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Preisbewusste Rosenkavaliere

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

"Die Leute kaufen, aber sie kaufen weniger. Denn das Symbol bleibt gleich, ob ich nun 20 Rosen oder 10 verschenke. Für unser Geschäft ist es aber nicht egal." Blumengroßhändler Emil Steffek klagt über stagnierende Umsatzzahlen - und er ist nicht der einzige in seiner Branche.


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Rund 40,6 Euro sind laut RegioPlan Consulting einem österreichischen Haushalt pro Jahr Schnittblumen für verschiedenste Anlässe wert. Allerdings führt der Weg immer seltener ins Blumenfachgeschäft, wie Floristik-Innungsmeisterin Renate Angerer aus Erfahrung weiß. Die Konsumenten würden Pflanzen und Blumen mehr und mehr aus Garten-Fachmarktketten und Blumengroßmärkten (wie etwa Bellaflora oder Holland Blumenmarkt) oder aus großen Supermärkten beziehen. Bellaflora erzielte im Geschäftsjahr 2002/2003 (per Ende Jänner) an 20 Standorten (19 in Österreich, 1 in Bayern) und rund 500 Mitarbeitern 65 Mill. Euro Umsatz - ein Plus von 12% gegenüber dem Jahr davor bzw. flächenbereinigt 3%.

"Man kauft bewusster: Für zu Hause setzen Konsumenten auf die Billigschiene", führt Blumenfachhändler Klaus Ruhnau aus, "im Fachhandel hingegen werden Sträuße für spezielle Anlässe erworben."

Die allgemeine Konjunkturflaute hat für die Blumenhändler einen besonders unangenehmen Nebeneffekt: "Wir haben schwer am Ölpreis zu tragen. Die Heizkosten für Gewächshäuser sind gestiegen", sagt Monika Burket von der Österreichischen Blumenwerbung.

Umso mehr freut sich die Branche auf Anlässe wie Muttertag und den vor der Tür stehenden Valentinstag. Um den 14. Februar herum werden in Österreich geschätzt 20 Mill. Schnittblumen, darunter 5 Mill. Tulpen und 4 Mill. Narzissen sowie 12 Mill. Topfpflanzen an geliebte Menschen verschenkt. Für Bellaflora ist der Valentinstag laut Geschäftsführer Nikolaus Thaller aufgrund der Produktprogramme nicht der wichtigste Tag im Jahr. Die kleinen Geschäfte hingegen setzen auf ihren Hauptverkaufstag bei Einzelblumen: den Tag der Herzen. Rund 22 Euro pro Person beabsichtigen die Österreicher nach einer Umfrage des Österreichischen Instituts für Gewerbe- und Handelsforschung für den Valentinstag ausgeben. 62% schenken dem oder der Liebsten Blumen, 12% machen mit Bonbonnieren und anderen Süßigkeiten Freude. Der Valentinstags-Umsatz wird heuer auf unverändert 100 Mill. Euro geschätzt.

Fair gehandelte Blumen

Seit dem Muttertag 2000 gibt es in Österreich die Möglichkeit, in rund 50 Geschäften "fair gehandelte" Blumen aus Ländern wie Kolumbien oder Ecuador zu kaufen. Diese erkennt man am "Flower Label" (FLP), das durch eine weltweite Initiative von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und Blumenhandel geschaffen wurde. Dahinter stehen Gewerkschaftsfreiheit, existenzsichernde Löhne, die Reduktion von Pestizideinsatz und der Kampf gegen Zwangs- und Kinderarbeit. Margot Fassler von FLP Österreich: "Wenn Pflanzen nicht aus heimischen Gärtnereien stammen, dann sind FLP-Blumen eine Alternative."