Zum Hauptinhalt springen

Raiffeisen sieht sich zu Einschnitten in Polen gezwungen

Von Karl Leban

Wirtschaft

Nach gescheitertem Verkauf bereitet RBI nun Teilbörsengang für Polbank vor.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 7 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Es war eine große Überraschung, als der Verkauf der Polbank an die polnische Alior Bank vor zwei Wochen geplatzt ist. Nun ist die Raiffeisen Bank International (RBI) gezwungen, ihre Polen-Tochter an die Börse zu bringen. Wegen einer früheren Verpflichtung gegenüber den Bankenaufsehern in Polen, die beim Kauf der Polbank 2012 eingegangen worden war und jetzt wieder auflebt, müssen in Zukunft mindestens 15 Prozent der Anteile breit im Publikum gestreut sein.

"Mehr werden wir eher nicht machen", erklärte der designierte RBI-Chef Johann Strobl am Dienstag vor der Presse. Zur Begründung verwies der Banker auf die aktuell zumeist niedrige Marktbewertung polnischer Bank-Aktien. Den Börsengang selbst will Strobl - derzeit ist er RBI-Vizechef und -Risikovorstand - bis Mitte 2017 "erfolgreich abschließen".

Danach werde man sich ansehen müssen, wie man die Polbank langfristig positioniert. Wobei eines schon jetzt als fix gilt: Die dortigen Kosten müssen runter. "Ein weiterer Personalabbau wird unvermeidbar sein", sagte Strobl. Zuletzt kam die Polbank auf rund 4800 Mitarbeiter.

Druck durch Bankensteuer

Das operative Ziel für die Polen-Tochter ist bereits gesteckt. "Wir wollen die Cost-Income-Ratio (das Verhältnis der Kosten zum Ertrag, Anm.) in den nächsten zwei Jahren auf 50 bis 55 Prozent bringen", kündigte Strobl an. Derzeit seien es mehr als 70 Prozent. In der Bankenwelt gilt ein Wert wie dieser als ziemlich hoch und somit als nicht gerade gut.

Zum polnischen Markt meinte Strobl, dass dieser in der Grundstruktur zwar attraktiv sei. Durch die Bankensteuer habe er jedoch an Attraktivität verloren. Strobl: "44 Basispunkte vor Steuern - das muss man erst einmal verdienen." Nicht zuletzt deshalb bleibt der RBI nichts anderes übrig, als die Polbank nun den Marktgegebenheiten anzupassen.

Die Verschmelzung der Raiffeisen Zentralbank auf ihre Tochter RBI ist unterdessen in der Zielgeraden. Sobald die Fusion rechtswirksam geworden ist (erwartet wird das für den März), übergibt der bisherige RBI-Chef Karl Sevelda das Zepter an Strobl.