende machen Präsidenten für Rial-Verfall verantwortlich.
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Teheran. Im Iran bleibt die Währungskrise wegen der westlichen Sanktionen brisant. Aus Unsicherheit und nach den heftigen Protesten ist am Donnerstag vorerst gar kein Wechselkurs für US-Dollar und Euro bekanntgegeben worden. Der Stimmungsbarometer für die iranische Wirtschaft, der große Bazar von Teheran, blieb aus Sicherheitsgründen erneut geschlossen. Augenzeugen berichteten aber auch am Donnerstag von Menschenmassen im Bazarviertel.
Am Samstag soll er nach dem iranischen Wochenende unter großen Sicherheitsvorkehrungen wieder geöffnet werden. Die nationale Währung Rial befindet sich indes weiterhin auf einer Talfahrt. Am Mittwoch notierte der Euro bei 45.000 Rial und der US-Dollar bei rund 36.000 Rial, was einen Verlust von rund 30 Prozent innerhalb weniger Tage bedeutet.
Während die iranische Polizei die "äußeren Feinde des Islam und die Exil-Opposition der Volksmujaheddin" für die gewaltsamen Proteste rund um den Bazar und das Finanzviertel "Fersosi" verantwortlich machte, schießt sich das von den Neokonservativen dominierte Parlament auf Präsident Mahmoud Ahmadinejad ein. Immer mehr Parlamentarier machen dessen Politik für die desaströse Wirtschaftslage und die rasante Geldentwertung verantwortlich. Parlamentspräsident Ali Larijani brachte die Stimmung auf den Punkt: "Ahmadinejad hat es verabsäumt, hier die richtigen Schritte zu setzen", kommentierte er im Gespräch mit Journalisten.
Es tue ihm leid, dass Larijani solch staatstragende Dinge wie die aktuelle Wirtschaftslage über die Medien thematisiere, konterte Ahmadinejad. Damit geht das Duell der beiden Spitzenpolitiker in die nächste Runde.
Auch mehrere Wirtschaftsverbände übten harsche Kritik am iranischen Staatsoberhaupt: Er habe mit seiner "falschen Politik den Niedergang der Wirtschaft" ausgelöst, erklärten Vertreter verschiedener Branchen gegenüber der halbamtlichen Nachrichtenagentur Mehr. Spott und Hohn muss sich Ahmadinejad auch von der Bevölkerung gefallen lassen. "Er ist zu einem Präsidenten für Menschen ohne Zähne geworden", ärgert sich eine Arbeiterin im Telefongespräch mit der "Wiener Zeitung". Nachsatz: "Man kann unter seiner Wirtschaftspolitik nur überleben, wenn man nichts mehr isst."
EU will noch im Oktober ein Gas-Embargo verhängen
Der Verfall der Landeswährung Rial führt schon jetzt zu einem sinkenden Lebensstandard im Iran. Die offiziell ermittelte Teuerungsrate beträgt rund 25 Prozent, die Arbeitslosigkeit rund 15 Prozent.
Größer wird der Druck auf das Regime auch von außen: Die Europäische Union dreht weiter an der Sanktionsschraube gegen den Gottesstaat und plant, nach dem Öl-Embargo auch den Import von iranischem Gas zu verbieten. Am 15. Oktober wollen die EU-Außenministern das neue Sanktionspaket formell beschließen.
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