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Radiergummis

Von Paul Vécsei

Reflexionen

Danielle Spera konsumiert davon eine ganze Menge. Denn die aparte ORF-Moderatorin schreibt gerne mit Bleistift und dann gibt es immer etwas zu retuschieren, auszubessern oder zu verschönern. Außerdem sind da ihre drei Kinder im Schul- und Vorschulalter, deren Vorliebe für Radierer für ordentlichen Gummi-Verbrauch im Hause sorgt.


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Einige Stück pro Monat dürfte der Radiergummi-Konsum im Hause Spera-Engelberg betragen. Die fesche Mitvierzigerin Danielle ist seit 1994 mit dem Psychoanalytiker Martin Engelberg verheiratet. Auch wenn halb Österreich wegen der vermittelten Fernsehwirklichkeit und Doppelmoderationen in der Zeit im Bild gerne in Horst Friedrich Mayer den Lebenspartner sehen wollte. Regenbogen-Presse und ORF-Marketing taten das ihre dazu. "Die Leute sollen glauben, die haben was miteinander, das macht es am Bildschirm spannend", wird ein Dramaturgie-Spruch der TV-Legende Franz Kreuzer kolportiert.

Dabei war der inzwischen verstorbene Mayer, der heute von Spera und Kollegen noch immer liebevoll nur "HF" genannt wird, Mentor und journalistische Vaterfigur der Bildschirmbegabung Danielle Spera. Allerdings eine Vaterfigur, gegen die sie auch aufbegehrte. Das lag nicht nur an der konservativen Weltsicht ihres Förderers, sondern auch an unterschiedlichen Rollen hinter den vordergründigen Kulissen des ORF. Denn "HF" war der mächtige Chef der Fernseh-Information und Spera fungierte schon damals und auch noch heute als gewählte Redakteurssprecherin. Dabei trat sie vor allem gegen Politiker als Verteidigerin redaktioneller Freiheit auf den Plan. Am meisten graue Haare machte der dunklen Fernsehschönheit dabei ein gewisser Peter Westenthaler, der weiland noch als FPÖ-Klubobmann "ständig und unverblümt wie kein anderer" beim Fernsehen zu intervenieren versuchte.

Auch mit dem inzwischen abgelösten ORF-Chefredakteur Werner Mück focht Spera jüngst noch so manchen Strauß. Ihr Credo als Redaktions-Vertrauensfrau: "Journalisten müssen Flagge zeigen, wenn es Angriffe auf die Unabhängigkeit gibt." Ihr Stil ist dabei eher nicht lautstark und nicht in erster Linie nach außen immer sicht- oder hörbar: "Ich versuche die Dinge immer intern zu lösen", sagt Spera.

Zum ORF kam sie 1978 über einen Studentenjob bei einer Messeveranstaltung, wo fesche Mädels in die Auslage eines Kopiergeräte-Herstellers gestellt wurden. Über eine Kollegin wurde ein Kontakt mit dem damaligen ORF-Chefredakteur Klaus Emmerich geknüpft und sie half im Rahmen eines Praktikums bei der "ZiB" aus. Bald wechselte die frisch gebackene Doktorin der Publizistik direkt in ihr geliebtes Stammressort, die Außenpolitik. Es folgte ein Jahr als USA-Korrespondentin in Washington. Eine Rolle, die Spera bis heute als absoluten Traumjob ansieht.

Ab 1988 schließlich ist sie als Moderatorin der Fernseh-Nachrichten regelmäßig in den heimischen Wohnzimmern zu Hause. Mit einem Eingangsschock, der sie rasch wieder in österreichischen Realitäten landen ließ: Rüde ano anonyme antisemitische Rülpser beim ORF-Kundendienst begleiteten ihre Premiere als Anchor-Woman.

Spera ist Jüdin, wenn sie auch ungern als Aushängeschild auf den Plan tritt. Aber sie bezeichnet sich selbst als religiös und arbeitet mit Leidenschaft an der jüdischen Zeitschrift "Nu" mit.

