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Auszeichnungen für Unternehmen gut vermarktbar. | Sind viele Firmen bereits süchtig nach Urkunden? | Wettbewerbe: Zahl im Steigen begriffen. | Wien. Thomas Kloibhofer, Geschäftsführer der Competence Call Center, sammelt Ungewöhnliches - nämlich Preise: Sein 1998 gegründetes Unternehmen, das mittlerweile mit 2500 Mitarbeitern in acht Ländern engagiert ist, hat bislang schon 25 Awards und Auszeichnungen geschafft.
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So wie Kloibhofer, der im vergangenen Jahr etwa zum "Entrepreneur of the Year" gewählt wurde, stehen viele heimische Firmenchefs auf öffentliche Auftritte im Scheinwerferlicht. Denn wer möglichst häufig einen Wettbewerb gewinnt, stellt damit hochoffiziell klar, dass es sich um einen Top-Betrieb handeln muss.
Tausende Unternehmen, die nach Anerkennung eigener Stärken suchen, beteiligen sich daher alljährlich an den unzähligen Wirtschafts-Wettbewerben, mit denen etwa der Staat, die Wirtschaftskammern, etliche Medien und diverse Institutionen und Organisationen erfolgreichen Betrieben Freude bereiten. Sie haben die gar nicht so einfache Wahl zwischen bundes- oder landesweit abgewickelten Jungunternehmer-, Export-, Innovations-, Werbe- und zig sonstigen imagefördernden Preisen.
Das Wirtschaftsministerium etwa, das nicht weniger als 15 "Staatspreise" vergibt, will zum einen hervorragende unternehmerische Leistungen sichtbar machen, anderseits auch bestimmte Branchen gezielt in das öffentliche Blickfeld rücken. Die staatlichen Awards samt obligater Galaveranstaltung, zu denen in Vertretung des Ministers meist Staatssekretärin Christine Marek als Preisüberreicherin ausrückt, werden dank des österreichischen Bundesadlers gerne zur höchsten Auszeichnung der Republik Österreich hochstilisiert. So unterschiedlich geartete Unternehmen wie Spar Österreich, XXXLutz, Henkel oder MAM Babyartikel, aber auch völlig unbekannte Firmen, die es nur auf diese Weise einmal in den Mittelpunkt schaffen, genießen es folglich, sich dabei als strahlende Sieger zu präsentieren.
Endloser Kampf um Trophäen aller Art
Die steirische Firma Binder & Co etwa erhielt im März für ein "revolutionäres Recycling-System" den "Staatspreis für Innovation". Mit dem "Staatspreis für Design" wurde die Wiener Otto Bock Healthcare für eine Handprothese ausgezeichnet. Die Kärntner Infineon wiederum gewann für ihre "besonders engagierte und innovative Personalentwicklung" den "Staatspreis Knewledge", dessen Sinn die Förderung des lebensbegleitenden Lernens ist. Orange und die Agentur Dirnberger De Felice Grüber sowie XXXLutz samt Agentur Demner, Merlicek & Bergmann durften sich über den "Staatspreis Werbung" freuen. Und die Hilti AG schließlich, die in ihrer Vorarlberger Niederlassung laut Jury-Entscheid eine "nachhaltig hervorragende Lehrlingsausbildung" praktiziert, bekam hierfür den "Staatspreis Bester Lehrbetrieb" verliehen.
Egal, ob man von Ernst & Young zum "Entrepreneur of the Year" ernannt wird oder als "Unternehmen mit Verantwortung" einen der begehrten "Trigos"-Awards ergattert: Das Votum der zumeist hochkarätig besetzten Jurys beschert jedem Sieger - so willkürlich die Entscheidungen der Experten bisweilen auch ausfallen mögen - ein in der Regel gut vermarktbares Erfolgserlebnis. Daher ist der Andrang um derartige Awards selbst in konjunkturell harten Zeiten, wenn es an sich wenig zu feiern gibt, beachtlich.
