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Pröll, Molterer, Plassnik: Die ÖVP schaut auf ihre Talente - die SPÖ kaum

Von Reinhard Göweil

Analysen

Ex-Vizekanzler und Ex-ÖVP-Obmann Josef Pröll (42) wird am 1. Juli Vorstandschef der Leipnik Lundenburger AG, einer großen Beteiligungsholding des Raiffeisen-Reichs. Mehl, Zucker, Stärke und Glücksspiel (Casinos Austria) werden von dort aus überblickt. Der Umsatz der LLI-Gruppe macht 900 Millionen Euro aus. Aufsichtsratspräsident ist Christian Konrad. | Ex-Vizekanzler, Ex-ÖVP-Obmann und Pröll-Vorgänger Wilhelm Molterer (56) wird mit ziemlicher Sicherheit am 1. Juli Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) - der Hausbank der EU-Kommission. Die EIB vergab 2010 Darlehen an 460 Infrastruktur- und Wirtschaftsprojekte im Ausmaß von 72 Milliarden Euro.


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Die seinerzeitige Bürochefin von Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel und Ex-Außenministerin Ursula Plassnik (55) hat sehr gute Chancen, am 1. Juli zur Generalsekretärin der OSZE gewählt zu werden. Die internationale Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit Sitz in Wien soll Konflikte innerhalb Europas entschärfen sowie die demokratische Ausrichtung von - vor allem - im Osten gelegenen Ländern unterstützten.

Die drei Beispiele zeigen deutlich, dass die Volkspartei ihre ehemaligen Spitzenkräfte viel stärker unterstützt, als dies die SPÖ tut.

Beispiel gefällig? Gertrude Tumpel-Gugerell (58) war acht Jahre lang im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB). Danach muss man aus dem Exekutiv-Organ der mächtigen Zentralbank ausscheiden, eine Wiederbestellung ist nicht erlaubt. Wer nun glaubt, dass eine derart hochqualifizierte Frau von der Republik Österreich oder wenigstens ihrer Partei, der SPÖ, nachhaltig unterstützt würde, geht fehl. Sie wird als Beraterin ein Büro im Wirtschaftsforschungsinstitut beziehen. Nun ist das Wifo zweifellos eine hochseriöse Institution. Aber Chefin des zweiten Forschungsinstitutes, des IHS, kann sie nicht werden: Das wird ein Schwarzer - auch wenn in der ÖVP alle zugeben, dass Tumpel-Gugerell eine überaus qualifizierte, integre Person ist.

Dass Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer nicht EU-Kommissar werden konnte, weil die österreichischen Kommissionsvertreter aus der Volkspartei kommen müssen, passt in dieses Bild.

Nun könnte es sein, dass die Sozialdemokraten - im Gegensatz zu den Konservativen - ein so tolles Personal-Reservoir haben, dass sie mit ihren Talenten Schindluder treiben können. Haben sie aber nicht.

Für die Republik Österreich ist dies ein Jammer. Es geht schließlich nicht um Versorgungsjobs für die Zeit nach der aktiven politischen Laufbahn. Pröll, Molterer und Plassnik brauchten die Zustimmung Dritter - sie sind qualifiziert für die Jobs, keine Frage.

Würde die SPÖ ihre Spitzenleute auch so unterstützen, kämen am Ende mehr Österreicher in einflussreichen Positionen heraus. Für das Land wäre das überaus begrüßenswert.