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Chef der BNP wetterte in TV-Debatte gegen Schwule und Muslime. | London. (dpa) Auf der einen Seite steht ein Politiker, der ein Land ohne Ausländer anstrebt und der vielen Briten als der gefährlichste Mann am rechten Rand gilt. Auf der anderen Seite steht einer der renommiertesten Sender der Welt, dessen Programm Millionen erreicht. Zusammen ergeben sie eine äußerst heikle Mischung: Nick Griffin, Parteichef der rechtsextremen British National Party (BNP), ist am Donnerstag Abend in der bekanntesten Talkshow der BBC aufgetreten. Während draußen Hunderte Menschen protestierten, sprach Griffin drinnen über den Islam, Homosexuelle und den Holocaust. Doch sein Auftritt auf der Bühne des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hat ihm nach Meinung vieler deutlich geschadet und ganz sicher nichts genutzt.
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Griffin hoffte mit seinem Auftreten in der Sendung "Question Time" auf einen Popularitätsschub, wie ihn in den 80er Jahren Frankreichs Nationalist Jean-Marie Le Pen nach einem Fernsehauftritt bekam. Die Unterstützung für den Chef der Front National verdoppelte sich, als er in einer führenden französischen Politshow befragt wurde. "Zu den Großen" wollte Griffin gehören, bevor er am Donnerstagabend seinen Platz neben der farbigen Drehbuchautorin Bonnie Greer einnahm.
Doch die Befürchtungen, Griffin könne als wendiger Rhetoriker punkten, bestätigten sich nicht. Der 50-Jährige wirkte fahrig, verhaspelte sich und verwickelte sich in Widersprüche. Auf die Frage, warum er den Holocaust einst als Mythos bezeichnet habe, antwortete er, "europäisches Recht" hindere ihn an einer Erklärung und er habe seine Meinung geändert. Seine Verteidigung eines Mitgliedes des rassistischen Ku Klux Klans wirkte wirr und wurde von Gejohle unterbrochen. Die Zeitung "The Independent" urteilte: "Die BBC hat Griffin den Sauerstoff für die große Öffentlichkeit gegeben - er ist daran erstickt."
Dennoch bleibt der Auftritt höchst umstritten - auf Webseiten ging eine Lawine von Kommentaren ein. Schließlich ist Griffin für ausländerfeindliche Parolen bekannt und machte zuletzt mit dem Vorschlag Schlagzeilen, Boote mit Flüchtlingen aus Afrika zu "versenken". Auch in anderen Ländern Europas kennt man die Debatte darüber, wie mit gewählten Politikern aus dem rechtsextremen Spektrum umzugehen ist. Ignorieren? Oder öffentlich entlarven? Für Letzteres hatte sich die BBC entschieden. Zensur könne nur die Regierung erlassen, nicht die Medien, erklärten die TV-Chefs.
"Pflicht zur Neutralität"
Lange galt die BNP als rotes Tuch, das nie und nimmer den Weg in eine der wichtigsten Politsendungen schaffen konnte. Eine Splitterpartei mit faschistischer Vergangenheit wollte man nicht zu Wort kommen lassen. Das änderte sich jedoch, als die BNP bei der Europawahl im Juni mehr als sechs Prozent der Stimmen und zwei Mandate für das Europaparlament gewann, eines davon bekam Griffin. Die Partei stellte plötzlich vom Volk gewählte Vertreter - und einem von diesen wollte die BBC wegen ihrer "Pflicht zur Unparteilichkeit" eine Plattform geben.
Seit Tagen schwelte deshalb ein Streit quer durch die politischen Lager. Es sei ein Ritterschlag für die BNP und für Griffin, der sich in letzter Zeit immer mehr als harmloser Politiker verkaufte. Pikant war auch, dass Regierungsmitglied und Justizminister Jack Straw neben Griffin geladen war. Die Debatte gipfelte dann am Donnerstag Abend in wütenden Protesten vor dem BBC-Gebäude in West-London, bei denen Polizisten und Demonstranten verletzt wurden. "Widerlich" sei es, dass die BBC einem Rassisten den roten Teppich ausrolle und damit Legitimität gebe, kritisierten die Gegner.
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