Beim wohl beliebtesten Contest, der alljährlich in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) und den Bundesländern durchgeführt wird - dem "Staatspreis für Innovation" -, gab es im Vorjahr gleich 639 Bewerbungen. Um den "Staatspreis Beste Lehrbetriebe" - der Bewerb wird vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) organisiert - haben sich zuletzt immerhin 168 Unternehmen gerissen. Der "Staatspreis Tourismus" hingegen hat nur 15 Unternehmen zum Einreichen motiviert.
Im Ministerium sind demnach bereits Zweifel laut geworden, ob das offiziöse Auszeichnungsritual nicht etwas übertrieben wird: Der "Staatspreis Werbung" etwa könnte daher, so wie der Marketing-Wettbewerb, künftig trotz massiver Proteste aus der Branche, nicht mehr alljährlich, sondern nur noch alle zwei Jahre verliehen werden. Angesichts der kaum noch überschaubaren Preis-Flut haben es die Staatspreise nämlich immer schwerer, ihren elitären Stellenwert zu bewahren.
Die Konkurrenz seitens vieler anderer Award-Verleiher, die sich meist mit Hilfe zahlungskräftiger Sponsoren zum Richter über Sieg oder Niederlage machen, wird zusehends härter. Und alle Veranstalter leben davon, dass fast alle Branchen, so wie die Werber, derartige Contests um äußerliche Insignien der eigenen Kreativität oder des kommerziellen Erfolgs in Form von Trophäen aller Art mit Vergnügen zu zelebrieren bereit sind.
Egal, ob dabei ein Pokal, eine Urkunde, eine Top-Platzierung oder bloß eine Nominierung rausschaut, beteiligen sich viele erwartungsfroh an den Wettbewerben der Eitelkeiten, die allmählich ein inflationäres Ausmaß erreicht haben. In jedem Fall geht es ihnen primär um die Ehre, sprich: den obersten Platz am Stockerl, den Triumph, besser als die übrigen Bewerber abzuschneiden und laut Votum der jeweiligen Jury der Größte bzw. Beste zu sein.
Es geht um die Ehre und die Anerkennung
Neben den obligaten Urkunden und Trophäen - wahlweise aus Acrylglas, Metall, Porzellan oder Holz - bekommen ausgezeichnete Unternehmen bisweilen auch pekuniäre Anerkennung: Die vier Sieger etwa, die in Oberösterreich mit dem "Landespreis für Innovation" ausgezeichnet werden, erhalten jeweils 4000 Euro, die von der Landesregierung gestiftet werden. Für den innovativen Niederösterreich-Gewinner des dortigen "Karl Ritter von Ghega-Preises" gibt es einen 10.000 Euro-Scheck. Ebenso viel lässt die Wirtschaftskammer Österreich bei der Verleihung des Sonderpreises "Econovius" springen, der für innovative Kleinbetriebe geschaffen wurde. Und die Gewinner des "Staatspreises Knewledge", um den sich stets bloß rund 30 Bewerber bemühen, werden mit Bildungsgutscheine im Gegenwert von ca. 70.000 Euro von österreichischen Trainings- und Beratungsinstituten erfreut.
Teils hohe Prämien für die Preisgewinner
Der VP-Wirtschaftsbund lässt sich ebenfalls nicht lumpen: Die Preisträger seines gemeinsam mit dem Österreichischen Gemeindebund ausgeschriebenen Wettbewerbs "WiR - Wirtschaft in der Region" durften Ende Jänner Preisgelder in Höhe von 150.000 Euro in Empfang nehmen. Auf diese Weise wurden bei der Siegerfeier im Wiener Messezentrum jene Unternehmen, Vereine oder Privatpersonen belohnt, die sich mit Projekten oder Initiativen um die Stärkung der lokalen Wirtschaftsräume verdient gemacht haben. Es hatte übrigens 1150 Einreichungen gegeben.
