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Raiffeisen Ware war Kunde von Pleitebroker MF Global

Von Kid Möchel

Wirtschaft

RWA-Chef ortet keinen Schaden, Treuhandkonten vor Übertragung.


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Wien/New York. In der 1,2 Milliarden-Dollar-Affäre um das bankrotte US-Brokerhaus MF Global führt eine weitere Spur nach Österreich.

Nicht nur die Fondsfirma Superfund um Christian Baha war Kunde des Skandalbrokers - zehn Superfund-Fonds und drei Genussscheine-Produkte könnten mit bis zu 67 Millionen Dollar betroffen sein -, sondern auch der Raiffeisen Ware Austria-Konzern (RWA). Und RWA (drei Milliarden Euro Umsatz) hat noch nicht alle Vermögenswerte aus den USA erhalten.

Am vergangenen Montag hat der US-Anwalt der RWA ("Unser Lagerhaus") und ihrer Tochter Genol einen Dringlichkeitsantrag beim US-Insolvenzgericht in Manhattan eingebracht. RWA und Genol haben beim Broker MF Global Rohstoff-Absicherungsgeschäfte getätigt, um sich gegen Marktrisiken bei Weizen, Mais, Raps und anderen Agrarprodukten zu wappnen. Diese sogenannten "Commodity Positions" der RWA wurden aber nicht an der Warenbörse in Chicago, sondern an der Terminbörse Euronext in Frankreich gehandelt.

Laut dem vorliegenden Antrag wurden durch diesen Umstand aber die RWA-Absicherungskontrakte vom gerichtlich bestellten Treuhänder nicht automatisch an eine andere Finanzinstitution übertragen, wie bei den Kunden der Börse Chicago, sondern Euronext beziehungsweise die Clearingstelle LCH haben RWA aufgefordert, eine Übertragung zu einer anderen Finanzplattform zu akzeptieren oder diese Positionen würden liquidiert.

"Nur an die 82 Prozent der offenen Positionen der RWA seien übertragen worden", heißt es im Antrag an das Konkursgericht in New York. Doch für diese Übertragung musste RWA erneut eine hundertprozentige Absicherung in Cash abgeben, da ihre dafür dienenden Geldkonten bei MF Global weiterhin eingefroren waren.

Bisher kein Schaden

Diese Geld-Konten beziehungsweise Treuhandkonten der RWA, auf denen Sicherheitsleistungen (Margins) für die Absicherungskontrakte in Sachen Marktrisiken (Weizen, Mais, Raps) deponiert sind, sind bisher nicht mitübertragen worden. Die RWA-Anwälte beantragten daher diese Woche, dass auch diese Konten dem Soforttransferschutz nach dem US-amerikanischen Securities Investor Proctection Act (SIPA) unterstellt und die Vermögenswerte übertragen werden.

Im Gegenzug bietet RWA dem MF Global-Treuhänder als Sicherheit eine Bankgarantie an, falls es beim Transfer zu einer etwaigen Überzahlung kommen sollte. Das heißt, falls er der RWA zu viel überweist.

"MF Global war unser Broker, aber wir haben im Grunde genommen aus diesen Sicherungsgeschäften keinen Schaden", sagt Raiffeisen-Ware-Austria-Generaldirektor Klaus Buchleitner zur "Wiener Zeitung". "Die Übertragung der Positionen ist gut gelaufen, wurde aber in Europa anders vorgenommen als in den USA." Nachsatz: "Auf den Treuhandkonten haben wir die Einschüsse liegen, dieses Geld wurde aber nicht übertragen." Der Transfer dieser sogenannten Sicherheitsleistungen müsse laut Buchleitner "noch nachgezogen werden". Der RWA-Chef: "Meine Juristen sagen mir, das ist ein reiner Routineprozess, der dauert aber ein bisschen länger."