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Private Anleger flüchten von der Hausbank zum Discount Broker

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Die Unzufriedenheit mit der Beratung der Hausbank treibt immer mehr österreichische Privatanleger in die weit offenen Arme der Discount Broker. "Wir sind besser unterwegs denn je", freut sich Ernst Huber, Vorstandsvorsitzender der Salzburger direktanlage.at. Rund 26.000 Kunden zählt Österreichs Discount Broker Nr. 1 derzeit, täglich kommen 5 bis 10 neue Anleger dazu, die ihre Wertpapiertransaktionen lieber direkt über Internet, Telefon oder Fax abwickeln wollen.


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Auch die e-Finance-Tochter der Erste Bank, ecetra Internet Services, verzeichnete bei ihren beiden Online-Broker-Schienen nettrading und brokerjet eine erfreuliche Entwicklung: Von Ende 2002 bis Ende Juni 2003 stieg die Zahl der Kunden insgesamt um 30% auf 18.000. "Wir haben wider Erwarten unser Jahresziel schon jetzt erreicht", sagte ecetra-Sprecherin Patricia Strampfer auf Anfrage der "Wiener Zeitung".

Die Berater in den Banken sind schwer zu erreichen, die Orderausführung dauert zu lange, die Gebühren sind zu hoch: Das führen direktanlage-Kunden oft als Hauptgründe an, warum sie sich entschließen, ihre Börsengeschäfte direkt und nicht über die Hausbank zu erledigen. Außerdem empfehlen die Anlageberater der Banken oft nur hauseigene Produkte, führt Huber aus.

Das für die gesamte Investmentbranche schwierige 1. Quartal 2003 ließ auch die Geschäfte des Salzburger Online-Brokers nicht unberührt: Die Zahl der Wertpapiertransaktionen brach um 10% auf 60.700 ein, gab Huber gestern in einem Pressegespräch in Wien bekannt. Im 2. Quartal gab es hingegen ein Plus von 20% auf 73.000 Transaktionen. "Wir liegen damit wieder genau im Schnitt des Vorjahres", so Huber. Ende Juni lagen in den Depots der direktanlage-Kunden rund 765 Mill. Euro, ein Plus von 13% im Vergleich zum Jahresultimo 2002. "Wenn das Wachstum weiter so voranschreitet, werden wir das all- time-high von 815 Mill. Euro bald überschreiten", ist Huber überzeugt.

Bei den Spesen liege direktanlage.at unter allen Anbietern "in der Mitte", biete aber "das beste Preis-Leistungs-Verhältnis". Im Vergleich mit banküblichen Konditionen ist direktanlage nach Eigenangaben bei Aktien, Anleihen und Optionsscheinen um bis zu 90% billiger. Je höher die Order, desto günstiger fährt der Anleger. So werden bei Ordererteilung bis 10.000 Euro für an der Börse Wien gehandelte Wertpapiere 0,4% Spesen verrechnet, ab 50.001 Euro sind es nur 0,225%. Die "Grundgebühr" beträgt 13,90 Euro. Bei Orderer via Internet wird es noch billiger (ab 0,25% vom Transaktionswert). Dazu kommt die Depotgebühr von 0,1%.

In Österreich wird Online-Brokerage intensiver betrieben als in Deutschland. "Das durchschnittliche Portfolio hat bei uns einen Wert von 30.000 Euro, in Deutschland sind es nur 10.000 Euro", so Huber.

Mit 35 Handelspartnern in neun Ländern habe ecetra das umfangreichste Angebot, so Strampfer. Die Salzburger können immerhin 14 Direkthandelspartner vorweisen.