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Probleme bei Iran-Geschäften

Von Stephanie Schüller

Wirtschaft

Österreichs Handelsvolumen mit dem Iran ist um die Hälfte zurückgegangen.


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Teheran/Wien. Die Preise steigen, die Exporte und Importe werden weniger; es gibt zu wenige Arbeitsplätze für eine große Zahl an gut Ausgebildeten. Seit den Wahlen 2009 spüren immer mehr Iraner die Folgen der aufgrund des Atomprogrammes erlassenen Sanktionen. "Die Inflationsrate liegt offiziell bei 25 Prozent, inoffiziell bei 50 Prozent. Die Preise für tägliche Gebrauchsgüter wie Brot, Benzin oder Fleisch sind stark gestiegen", sagt Michael Friedl, Handelsdelegierter der Wirtschaftskammer Österreich für den Iran. Auch Strom und Wasser wurden stark verteuert.

Präsident Mahmoud Ahmadinejad will diesen Problemen mit um 50 Prozent erhöhten "Cash-Handouts" (Direktauszahlungen) an Bedürftige entgegenwirken. "Diese Auszahlungen betragen 40 US-Dollar pro Person und Monat", sagt Friedl. Bei einer fünfköpfigen Familie würde das ein Plus von 200 US-Dollar bedeuten, was zu Verschiebungen im sozialen Gefüge führt. Immerhin zählen mehr als zwei Drittel der iranischen Bevölkerung zu dieser Gruppe der Bedürftigen.

Fokus auf lokale Produktion

Der Fokus der iranischen Wirtschaft liegt in Zukunft auf lokaler Produktion. Importe werden von der Regierung teilweise verboten, die Einfuhren für bestimmte Produkte erschwert. Viele Pharmazeutika werden schon im Iran hergestellt, aber auch der Import von Luxusgütern soll reduziert werden. Während die Konsumgüterindustrie also wächst, zählen Öl- und Gaswirtschaft zu den Verlierern. Auch Österreich importiert praktisch kein iranisches Öl mehr. Das Handelsvolumen mit dem Iran hat sich halbiert, da die Sanktionen zu Zahlungsproblemen führten. Die Schwierigkeit liegt laut Friedl, darin, das Geld aus dem Iran nach Österreich zu transferieren.

Bevor mit Juli das EU-Embargo in Kraft getreten ist, hat Österreich jedoch noch einmal eine ordentliche Menge an iranischem Öl eingekauft. Zuletzt war das iranische Öl am Weltmarkt nämlich wesentlich billiger als jenes der Konkurrenz. Damit ist jetzt Schluss. Die Importe aus dem Iran sind um 90 Prozent gesunken, auch die Exporte sind um mehr als 15 Prozent gefallen. Das Öl-Embargo wird sich laut Friedl aber nur dann auf den Spritpreis in Österreich auswirken, wenn der Iran längerfristig als Öllieferant ausfällt.

Iran bleibt Handelspartner

Auch wenn das Handelsvolumen mit dem Iran für 2011 ungefähr 321,5 Millionen Euro beträgt und somit etwa um die Hälfte unter dem Vorjahresniveau liegt, verfügen die beiden Länder über gute Wirtschaftsbeziehungen. Laut Friedl sind 600 bis 700 österreichische Unternehmen mit dem Iran in Kontakt. Rund 100 Firmen haben sogar einen österreichischen Unternehmensvertreter im Iran stationiert. Der Grund dafür ist, dass der Großteil der österreichischen Produkte - Lebensmittel, Verpackungsmaterial und Konsumgüter - nicht von den Sanktionen betroffen ist.