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Prognosen setzen klar auf Bersani

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Monti würde auch mit PdL ohne Berlusconi koalieren, blitzt dort aber ab.


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Rom. Sein Name ist der einzige der Parteiführer, der auf dem Wahlzettel bei den Parlamentswahlen am 24. und 25. Februar auf keinem Parteisymbol aufscheint. Trotzdem sehen zwei Umfragen, die am Freitag, vier Wochen vor dem Wahltag, publiziert wurden, den Chef der Demokratischen Partei (PD), Pier Luigi Bersani, als klaren Wahlsieger.

In einer vom staatlichen TV-Sender RAI 3 publizierten Umfrage liegt die Mitte-Links-Allianz mit 34,1 Prozent deutlich vor dem Berlusconi-Lager, dem 26,6 Prozent eingeräumt werden. Gegenüber der Vorwoche bedeutet das für Bersani einen Zuwachs um 1,1 Prozentpunkte, während Berlusconi 0,6 Prozentpunkte einbüßte. Der Zentrumsblock rund um den scheidenden Premier Mario Monti liegt in dieser Prognose bei 12,8 Prozent und damit ebenfalls um 0,9 Prozentpunkte unter dem Wert der Vorwoche.

Berlusconi-Partei liegt bis zu 12 Prozent hinter der PD

Stärkste Einzelpartei wäre laut dieser Umfrage die PD mit 29,4 Prozent vor der Berlusconi-Partei PdL, auf die 17,2 Prozent der Wählerstimmen entfallen würden. Die mit Berlusconi verbündete Lega Nord käme auf 5,3 Prozent. Innerhalb des Zentrumsbündnisses käme die Monti-Liste auf 7,5 Prozent und die chrisdemokratische Zentrumsunion UDC auf rund vier Prozent. Die populistische Protestbewegung "Fünf Sterne" des Komikers Beppe Grillo liegt in dieser Umfrage wie Berlusconis PdL bei 17,2 Prozent.

Etwa deutlicher wäre Bersanis Vorsprung in der von der Zeitung "la Repubblica" in Auftrag gegebenen Umfrage. Danach würde das Mitte-Links-Bündnis im Abgeordnetenhaus auf 38,1 Prozent und im Senat, wo man erst ab 25 Jahren wahlberechtigt ist, auf 38,5 Prozent kommen. Das Rechtsbündnis von Berlusconi käme nach dieser Prognose auf 25,8, beziehungsweise 25,9 Prozent. An dritter Stelle liegt mit 16,2, beziehungsweise 16,1 Prozent Montis Zentrumsbündnis mit einigem Abstand vor Grillos Fünf-Sterne-Bewegung, die im Abgeordnetenhaus auf 13 und im Senat auf 12,1 Prozent käme. 4,5 beziehungsweise 4,6 Prozent entfielen nach dieser Umfrage auf die Liste "Rivoluzione Civile" des Anti-Mafia-Richters Antonio Ingroia, in der unter anderen zwei kommunistischen Splitterparteien, die Grünen und die Partei "Italien der Werte" des Starrichters Antonio di Pietro, sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen haben.

Die PD Bersanis gilt als unbestrittener Favorit im Abgeordnetenhaus, wo die stärkste Fraktion automatisch eine absolute Mehrheit erreicht. Wegen der Tücken des Wahlrechts sind laut "la Repubblica" aber keine Prognosen darüber möglich, wie die Sitzverteilung im Senat aussehen wird, weil dort der Siegerbonus in den einzelnen Regionen vergeben wird. Silvio Berlusconi setzt ja noch immer auf ein Patt im Senat, um weiter im Spiel bleiben zu können. Er spricht von einem Rückstand seiner Partei von nur fünf Prozent.

Nach der "la Repubblica"-Umfrage ist jeder dritte italienische Wahlberechtigte (33,7 Prozent) noch unentschlossen, 30,2 Prozent neigen zur Wahlenthaltung. Der Start der heißen Wahlkampfphase an diesem Wochenende könnte also noch einiges an Verschiebungen bringen.

Die Turbulenzen rund um die Bank Monte dei Paschi di Siena sind schon am Freitag zu einem Thema im Wahlkampf geworden. Beppe Grillo, der zuletzt ein wenig ins Hintertreffen geraten war, lieferte vor der Bank eine Show ab: "Ich habe 30 Euro verloren, aber was ist das im Vergleich zu den 14 Milliarden, die hier den Bach hinuntergegangen sind", tönte er vollmundig und musste sich fragen lassen, woher er diese Zahl habe.

Mario Monti wiederum machte die Verstrickung von Politik und Banken für das Desaster verantwortlich und schob auch der PD einen Teil der Schuld zu, was umgehend von der PD-Fraktionsführerin in Senat, Anna Finocchiaro zurückgewiesen wurde.

Monti schloss am Freitag auch eine Zusammenarbeit mit Berlusconis PdL nach den Wahlen nicht aus, wenn Berlusconi auf eine Führungsposition in seinem Bündnis verzichtet. Damit hat er aber offensichtlich zu hoch gepokert, denn von der PdL kam als Retourkutsche sofort eine kalte Dusche. "Wenn in Italien etwas oder irgendwer gereinigt werden muss, dann ist es die Technokratenregierung. Die PdL gibt es nur mit Berlusconi oder gar nicht. Das sollen sie sich einmal aus dem Kopf schlagen", konterte Berlusconis Nachfolger als Parteichef, Angelino Alfano, derauch hofft, dass die Bankenaffäre seiner Partei helfen werde, die PD im Endspurt doch noch einzuholen.

Bersanis Bündnispartner Nichi Vendola vom Linksbündnis SEL, an dem sich Monti schon mehrmals gerieben hat, antwortete auf Journalistenfragen nach Montis Avancen an die PdL mit einem literarischen Zitat: "Da fällt mir nur der Titel eines Buches von Susanna Tamaro ein - Geh, wohin dein Herz dich trägt."