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Putins Paralympics stehen auf der Kippe

Von Christian Mayr

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Den östlichsten Zipfel der Krim und Sotschi trennen gerade einmal 300Kilometer Luftlinie - das entspricht der Entfernung Wien-Kitzbühel. Damit ist eigentlich schon fast alles gesagt, warum die am Freitag in der russischen Olympiastadt beginnenden Paralympics der Behindertensportler auf der Kippe stehen. Wenn auf der Krim der berühmte Funken das Pulverfass explodieren lässt, würden die Wettkämpfe plötzlich in oder zumindest am Rande einer Kriegsregion stattfinden müssen. Undenkbar, dass dann noch um Hundertstel und Zentimeter gekämpft wird, wenn es in der nahen Ferne um Leben und Tod geht. Noch undenkbarer ist, dass der Aggressor in Person von Wladimir Putin wie vor rund einem Monat bei Olympia diese Spiele des Friedens ohne mit der Wimper zu zucken eröffnet und die gesamte Welt dazu schweigend vorbeizieht. Anders als bei den Winterspielen, die nur von einigen wenigen Polit-Persönlichkeiten (und auch das vielfach nur pro forma) boykottiert wurden, gibt es nun auch für Sportler klare Boykott- und Exit-Pläne für den Fall einer Eskalation. Noch aber überwiegt die Hoffnung: "Putin hat die Paralympics im Auge. Bei einem Militärschlag würde er noch bittere Lorbeeren bekommen", meinte etwa der deutsche Verbandspräsident Friedhelm Julius Beucher. Das ist freilich eine eher seltsame Form der sportlichen Gleichbehandlung, die ja Behindertensport-Verbände immer wieder einfordern. Übersetzt heißt das nämlich nichts anderes: Putin würde aus Respekt vor den Sportlern erst nach dem Ende der Paralympics losschlagen. Positiv wäre daran, dass noch wertvolle Zeit für Diplomatie vorhanden ist.