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Quell der Hoffnung für tausende Albaner

Von Michael Schmölzer, Tirana

Wissen

In Albanien werden Spitäler üblicherweise mit dem Tod gleichgesetzt. Dass das für die Patienten des Krankenhauses von Fier, etwa 100 Kilometer südlich von Tirana, nicht gilt, ist dem Engagement eines Österreichers zu verdanken: Der rührige Apotheker Norbert Payer hat Anfang der 90er Jahre systematisch damit begonnen, die Zustände in der völlig heruntergekommenen Krankenanstalt zu verbessern. Dem sozialen Gewissen des Südburgenländers, zahlreichen Sponsoren und der Spendenbereitschaft der Österreicher verdanken unzählige Albaner, dass sie nicht längst an vergleichsweise harmlosen Krankheiten zugrunde gegangen sind.


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Funktionierende Versorgung mit elektrischem Strom, eine sterile Umgebung, unbedenkliches Wasser und halbwegs brauchbares medizinisches Gerät: Die meisten albanischen Chirurgen kennen das nur vom Hörensagen - oder von Besuchen im westlichen Ausland. Sie arbeiten mit "Steinzeit-Methoden", die jedem österreichischen Arzt einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Wer in Albanien ernsthaft erkrankt, kann auf eine glückliche Fügung hoffen - oder zur Behandlung nach Italien gehen. Letzteres setzt freilich Kapital voraus, über das in dem bitterarmen Land nur wenige verfügen.

Wie eine Oase der Menschlichkeit wirkt daher das, was Norbert Payer in Fier auf die Beine gestellt hat: Wer durch die breiten Flügeltüren in den chirurgischen Trakt des Krankenhauses kommt, "der betritt Europa", heißt es in Albanien. Die Umgebung ist sauber, die notwendigen Sterilisationsapparate und das übrige medizinische Gerät sind vorhanden. Eine Sensation im Armenhaus Europas, in dem "eine einfache Bluttransfusion oft einem Todesurteil gleichkam", wie Payer drastisch vor Augen führt.

Zehnjähriges Jubiläum

Vor zehn Jahren, im Juni 1994, wurde der modernisierte Trakt feierlich eröffnet. Über 3,5 Millionen Euro hat Payer mittels Spenden und Sponsoren in Aufbau und Instandhaltung seines Projektes investiert. Zahlreiche Firmen wie Austrian Airlines, OMV, Philips, Siemens, BWT AG, Casinos Austria, Gebrüder Weiss, Vogl-Pumpen und die Stadt Wien halfen dabei. Neben dem OP-Trakt wurden eine Intensivstation und die Wäscherei von Grund auf erneuert.

Der Erfolg des Projekts war dennoch nicht von vorne herein garantiert. Die politisch instabile Situation in Albanien drohte mehr als einmal, dem Projekt den Garaus zu machen: Kritisch wurde es 1998, als in Folge eines groß angelegten Finanzbetruges, der viele Albaner um ihr bescheidenes Vermögen gebracht hatte, anarchische Zustände herrschten und ein aufgebrachter Mob plündernd durchs Land zog. "Wenn dem Spital etwas passiert wäre, hätte ich aufgegeben", erinnert sich Payer an die Ungewissheit jener Tage. Die Randalierenden hatten Einsehen und verschonten - nicht ohne Mitwirkung des engagierten Spitalspersonals - das kostbare Inventar.

Und so ist der Apotheker weiterhin um die Instandhaltung der modernen Infrastruktur bemüht. Denn die Narkosegeräte, die Trinkwasseranlage und das Stromaggregat, die aus dem OP-Trakt eine "autarke Zelle" machen, wollen gewartet sein. Wie Entwicklungshelfer wissen, ist die Bereitstellung westlicher Technologie nur ein erster Schritt. Wer nachhaltig helfen will, kann sich nach getaner Arbeit nicht einfach in die Heimat verabschieden.

Dass das "Werkel" einwandfrei weiterläuft, dafür zeichnet Erich Rybar verantwortlich. Der pensionierte Techniker, der schon in Sibirien, in Afrika und Indonesien tätig war, wartet in regelmäßigen Abständen die komplizierten medizinischen Apparate und macht das albanische Personal eindringlich auf zu vermeidende Anwendungsfehler aufmerksam. Er montiert, improvisiert, klärt auf und beschafft nötige Ersatzteile. Und das alles, obwohl seine Hüfte nicht mehr so will wie früher. Unterstützung hat er in dem Elektriker Roland Fink, der regelmäßig seinen Urlaub opfert, um in Fier tätig zu sein.

Wichtig ist dem Organisator Payer vor allem, dass das albanische Spitalspersonal eigenständig die errichteten Strukturen betreuen kann. Eine Oberschwester wurde vor einiger Zeit im Burgenland geschult, "sie hat ihre Mannschaft bestens im Griff", ist Payer zufrieden. Beendet ist die aufreibende Mission des Apothekers aber noch lange nicht.

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Spenden für die Aktion: "Helfen sie Mag. Payer in Albanien helfen", an: P.S.K. 90.200.700. Infos unter: http://www.albanienhilfe.com .