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Preisdruck auf Hoteliers im Internet steigt

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Hoteliervereinigung fordert Aufbau einer nationalen Buchungsplattform.


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Schladming. Den Hoteliers macht die zunehmende Macht der Buchungsplattformen wie Booking.com und HRS zu schaffen: "Wir können den Vormarsch der Buchungsplattformen nicht aufhalten. Wir merken den Preisdruck", sagte Peter Peer, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), beim ÖHV-Kongress in Schladming. Angesichts der derzeit herrschenden wirtschaftlichen Unsicherheit und der drohenden Steuererhöhungen müssten die Hoteliers die Kosten in den Griff bekommen und sich wappnen, ergänzte ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn. Die Gäste werden preissensibler, erwartet die ÖHV.

1999 kamen nur zehn Prozent der Zimmeranfragen online, 2011 waren es bereits 77 Prozent, wie eine Umfrage der Tourismusberatung Kohl & Partner ergeben hat. Ende 2012 wird laut Peer jede dritte Buchung online erfolgen. "Österreich als Tourismusweltmeister schafft es aber nicht, einen erfolgreichen Vertrieb über das Internet auf die Beine zu stellen", sagte Schellhorn. Obwohl 68 Prozent der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels über ihre eigene Website gebucht werden können, kommen durchschnittlich nur 20 Prozent der Buchungen direkt, wie eine Umfrage der IMC Fachhochschule Krems unter 522 Betrieben ergeben hat. "Hier gibt es noch großes Potenzial für den Direktvertrieb", sagt Christian Maurer von der IMC FH Krems.

"Dummheit der Hoteliers"

Der Großteil der Zimmer wird über Buchungsplattformen reserviert, die für die Betriebe als Vertriebskanal unverzichtbar geworden sind. Marktführer ist Booking.com: Mehr als die Hälfte der Vier- und Fünf-Sterne-Betriebe erhält die meisten Buchungen über die Website, die zur US-Gruppe Priceline gehört. Dahinter folgen die Anbieter HRS, zu dem auch Tiscover und Hotel.de gehören, sowie Feratel mit Sitz in Innsbruck. Derzeit wird ein Zimmer auf einer Buchungsplattform oft günstiger angeboten als auf der eigenen Website - laut Peer "eine Dummheit": "Der Bestpreis muss auf der Hotel-Website geboten werden." Einige Portale verlangen aber eine Bestpreisgarantie von den Betrieben.

Zimmer-Vermittler Google

Die Plattformen schmieden Allianzen, um ihre Inhalte auszutauschen. Beispielsweise gibt der Tiscover-Multichannel-Manager Unterkunftsdaten automatisch an Partner wie Hotel.de, Expedia, Venere und Hotels.com weiter. Im Durchschnitt verlangen Buchungsportale 13 Prozent Provision vom Zimmerpreis von den Hoteliers, bis zu 20 Prozent betragen die Gebühren bei der Suche über Preisvergleichsseiten wie Trivago oder Checkfelix, die wiederum auf Buchungsplattformen zugreifen. Auch Destinationen sowie Landestourismusorganisationen wie Tirol und Salzburg arbeiten mit Buchungsplattformen zusammen, statt Direktbuchung anzubieten - hier steigt die Kommission laut ÖHV auf mehr als 20 Prozent.

Neu dazugekommen im Wettbewerb um Gäste ist im Vorjahr der Web-Gigant Google mit dem Hotelfinder, der bei einer Hotelsuche die Preise der Plattformen und der Hotel-Website vergleicht und besonders günstige Preise in grün kennzeichnet.

Rund 46 Millionen Euro an Provisionen fließen jährlich der ÖHV zufolge an Buchungsplattformen. Davon gehen rund 37 Millionen Euro ins Ausland, weil die meisten Portale in ausländischem Besitz stehen. "Wir brauchen eine nationale Vertriebsplattform, auf der die Hotels direkt gebucht werden können", sagt Peer. Als Vorbild sieht die ÖHV die Seite MySwitzerland.com, über die Schweizer Hotels mit sechs Prozent Provision angeboten werden.

Die Österreich Werbung (ÖW) sieht jedoch rechtliche Hindernisse für eine nationale Buchungsplattform: "Steuerbeiträge zu verwenden, um mit privaten Anbietern in Wettbewerb zu treten, verstößt gegen EU-Recht", so ÖW-Sprecherin Ulrike Rauch-Keschmann. Nach Ansicht der "Allianz der 10", in der die neun Landestourismusorganisationen und die Österreich Werbung vertreten sind, lohnt sich der finanzielle Aufwand für den Aufbau einer solchen Plattform nicht.