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Raiffeisen vor massiven Verkäufen

Von Reinhard Göweil

Wirtschaft

Die Neuordnung der Geldgruppe verändert auch die Beteiligungsstruktur - mit großen Folgen für die heimische Wirtschaft.


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Wien. Der bevorstehende Jahreswechsel sorgt in Unternehmen immer für Nervosität. Bei den Aufsichtsratssitzungen im Dezember werden jene Projekte besprochen, die dann 2016 umgesetzt werden sollen. Besonders hektisch geht es in der Raiffeisen-Gruppe zu, denn die besteht österreichweit aus mehr als 1000 Beteiligungen. Und ein beträchtlicher Teil davon steht vor erheblichen Veränderungen, ausgelöst von der Geldgruppe. Seit Monaten wird bei Raiffeisen geprüft, diskutiert, verworfen und vorbereitet, wie der dreistufige Aufbau der Raiffeisenbanken künftig organisiert wird. Örtliche Banken, die Landesbanken und die RZB (mit dem Osteuropa-Schwergewicht RBI, die an der Börse notiert) müssen immer härtere Kapitalvorschriften und immer umfangreichere Regulierungen beachten. Das kostet Geld.

Genossenschaft ist günstiger

Die Sinnhaftigkeit der Landesbanken wurde in Frage gestellt, eine Fusion von RZB und RBI durchgerechnet. Zuletzt tauchte auf, dass RZB, RBI und das Bankgeschäft der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien fusioniert werden könnten. Der Vorteil dabei: Mit 34 Prozent sind die Niederösterreicher größter RZB-Aktionär (den Rest halten die anderen sieben Landesbanken). Bei Firmenkunden und Kapitalmarktgeschäften gibt es Überschneidungen mit der RZB. Hier würde es zu einem kräftigen Personalabbau kommen müssen. Der RZB-Anteil könnte in der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien bleiben, für die als Genossenschaft die strengen Bank-Kapitalvorschriften nicht gelten.

Eine solche Bankenfusion bei Raiffeisen würde - meinen Bankexperten - wenigstens eine Milliarde Euro Kapital "freischaufeln". Nachteil: Die 550 Beteiligungen in der Holding würden von der Bankengruppe getrennt werden - und müssten ihre Expansion künftig selbst finanzieren. Bei der zur Holding gehörenden Großmolkerei nöm wird - wie berichtet - eine Fusion mit der oberösterreichischen "Schwesterorganisation" Berglandmilch geprüft.

Die Firmen der Leipnik-Lundenburger AG, die zwischen Holding und RZB aufgeteilt ist, könnten zur Raiffeisen Ware Austria (Lagerhäuser) wandern. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Großmühlen. Die Beteiligung an den Casinos Austria wird gerade an Novomatic verkauft.

Japaner an Uniqa interessiert

Leipnik-Chef ist der frühere ÖVP-Obmann und Finanzminister Josef Pröll. Damit wären dessen Chancen, "Raiffeisen-Boss" zu werden, zunichte. Die Kostensenkungsprogramme und radikalen Strukturüberlegungen werden von RLB- NÖ-Wien-Chef Klaus Buchleitner forciert. Er würde im Falle einer Fusion RZB/RBI mit der RLB in den Vorstand der gemeinsamen Bank einziehen. Buchleitner wird auch als Nachfolger für RBI-Chef Karl Sevelda gehandelt, dessen Vertrag 2017 endet. Buchleitner gilt vielen im Genossenschaftssektor aber als "harter Hund" und hat daher viele Gegner.

Die bringen nun wieder Andreas Brandstetter ins Spiel, den jetzigen Chef der Uniqa-Versicherung. Die RZB will die nach der Wiener-Städtischen-Gruppe zweitgrößte Assekuranz Österreichs aber verkaufen. 31 Prozent hält Raiffeisen noch direkt an der Versicherung. Dem Vernehmen nach gibt es großes Interesse von japanischen Versicherern, die etwa 25 Prozent erwerben wollen. Größter Uniqa-Einzelaktionär wäre dann der frühere Austria Versicherungsverein, eine Stiftung. Dort sitzt Brandstetter im Vorstand, Raiffeisen könnte also indirekt weiter mitmischen. Der 46-jährige Brandstetter arbeitete Mitte der 1990er Jahre in der ÖVP bei Erhard Busek und ist seit 1997 bei Raiffeisen.

Der 51-jährige Buchleitner war zu diesem Zeitpunkt bei der RWA leitend tätig (Lagerhaus-Organisation). Er kam von der Girozentrale (heute Erste Bank). Buchleitner gilt als Verfechter einer radikalen Verkaufsstrategie bei den Nicht-Banken-Beteiligungen. Dazu gehören Medien (wie der "Kurier"), die Strabag (Baukonzern) und eben die nöm. Für alle anderen knapp 540 Holding-Beteiligungen würde gelten, dass auch sie zum Verkauf stehen, wenn es Kaitalbedarf gibt. Denn die Raiffeisen Geldgruppe wird dafür nicht mehr zur Verfügung stehen (können).