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Rapidler mit Schmäh und Sucuk

Von Richard Solder

Politik
Sehen sich als Wiener und wollen so gesehen werden: Yasin Pehlivan und Veli Kavlak. Foto: Reinhard Lang

Beidbeinig und in zwei Kulturen zu Hause. | Veli Kavlak und Yasin Pehlivan im Gespräch. | Wien. Ein dynamisches Duo sind Veli Kavlak und Yasin Pehlivan auf dem Rasen. Nach kurzer Pause wegen Verletzungen wollen sie wieder voll angreifen. Zum Interview bringen sie jede Menge Schmäh und Lebensfreude mit: Da werden verbale Wuchteln abgeschossen, als wäre Fußballer der lockerste Job der Welt.


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Bis zur ersten Frage. Nervt es, ständig nach den türkischen Wurzeln gefragt zu werden? Kurz werden sie ernst: "Eigentlich schon", antwortet Pehlivan. Kavlak gibt ihm recht: "Ja, es nervt wirklich schon." Man versteht sofort, was sie meinen, nicht nur, weil beide gleich wieder ihr ansteckendes verschmitztes Grinsen aufsetzen. "Mein Vater ist vor 30 Jahren hierher gekommen, ich bin hier geboren", erklärt Pehlivan. Er sei in Wien zu Hause, wo sonst? Am wohlsten fühlt sich der Mittelfeldmotor in Ottakring, etwa wenn er auf der Thaliastraße unterwegs ist, dort Kaffeetrinken geht. In dieser Gegend ist er aufgewachsen. Selbst definiert er sich ganz einfach als Wiener und würde sich wünschen, dass ihn die Menschen ebenfalls so sehen.

Wieso er glaubt, dass er für viele doch "anders" ist? "Das hat sicher mit dem Namen zu tun." Der Rapid-Senkrechtstarter der Saison 2009 antwortet konzentriert. So wie er Fußball spielt. Nur wenn sein Billard-Partner Kavlak ihn aufzieht, lässt sich Pehlivan aus der Reserve locken: "Früher war ich mit Ümit Korkmaz Billard spielen. Jetzt gehen wir manchmal. Er kann’s nur nicht", ätzt Kavlak. Die beiden 21-Jährigen kichern wieder los wie Lausbuben.

Pehlivan wird in einer Phase, in der für ihn alles sehr schnell geht, langsam an die Öffentlichkeit geführt. Im Winter vor einem Jahr hat er noch bei Amateuren gespielt, heute bringt er es auf acht Einsätze für Österreich. Persönliche Interviews hat er kaum gegeben, bei Rapid darf er im Fernsehen noch nichts sagen.

"Ganz anderes Umfeld"

Nervt ihn etwas an seinem Profi-Dasein? Wie ist es, Interviews zu geben? "Naja, wirklich Spaß macht das nicht, aber es gehört dazu." Über kurz oder lang aus der gemütlichen Wiener Geborgenheit herausgerissen zu werden, bereitet ihm ebenso wenig schlaflose Nächte: "Jeder will im Ausland spielen. Wenn es klappt, verdienst du ja mehr und kannst deine Familie mitnehmen", erklärt der zweikampfstarke Rapidler im zentralen Mittelfeld.

Uneinig sind sich die beiden, wie ein Engagement in der Türkei wäre: "Für die Türken dort wären wir welche von ihnen", sagt Pehlivan. Kavlak ist da anderer Meinung: "Ich bin österreichischer Nationalspieler. Wenn ich dorthin wechsle, dann sehen die mich nicht als Türke, das kann ich mir nicht vorstellen." Jetzt nimmt er die Denkerpose ein und setzt nach kurzer Pause fort: "Ich glaub’ auch, dass die, die in der Türkei geboren sind und dort leben, ganz anders sind als Türken in Europa. Wir sind hier aufgewachsen. Das ist ein ganz anderes Umfeld." Der Flankenläufer könnte sich nur schwer vorstellen, "unten" zu leben: "Vom Beruflichen her, ja, o.k. Ich bin immer wieder dort, die Familie besuchen. Einmal war es ein bisschen länger als sonst, und gegen Ende wollt’ ich dann zurück. Man kann sich dort kein Leben mehr vorstellen", so der gebürtige Floridsdorfer.

Kavlak betrat bereits 2005, gerade einmal 16-jährig, die Bühne der österreichischen Bundesliga. Nicht ganz zwei Jahre später ließ ihn Josef Hickersberger erstmals im ÖFB-Dress einlaufen. Doch der kreative Offensivspieler hat genauso schwierige Zeiten überstanden. Nachdem er seiner Form eine Weile lang nachlief, ist Kavlak jetzt im Nationalteam wie im Klub wieder voll da. Zu den Grün-Weißen brachte ihn als Kleinwüchsiger sein Papa, für den es nur einen Verein für seinen Sohn gab. Anders als bei Pehlivan kamen bei Kavlak schon die Großeltern nach Österreich. Mit seinem Vater redet er Deutsch. Auch die zwei Rapid-Kollegen verwenden in erster Linie Wienerisch, nicht nur, wenn der Schmäh rennt.

Was nicht heißt, dass sie die Kultur ihrer Familien nicht ebenso leben: Von den Nudeln mit türkischer Sucuk-Wurst, die sich Veli Kavlak an freien Tagen wie seine Verwandten auf der anderen Seite des Bosporus kocht, bis zu den Hits der belgisch-türkischen Popsängerin Hadise, die Yasin Pehlivan hört - es ist für die Rapidler kein Problem, in zwei Kulturen daheim zu sein. Fußballerisch haben sie manchen etwas anderes voraus: Die starken Techniker können mit dem linken wie mit dem rechten Fuß überzeugen. Moderne Kicker eben.