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Prozess um Massaker vor Wahlen

Von Rainer Mayerhofer

Politik
Andal Ampatuan (Mitte) soll das Massaker an 57 Menschen veranlasst haben. Foto: reu

Die Opfer hatten Politiker-Familie zu Anmeldung von Kandidatur begleitet. | Sohn des Provinzgouverneurs plante den Anschlag mit allen Details. | Wien/Manila. Mit 57 Toten war das sogenannte Maguindanao-Massaker vom 23. November 2009 der blutigste Anschlag in der jüngeren philippinischen Geschichte. Der Clan des amtierenden Provinzgouverneurs Andal Ampatuan Senior wollte damit die Kandidatur des Herausforderers Esmael Mangudadatu stoppen. Am Mittwoch hat in Manila der Prozess gegen 196 Angeklagte begonnen, darunter fünf Mitglieder des Ampatuan-Clans.


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500 Zeugen werden in dem Verfahren aussagen, in dem 11.000 Anklagepunkte verhandelt werden. Der Prozess wird vermutlich jahrelang dauern.

Am ersten Prozesstag sagte Lakmudin Saliao, ein enger Mitarbeiter des früheren Gouverneurs, als einer der Hauptzeugen der Anklage, dass die Ampatuans eine Woche vor dem Massaker bei einem Treffen darüber beraten haben, wie der politische Konkurrent zu stoppen sei. "Schau Vater, das ist einfach. Wir töten sie, wenn sie hierherkommen", sagte Andal Ampatuan Junior laut Zeugenaussage bei diesem Treffen. Auf die Frage des Vaters, ob er wisse, was zu tun ist, habe der jüngere Ampatuan geantwortet: "Wir töten sie alle, so kann keiner reden." Nach Angaben des Zeugen bestellten die Angeklagten sogar einen Bagger, um die Opfer des Massakers verscharren zu können.

Machtkampf um das Gouverneursamt

Der Ampatuan-Clan hatte seit den Neunzigerjahren in der Provinz Maguindanao - sie ist Teil einer autonomen Region auf der vorwiegend von Muslims bewohnten Insel Mindanao - die Fäden gezogen. Esmael Mangudadatu, der wie die Ampatuans der Partei der damals amtierenden Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo angehörte, wollte bei Gouverneurswahlen im Mai 2010 als Gegenkandidat antreten.

Mehrere Versuche aus dem Umfeld der Präsidentin, im Streit zwischen den beiden Familien zu vermitteln, waren fehlgeschlagen. Weil er von der Familie Ampatuan bedroht worden war, wollte Mangudadatus Familie in Begleitung von mehreren Rechtsanwälten und Journalisten seine Kandidatur bei den lokalen Wahlbehörden einreichen.

Gräber zwei Tage vor Massaker ausgehoben

Am Morgen des 23. November 2009 brach der aus sechs Autos bestehende Konvoi in der Stadt Buluan, wo Mangudadatu Vizebürgermeister war, auf, um in Shariff Aguak die Unterlagen für die Kandidatur einzureichen. Einige Kilometer vor dem Ziel wurde der Konvoi von hundert bewaffneten Männern gestoppt. Bereits zwei Tage zuvor waren mit einem Bagger Gräber ausgehoben worden, in denen die Toten und ihre Fahrzeuge verschwinden sollten.

Bei dem anschließenden blutigen Massaker wurden unter anderen die Frau Mangudadatus, zwei seiner Schwestern, seine Tante und mehr als 30 Journalisten getötet. Viele der Opfer waren zuvor noch schwer misshandelt und verstümmelt worden. Fünf der weiblichen Opfer - darunter vier Journalistinnen - waren vor ihrer Ermordung von den Angreifern außerdem vergewaltigt worden.

Vor ihrem Tod hatte die Frau Mangudadatus noch eine SMS abgeschickt, in der sie die Angreifer als Gefolgsmänner von Andal Ampatuan Junior identifizierte.

Präsidentin Macapagal-Arroyo verhängte nach Bekanntwerden des Massakers am 24. November das Kriegsrecht über die Provinz Maguindanao. Einen Tag später wurden drei Mitglieder des Ampatuan-Clans - Andal Ampatuan Senior und seine Söhne Andal Ampatuan Junior und Datu Zaldy Uy Ampatuan - aus der Regierungspartei ausgeschlossen. Der wegen Anstiftung zum Massaker gesuchte Andal Ampatuan Junior stellte sich am 26. November, bestritt aber nach seiner Überstellung in die Hauptstadt Manila jegliche Schuld und machte die "Islamische Befreiungsfront Moro" dafür verantwortlich. Später fand man in einem ihm gehörenden Lagerhaus jede Menge Kriegsgerät, Feuerwaffen und mehr als 330.000 Schuss Munition.

Esmael Mangudadatu reichte am 27. November 2009 seine Kandidatur für das Gouverneursamt ein. Begleitet wurde er dabei zu seiner Sicherheit von 50 Fahrzeugen und Präsidentschaftskandidat Gilberto Teodoro. Er wurde zum Gouverneur gewählt und trat sein Amt am 30. Juni 2010 an.