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Rabins Tochter stellt unangenehme Fragen

Von Mosche Meisels

Politik

Tel Aviv · Vier Jahre nach der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin sieht seine Tochter Dalia Rabin-Philosoph die Hintergründe des Anschlags noch immer nicht als | restlos aufgeklärt an. In einem Interview mit der Monatszeitung "Olam Haisha" erklärte die Vizevorsitzende des Parlaments, für sie bestünden noch viele Fragen, was an dem Abend des | 4. November 1995 geschehen sei. Trotz Nachfragen habe sie von der staatlichen Untersuchungskommission und von Personen, die am Tatort anwesend waren, keine klaren Antworten bekommen.


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Warum hatten die Sicherheitsleute ihre Mutter nicht im gleichen Auto wie ihren verwundeten Vater ins Krankenhaus gefahren? Warum wollten sie ihre Mutter so rasch wie möglich mit der Erklärung, es

handle sich um eine militärische Übung, vom Tatort wegbringen? Warum nahmen die Sicherheitsleute, die ihre Mutter ins Krankenhaus brachten, während der Fahrt keinerlei Verbindung mit anderen

Sicherheitsleuten auf? Mehrere Personen, die am Tatort anwesend waren und an die sie für sie bisher ungeklärte Fragen richtete, hätten eine Antwort verweigert, kritisierte Frau Rabin-Philosoph.

Sie habe zwar volles Vertrauen in den Bericht der staatlichen Untersuchungskommission über den Mord an Rabin und wolle keine Anschuldigungen gegen den Inlandsgeheimdienst Shabak (Shin Beth) äußern.

Es sei für sie jedoch bis jetzt noch immer nicht klar, wieso sich der Rabin-Attentäter Yigal Amir unbehelligt in unmittelbarer Nähe des Dienstwagens ihres Vaters befinden konnte und warum ihn die

Geheimdienstleute nicht sofort nach der Mordtat erschossen, betonte Rabin-Philosoph. Sie wies auch auf einander widersprechenden Berichte des Krankenhauses und des pathologischen Instituts hin.

Der Shabak-Agent Avishai Raviv, der in enger Beziehung zum Rabin-Mörder Amir stand und mit ihm zusammenarbeitete, hätte unter der Anklage, dem Shabak nicht die Mordabsichten Amirs mitgeteilt zu

haben, die Auskunft verweigert und argumentiert, er könne in einer sub judice-Angelegenheit keine Aussagen machen. Sie glaube zwar nicht daran, dass es sich bei der Ermordung ihres Vaters um eine

Verschwörung gehandelt hätte, an der der Shabak in irgendeiner Weise beteiligt gewesen sei. Ihre Fragen erforderten jedoch eine weitere Untersuchung des Anschlags, unterstrich die Vizevorsitzende des

israelischen Parlaments.

Die Militärzensur verbietet derzeit die Veröffentlichung eines Protokolls einer Beratung des Shabak und der Staatsanwaltschaft über die Tätigkeit des Shabak-Agenten Raviv im Zusammenhang mit dem

Rabin-Mord mit der Behauptung, dass die Veröffentlichung der israelischen Sicherheit schaden könnte. Das Protokoll befindet sich in Händen der israelischen Presse. Eine Zeitung hatte sich an den

Obersten Gerichtshof mit dem Ansuchen gewandt, die Veröffentlichung zu erlauben, da sie die israelische Sicherheit in keiner Weise gefährde. Der Oberste Gerichtshof lehnte dieses Ansuchen jedoch ab.