Die Kultur hat es ihr neben der Außenpolitik besonders angetan. Über das Leben und die Arbeit von Hermann Nitsch schrieb sie eine beachtete und anerkannte Biografie. An seinen roten Schüttbildern und Schlachtritualen erkennt sie "eine Kunst, die mit allen Sinnen erlebt werden muss. Dinge, die ans Eingemachte gehen und an Tabus rühren; die in Konfrontation mit dieser Kunst nicht mehr weg geschoben werden können, wie Tod, Sexualität und Blut."

An ihre Persönlichkeit lässt sie nicht leicht jemanden heran. Auch dem ihr aus der Studienzeit bekannten Berichterstatter dieses Tests zeigt sie ihre Grenzen. Mit hochprofessioneller Routine absolviert sie freundlich im Stress der Vorbereitung einer Nachrichtensendung ihren Radiergummi-Test. Genau wissend und stets im Auge behaltend, worauf es zum Beispiel beim Fotografieren ankommt.

Bewertungskriterien. Wir hatten Danielle Spera sieben Radiergummis zur sorgfältigen Prüfung mitgebracht. Wir hatten jene zweifärbigen Modelle ausgewählt, mit denen man angeblich nicht nur Bleistift, sondern eventuell auch Tinte oder gar Kugelschreiber wegradieren können sollte. Spera bewertete dabei nach dem Schulnotensystem:

Haptik und Geruch

+++ Radierwirkung bei Kulli, Filzschreiber, Tinte und Bleistift

+++ Fusseln: Wieviel lästiges Abriebmaterial fällt bei einem Radiervorgang an

+++ Biegsamkeit und Elastizität bis zur Bruchgrenze. Spera spannte als Belastungstest die beiden Radierer-Enden fest zwischen Daumen und Zeigefinger.

Zusammenfassung. Die Enttäuschung über die ausgewählten Modelle war groß: Die Radierfähigkeit ist offensichtlich nur bei Bleistiftspuren festzustellen. Der zumeist blaue Tintenkiller-Teil der zweifärbigen Gummis ist jedenfalls nicht für Tinte oder ähnliches gut. Und die meisten Gummis zerbrachen schon bei geringem Verbiegen.

"Eigentlich ist das dafür hinaus geschmissenes Geld. Meine Kinder würden sagen: Nicht genügend", meinte Spera kopfschüttelnd. Diese erhalten aber die Reste der übrig gebliebenen Radierer dennoch vorgesetzt, bis sie ganz verbraucht sein dürften. "Ein Danaergeschenk" meinte die Moderatorin, weil da ist nur die rote Seite brauchbar." Und so wurden ihre Kinder auch noch Opfer einer noch dazu ganz ungerechte Kollektivstrafe. Denn alle Spera-Juniors haben wie auch die Mama selbst eine persönliche Lieblingsmarke bei den Radiergummis. Diese wird sonst regelmäßig nachgekauft. Jetzt aber ist einmal für einige Zeit - bis zum Verbrauch aller Überbleibsel - Pause.

Einzelergebnis:

1. Platz: Gesamtnote 2
Sax 440, Euro 0,39

Geruch 1, Radierwirkung 4, Fusseln 2, Biegsamkeit 1

2. Platz: Gesamtnote 2,25
Edding DR 20, Euro 0,80

Geruch 2, Radierwirkung 4, Fusseln 2, Biegsamkeit 1

3. Platz: Gesamtnote 2,5
Lyra 3443/40, Euro 0,39

Geruch 1, Radierwirkung 4, Fusseln 4, Biegsamkeit 1

4. Platz: ex aequo Gesamtnote 2,75
Doppel-Laufer Universal 0440, Euro 0,47

Geruch 1, Radierwirkung 4, Fusseln 5, Biegsamkeit 1

Staedtler rasoplast combi, Euro 0,95

Geruch 1, Radierwirkung 4, Fusseln 4, Biegsamkeit 2

6. Platz: Gesamtnote 3
Rotring rapid-eraser TB20, Euro 1,90

Geruch 3, Radierwirkung 5, Fusseln 2, Biegsamkeit 3

7. Platz: Gesamtnote 4
Pelikan BR40, Euro 0,80

Geruch 2, Radierwirkung 5, Fusseln 4, Biegsamkeit 5