So unterschiedlich und bisweilen fragwürdig die Wertigkeit der vergebenen Awards auch sein mag - eines eint die Preisverleiher, die meist nicht ganz uneigennützig ihre Initiativen starten: Sie möchten in der Regel eine spezifische Botschaft aussenden - beispielsweise beim "Trigos" das Eintreten für Corporate Social Responsibility. Naturgemäß wollen sie am verteilten Ruhm an die Gewinner auch ein wenig partizipieren.
Infrastrukturministerin Doris Bures etwa erfand den "Staatspreis für Chancengleichheit in Forschung und Entwicklung", den im vergangenen November die Villacher Infineon Technologies Austria AG in der Kategorie Großbetriebe abräumte - und zwar für ihr "durchgängiges Konzept zur Förderung von Frauen".
Bisweilen allerdings geht das Kalkül gründlich schief: Manche Awards haben sich nämlich nicht durchsetzen können und wurden mangels Erfolgs wieder gecancelt. So etwa ist der für Automationslösungen konzipierte "Leonardo" samt dem von Siemens gesponserten Sonderpreis "TechWoman of the Year" vor drei Jahren von der Bildfläche verschwunden.
Ein Award jagt den anderenStaatspreise des Wirtschaftsministeriums werden für folgende Zielgruppen ausgeschrieben: Architektur (seit 2002, alle zwei Jahre vergeben), Beste Lehrbetriebe (seit 2008, jährlich ausgeschrieben), Consulting (seit 2004, jährlich), Design (seit 1968, alle zwei Jahre), Innovation (seit 1979, jährlich vergeben), Knewledge (seit 1999, bislang vier Mal vergeben), Marketing (seit 2001, nur noch alle zwei Jahre), Multimedia & e-Business (seit 2001, jährlich), Public Relations (seit 1984, jährlich), Tourismus (seit 2003, alle zwei Jahre), Umwelt- und Energietechnologie (seit 2008, jedes zweite Jahr), Unternehmensqualität (seit 1996, jährlich), Vorbildliche Verpackung (seit 1960, jährlich), Werbung (seit 1972, jährlich) sowie Wirtschaftsfilm (seit 1987, nur noch alle zwei Jahre).
Die heimischen Wirtschaftskammern holen ihre zahlenden Mitglieder am laufenden Band vor den Vorhang. Die WKO beispielsweise vergibt mit dem Wirtschaftsministerium den "Exportpreis". Die Wiener Kammer ist u.a. für den bereits 22 Mal verliehenen Innovationspreis "Mercur", den "DiversCity"-Preis für unternehmerische Vielfalt und den "Slow Fashion Award" zuständig. Die Tiroler Kollegen schreiben den "Wissenschaftspreis" und - wie die Oberösterreicher - einen "Jungunternehmer-Preis" aus. In Linz gibt es auch, heuer erstmals, den "PräVentus" für innovative Ideen zur Vermeidung von Schäden durch Naturkatastrophen zu gewinnen. Die Salzburger Kämmerer schwören auf ihren "Handwerkspreis", und die WK Niederösterreich hat beispielsweise den Energieeffizienzpreis "Helios" oder den Werbe-Award "Goldener Hahn" zu bieten.
Medien-Awards erwecken dank publizistischer Unterstützung die größte Aufmerksamkeit: Das Monatsmagazin "Gewinn" etwa kürt, unterstützt von der Bank Austria und Orange, alljährlich die 100 besten Jungunternehmer des Landes, wobei Preisgelder von rund 60.000 Euro aufgeteilt werden.
Werbe-Awards sind als spezifische Gattung schwer in Mode: Der "Effie" der IAA Austria geht stets an ein Rudel an strahlenden Siegern, die für effiziente Werbung stehen; die "CCA Venus" vom Creativ Club Austria kommt ebenfalls jährlich und wurde kürzlich im Fließbandverfahren 23 Mal in Gold und 36 Mal in Silber verliehen; der ORF zeichnet den "Top Spot" aus und vergibt den "Goldenen Werbehahn".
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