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Professor Doktor Trüffelschwein

Von Markus Kauffmann

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Markus Kauffmann , seit 22 Jahren Wiener in Berlin, macht sich Gedanken über Deutschland.

Es gilt als eines der größten und besten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute Europas. Seit 40 Jahren untersucht es Systeme von Arbeit, Gesundheit, Märkten, Mächten. | Fährt man am Ufer des Berliner Landwehrkanals entlang, taucht rechterhand ein architektonisches Gebilde auf, das den Blick unweigerlich an sich zieht. Wie eine riesige Geburtstagstorte in blauen und rosa Schichten steht es da, ein wenig versteckt hinter einem Prunkbau im wilhelminischen Reichstagsstil.


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So umstritten das Gebäudeensemble der britischen Architekten James Stirling und Michael Wilford anfangs war, so kritisch wurde auch die Institution beäugt, die darin ihr Domizil gefunden hat: Das "Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung" (WZB).

Heute gilt der Neubau als ein Meilenstein der postmodernen Architektur in Berlin und das WZB als eines der weltweit führenden Zentren sozialwissenschaftlicher Grundlagenforschung. Letzteres feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. 1969 von Bundestagsabgeordneten gegründet, und zwar in parteiübergreifender Zusammenarbeit, sollte es das Niveau Berlins als Wissenschaftsstandort nachhaltig sichern, der durch die Folgen der politischen Teilung gefährdet war.

In den 60er Jahren setzte man große Hoffnungen in die Soziologie. Man erwartete von ihr Beiträge, wenn nicht sogar Rezepte zur Planung, zum Verständnis gesellschaftlicher Prozesse und zur Effizienz-Steigerung von Politik und Verwaltung.

"Während die Universitäten ihre Arbeit nach den einzelnen Fächern ausrichteten, sollte das WZB sich an den gesellschaftlich-politischen Problemen der Zeit orientieren und dabei die Methoden einer breiten Palette sozialwissenschaftlicher Disziplinen nutzen", sagt der vormalige Präsident des WZB, der berühmte Historiker Jürgen Kocka.

Aber die damals ziemlich brodelnden Universitäten betrachteten die Neugründung mit größter Skepsis, fürchteten sie doch ein weiteres durstiges Ferkel an den Zitzen des Staates. Inzwischen sind sie längst auf Kooperation umgestiegen. Viele am WZB tätige Wissenschafter lehren auch an den Berliner Hochschulen.

Das WZB habe den Vorzug, als "Trüffelschwein" wirken zu können, meint Stephan Leibfried, einst scharfer Kritiker, heute Mitglied des WZB: "Es kann als verhältnismäßig kleine Organisation vergleichsweise einfach auf neue, heranwachsende Themen wie Internationale Zivilgesellschaft setzen. Oder von anderen Forschungsorganisationen sträflich vernachlässigte Themen wie Bildungsforschung neu besetzen und fruchtbar verknüpfen, hier mit Themen des Arbeitsmarkts, des Lebensverlaufs, der Ungleichheit. Es kann leichter als die Universitäten den Vorteil von Teamarbeit kultivieren."

Heute forschen und lehren rund 150 Wissenschafter am WZB, unter denen Sir Ralph Dahrendorf sicher der bekannteste ist. Geleitet wird das Institut von einer so streitbaren wie umstrittenen deutschen Soziologin, Jutta Allmendinger. Sie ist gleichzeitig Soziologie-Professorin an der Humboldt-Universität. Ihre bevorzugten Themen sind soziale Ungleichheit, Frauenforschung, Bildung und Lebensverlaufsstudien.

Das WZB war von Parlamentariern in der Hoffnung gegründet worden, dass manche wissenschaftliche Brosamen für die Politik abfallen würden. Wie sieht nach 40 Jahren hier die Bilanz aus, wurde Lord Dahrendorf, Doyen der Soziologie, gefragt. Dieser wünscht sich eine engere Beziehung zu den Parlamenten: "Es fällt mir auf, dass viele der heutigen Sozialforscher geradezu eifersüchtig darüber wachen, dass sie nicht vereinnahmt werden von der Politik, während wir diese Vereinnahmung eigentlich gesucht haben, auch wenn wir diesen Begriff nicht verwendet hätten."