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Raiffeisen steigt aus russischer Gasfirma aus

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Gasvertrag bis Sommer gültig. | Preis entscheidet über Ausstieg in der Ukraine. | Wien. Die Raiffeisen Investment AG zieht sich von der Beteiligung an Rosukrenergo zurück. Wie am Freitag bekannt geworden ist, ermittelt das US-Justizministerium gegen die Gashandelsfirma. Derzeit ist die Raiffeisen Investment AG (RIAG), Tochter der Raiffeisen Zentralbank, Treuhänderin eines 50-Prozent-Anteils. Die andere Hälfte hält der russische Energiekonzern Gazprom.


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"Ich weise strikt zurück, dass wir uns in die Nähe organisierter Kriminalität begeben haben", sagte Herbert Stepic, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen International, am Montag vor Journalisten. Es gebe kein Naheverhältnis zu "Herrn Mogilevich". Der russische Geschäftsmann Semion Mogilevich gilt als Mafia-Pate, der für Geldwäsche und Erpressung verantwortlich sein soll und der eine Rolle bei den Eigentums-verhältnissen der Rosukrenergo spielen könnte.

Doch Stepic sagte auch am Montag nicht, für wen die RIAG ihren Anteil an der Gashandelsfirma hält. Die Aktionäre würden sich demnächst "outen", meinte er. Sämtliche relevante Stellen in der Ukraine und in Russland wüssten, wer dahinter stehe. "Ich glaube, ich kenne die Eigentümer mittlerweile auch." Mogilevich kenne er "natürlich nicht".

Anfang Jänner hatten Russland und die Ukraine den Erdgas-Streit beigelegt. Man einigte sich auf höhere Erdgaspreise, wobei die Ukraine nicht die volle Höhe zu zahlen hat: Das russische Gas wird seither an Rosukrenergo verkauft, der Zwischenhändler mischt es mit billigerem aus Zentralasien.

Die Gazprom sei damals an die RIAG herangetreten, sagte Stepic. "Die Gesellschaft genießt in beiden Ländern Vertrauen - und sie haben einen Vermittler gebraucht." Eine solche Funktion habe die RIAG übernommen. Der Gasvertrag sei bis zum Sommer gültig, sagte Stepic. Dann würden die Karten neu gemischt, auch, weil es bis dahin eine neue ukrainische Regierung geben werde.

Verkauf noch nicht fix

Noch nicht klar ist, ob sich Raiffeisen aus der "JSCB Raiffeisenbank Ukraine" zurückziehen wird. Das soll laut Stepic bis Ende Mai entschieden werden. Anfang April hatte ein Sprecher der Raiffeisen International (RI) erklärt, man sei von verschiedenen Seiten, die an einem Kauf interessiert seien, angesprochen worden. "Es geht hier nur um den Preis", sagte gestern Stepic. Die Zahl der Interessenten sei groß, die Zahl der "guten" hingegen klein. Prinzipiell könne die Raiffeisen auch mit der Avalbank allein "sehr gut" ihr Auslangen finden - die zweitgrößte Bank der Ukraine wurde im Herbst des vergangenen Jahres übernommen.

Die Aussage Stepics bestätigt die Investmentbank Merrill Lynch: Verkaufe die RI die JSCB Raiffeisenbank, würde sie zwar von der Nummer 1 zur Nummer 2 in der Ukraine werden, sie wäre aber immer noch stark positioniert.

Allerdings meinen die Autoren der Analyse auch: "Ehrlich gesagt könnte dieser Schritt die daraus folgende Verwirrung nicht wert sein." Denn dieser steht im Gegensatz zur Expansions-Strategie in Osteuropa. Nur ein "sehr hoher" Preis würde einen Verkauf tatsächlich rechtfertigen.