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Washington. "Wir arbeiten nicht für die Börse, sondern für ein Unternehmen mit Kunden und Mitarbeitern." Trotzig stemmt sich Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen Bank International, gegen die Bewertung der Börse. 19 Euro kostet eine Aktie, ein Minus von 60 Prozent seit Februar. Obwohl sich Osteuropa als robust erweist, und Österreich – nach seinen Worten – "ein Superland" ist, mit hervorragenden Geschäftsmöglichkeiten.
Die Bank verdiente im ersten Halbjahr 615 Millionen, die Kapitalquote liegt bei 8,5 Prozent. "Und wir haben ein ziemlich fades Geschäftsmodell, und haben die eigenen Handelsaktivitäten weitgehend beendet." Aber Banken stehen im Moment nicht besonders hoch im Kurs. Also wird Raiffeisen – im Gegensatz zur Erste Bank – keinen Versuch unternehmen, das Staatskapital vorzeitig zurückzuzahlen.
Stepic: "Wenn ich in der Bank eine Rendite von 13 Prozent erwirtschafte, und für das Kapital acht Prozent Zinsen bezahle - warum soll ich das zurückzahlen?" Gut möglich also, dass Raiffeisen – wie bereits berichtet – das Staatskapital sogar über nächstes Jahr hinaus verlängert. Die Bank müsste dann zwar 9,3 Prozent Zinsen bezahlen – das liege aber immer noch unter der erwirtschafteten Rendite. Für den Fall, dass die angepeilte Kapitalerhöhung wegen der Turbulenzen auf den Märkten nicht unterzubringen ist.
Die Pläne Ungarns, einen Zwangsumtausch bei den Frankenkrediten zu einem fixierten Kurs gesetzlich vorzuschreiben, der noch dazu vom Marktkurs deutlich abweicht, könnte die Raiffeisen Bank International insgesamt 120 Millionen Euro kosten. Stepic rechnet für die gesamte Finanzindustrie – je nachdem, wie viele Ungarn das Tauschangebot annehmen, mit Kosten von 500 Millionen bis einer Milliarde Euro. Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny hatte schon angekündigt, dass das ungarische Gesetz, das als sittenwidriger Eingriff in Privatverträge gewertet wird, vor dem "European Systemic Risk Board" besprochen wurde. Das Gremium hat mit der Vorgangsweise Ungarns auch wenig Freude, und wird eine Prüfung vornehmen. "Das ist sicher hilfreich und hat verhindert, dass daraus ein Flächenbrand wird", sagte Stepic.
Denn Kroatien hat ebenfalls erwogen, ein vergleichbares Gesetz zu verabschieden. Das dürfte – mit Blick auf die EU-Ambitionen des Landes – nun nach heftigen Interventionen Österreichs vom Tisch sein. "Das wäre ein Fass ohne Boden geworden", sagte Stepic – sichtlich erleichtert.
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