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Wer sagt eigentlich, dass Radio-Hören immer ein reines Vergnügen sein muss? Dass die kleinen, grauen Zellen anspruchslos berieselt werden sollen, bis sie vor lauter "Das Leben ist ein Hit"-Geblubber gar nicht mehr daran denken, aus der auditiven Wellness-Zone wieder rauszukommen. Dankenswerterweise versucht Ö1, dem man diesen Vorwurf ohnehin kaum machen kann, am 13. und 14. Juni einmal ein Experiment, bei dem man die Daumenschrauben ein Stück weit anzieht. Denn an diesen Tagen sendet Ö1 eine Lesung von James Joyces "Ulysses": 1290 Minuten lang, nur gelegentlich unterbrochen von den nötigsten Nachrichten. Einen ganzen Tag also ist eintauchen in die Parallelwelt von Leopold Bloom im Jahr 1904 angesagt. "Einen Tag und eine Nacht lässt James Joyce seinen zerrütteten Helden durch seine Heimatstadt und durch sein eigenes, strapaziertes Bewusstsein wandern", heißt es in der Ankündigung des Senders. "Ebenso lang begleitet ihn Ö1 dabei." Sozusagen einen echten Bloomsday, nur leider nicht am 16. Juni (an dem das Werk spielt), den Hardcore-Fans des Buches jedes Jahr aufs Neue begehen. Die Idee ist freilich nicht neu, skandinavische Sender machten den Marathon bereits vor, mit gutem Erfolg. Etliche Hörer waren begeistert, endlich einmal von den immer gleichen Botschaften aus Finanz und Politik verschont zu werden. Lieber der Wahnsinn aus dem Dublin des Jahres 1904 - tabulos, explizit und abgründig - als der Horror der Welt von
heute, in der sich Menschen immer weniger zu verstehen scheinen.
Ein mutiges Experiment!

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