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Rauchiges Geschäft

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Mit seinem Betrieb Baff zählt Wagner zu 100 Pfeifenbauern weltweit.


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Neukirchen. Die Arbeit vor dem Bildschirm war dem studierten Informatiker David Wagner zu einseitig. "Ich habe einen Beruf gesucht, in dem ich Kopf und Hände gleichermaßen brauche", sagt Wagner. Der Oberösterreicher nahm sich ein Jahr Auszeit und stellte Kriterien für seinen künftigen Beruf auf - darunter Ortsunabhängigkeit und Arbeiten von zuhause. In die engere Wahl kamen neben Pfeifenmacher auch Fotograf, Schiffsbauer und Meeresbiologe. "Letztendlich habe ich mich für das Exotischste entschieden", sagt Wagner.

Weltweit gibt es nur maximal 100 Pfeifenbauer, der Großteil der Pfeifen wird maschinell hergestellt. Wagner (Jahrgang 1968) schaute bekannten Pfeifenmachern über die Schulter und brachte sich viel selbst bei: "Ich habe acht Jahre gebraucht, um ein perfektes Loch in eine Pfeife zu machen." 2005 gründete er sein Ein-Personen-Unternehmen Baff in Neukirchen und fertigt Tabakpfeifen nach Kundenwünschen - von der Gebrauchspfeife bis zur Skulptur in Walform. Je nach Modell dauert es sechs Stunden bis zwei Jahre, bis die Pfeife fertig ist. Der Preis für eine Maßanfertigung beginnt bei 250 Euro.

Werkzeuge sind Sonderanfertigungen

Dass die Werkstatt direkt neben seinem Haus nahe dem Traunsee im Salzkammergut liegt, ist Absicht: "Ich kann nicht zu vorgegebenen Zeiten kreativ arbeiten, ich muss den richtigen Zeitpunkt erwischen. Wenn ich einen schlechten Tag erwischt habe, lasse ich es besser gleich sein." Bei einem Fehler ist das Material kaputt, und für eine Pfeife muss zuerst das richtige Stück Holz gefunden werden, das für die Form der Pfeife passt.

Das Material für die Pfeifen, Bruyere, wächst wild rund um das Mittelmeer. Wagner bezieht das Holz von fünf sogenannten Coupeuren (Sammlern), die das Wurzelholz ausgraben, mindestens 14 Stunden auskochen und zuschneiden. Anschließend muss das Holz zwei Jahre gelagert werden, ehe Wagner mit dem Bearbeiten beginnen kann. Bei einer neuen Lieferung baut er zuerst eine Pfeife zum Testrauchen und prüft, ob die Qualität passt.

Hat der Oberösterreicher ein Stück Holz vor sich, schaut er sich die Maserung genau an, denn die Form sollte mit der Maserung harmonieren. "Ich fertige die Pfeifen zuerst in Gedanken, bevor ich mit dem Bearbeiten beginne", sagt Wagner. Die Werkzeuge in seiner Werkstatt sind alle von ihm entwickelt. Das komplizierteste am Bauen ist das Mundstück aus Kautschuk, das idealerweise an die Rauchgewohnheiten und an die Zahnstellung angepasst wird. Besonderes Augenmerk legt Wagner auf das Innenleben des Mundstücks: "Die Strömung muss optimal funktionieren, wie ein Auspuff."

Rund 100 Pfeifen stellt Wagner pro Jahr her, dazu gibt er Kurse zum Pfeifenbauen und -rauchen. Die Anzahl der Aufträge schwankt: Es komme auch vor, dass zwei Monate gar nichts bestellt wird. Das nutzt der Pfeifenschneider für Auszeiten: 2010 verbrachte er drei Monate auf Kreta, 2011 arbeitete er von Jänner bis Oktober weniger.

Der Trend weg vom Pfeifenrauchen trifft Wagner nicht: Er verkauft hauptsächlich an Sammler. Der Großteil seiner Kunden ist zwischen 30 und 50 Jahre, verteilt um den Globus: Die Maßanfertigungen werden auch nach Japan, China und Kanada verschickt. "Viele halten sich aber sehr bedeckt und verraten nicht einmal ihren eigenen Namen."

Zu Aufträgen kommt Wagner über Mundpropaganda, Internet-Präsenz und Messen. Im Februar reist Wagner nach Asien, um Tabakpfeifen-Händler zu treffen und an einer Ausstellung in Tokio teilzunehmen. "In dieser Branche geht es darum, sich einen Namen zu machen", erklärt der Pfeifenmacher.