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Putins Jugend

Von WZ-Korrespondentin Simone Brunner

Politik
Unzertrennlich: Gwardija-Chef Dawydow und sein Idol.
© Brunner

Die "Junge Garde" ist die Jugendorganisation der Regierungspartei "Einiges Russland" und Präsident Wladimir Putin treu ergeben. Ein Besuch in ihrem Hauptquartier in Moskau.


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Moskau. Manchmal ist Politik wie Sport, sagt Denis Dawydow. Dass die Regierungspartei Einiges Russland zuletzt in Umfragen verloren hat, ficht ihn nicht sonderlich an. "Wissen Sie, das ist wie ein Fußballmatch: Heute spielen wir 3:0, und morgen 2:1", sagt Dawydow. "Und am Ende haben wir trotzdem gewonnen."

Denis Dawydow sitzt in seinem Büro im Moskauer Zentrum. Roter Backstein, die Tür gibt den Blick frei auf ein schickes, offenes Loft in einer ehemaligen Textilfabrik. "Im Himmel ist Gott, am Boden ist Russland", ist auf eine Wand gedruckt. Bilder und Zitate des russischen Präsidenten Wladimir Putin säumen die übrigen Wände. Der 27-Jährige leitet die "Molodaja Gwardija" (deutsch: Junge Garde), die Jugendorganisation der Putin-Partei "Einiges Russland".

Ein Wahlsieg am Sonntag gilt als ausgemachte Sache. Umfragen sehen die Partei bei rund 50 Prozent. Putin gehört der Partei zwar nicht selbst an, ist dort jedoch ständiger Dreh- und Angelpunkt. Auf Plakaten, auf Flugblättern und Spots wird meist nur mit ihm geworben: "Einiges Russland - das ist die Partei des Präsidenten!" Und selbst die Eröffnungssätze des Wahlprogramms sollen aus der Feder Putins stammen.

Kein Wunder, denn während die Zustimmung zur Duma mit 37 Prozent im Keller ist, liegen die Beliebtheitswerte des Präsidenten nach wie vor bei über 80 Prozent. Dawydow selbst hat sich den internen Vorwahlen der Partei, die heuer erstmals stattfanden, gestellt. Dass er in seinem Heimatort nahe Wolgograd über den 18. Platz nicht hinauskam, stört ihn dabei wenig, wie er sagt. Denn immerhin habe der Präsident drei Postulate für den Wahlkampf ausgegeben: "Konkurrenz, Offenheit und Legitimität."

Seine persönliche Loyalität steht für Denis Dawydow freilich außer Zweifel: "Das Wichtigste in meiner Arbeit ist die Unterstützung des Präsidenten." Wie sein Vorbild gibt sich Dawydow sportlich, diszipliniert, aber salopp. Neben seinem Schreibtisch hängt ein Putin-Poster in Popart-Stil.

Wie wird man zu einem derart treu ergebenen Jungpolitiker? Dawydow holt aus. Das sei eine "tiefe, sehr persönliche Geschichte", wie er sagt. Ein typischer Vertreter der "Generation Putin" - im Umbruchsjahr 1989 geboren, war er 11 Jahre als, als Putin Präsident wurde.

Kaderschmiede

Die Erinnerungen an die Neunziger Jahre sind stark von seinen Eltern, Agronomen aus dem Gebiet Wolgograd in Südrussland, geprägt. "In den 90er Jahren haben wir nicht gerade im Überfluss gelebt, wie viele Leute damals. Meine Eltern haben sich ständig Sorgen gemacht, dass das Land jeden Moment auseinanderfällt." Dann kam Putin. Mit ihm kamen Stabilität, Gehälter, Pensionen und ein - wenngleich höchst umstrittener - Frieden in Tschetschenien. Als Dawydow zum Studium nach Moskau kam, wurde er Aktivist bei der "Jungen Garde" - und kletterte die Karriereleiter hoch.

Wie die Organisation "Naschi" (deutsch: "die Unsrigen"), wurde auch die Junge Garde in den ersten Jahren nach dem Amtsantritt Putins gegründet, um die "hearts and minds" der jungen, apolitischen Generation zu gewinnen - und sie auf Linie zu bringen. "Das sind Pro-Kreml-Jugendbewegungen, die Putins Politik unterstützen, an Regierungskampagnen und Demonstrationen teilnehmen, Propaganda verbreiten und gegen die Opposition kämpfen", sagt die russische Journalistin Irina Borogan in einem Interview. "Sie wurden als aktive Pro-Putin-Straßentruppe geschaffen."

Vor allem "Naschi" machte sich als harte, medienwirksame Gang einen Namen, wurde allerdings 2013 aufgelöst. Die Junge Garde agierte derweil mehr im Hintergrund, nach einigen Störaktionen gegen die Opposition ist sie allerdings zuletzt auch deutlich zahmer geworden. Sie ist zur wichtigsten und vor allem größten Pro-Putin-Jugendorganisation - und wohl auch zu einer möglichen Kaderschmiede - avanciert. Laut eigenen Angaben hat sie 150.000 Mitglieder in 85 Städten. Diese Zahlen lassen sich indes nicht überprüfen und werden von Beobachtern angezweifelt.

Schlagzeilen machte die Organisation zuletzt in Deutschland, als der "Spiegel" über ein Bündnis zwischen der Jungen Garde und dem Jugendflügel der rechtspopulistischen deutschen Alternative für Deutschland (AfD) berichtete. "Dummes Zeug", kommentiert Dawydow. "Wir haben das selbst aus der Zeitung erfahren." Der "Spiegel" blieb zuletzt bei seiner Darstellung.

Führer ergeben

"Wenn es Putin gibt, gibt es Russland. Wenn es Putin nicht gibt, gibt es Russland nicht", sagte der erste stellvertretende Leiter der Präsidialadministration, Wjatscheslaw Wolodin, unlängst. "Putin steht jetzt an vorderster Front, und wir stehen hinter ihm, um ihn zu unterstützen", kommentiert Dawydow das Zitat.

Dass Putin als derart alternativlos gilt, macht aber laut Beobachtern schon das Machtzentrum selbst nervös: 2018 finden die Präsidentschaftswahlen statt, bei denen Putin wohl antreten wird. Aber dann? "Dieser Grad an Personalisierung machen es dem Regime selbst schwer, Mechanismen für eine allmähliche Machtübergabe zu entwickeln, da alle mächtigen Akteure und Institutionen völlig von Putin abhängig sind", schreibt das Carnegie Moscow Center. "Wladimir Putin ist für das Regime die einzige Quelle der Popularität, der Legitimität und der Effizienz."