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Raues Klima im Kindergarten

Von Christina Böck

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Natürlich kann man sagen: Das ist ein Stilmittel. Der raue Umgangston hat in der österreichischen Literatur durchaus Tradition. Schimpfwortforscher (ja, das gibt es) beschäftigen sich etwa mit Elfriede Jelinek und HC Artmann. Auch Werner Schwabs Fäkaliendramen heißen nicht umsonst so. Nicht zu jeder Zeit hat sich hierzulande jeder Schriftsteller mit dem anderen vertragen. Die literaturhistorisch immer noch glamouröseste Kontroverse ist wohl jene um Thomas Bernhards "Holzfällen". Da zog er (unter anderem) wenig zimperlich Kolleginnen wie Friederike Mayröcker (in der Erstversion als Juniröcker verschleiert) und Jeannie Ebner durch den Kakao. Worte, die damals nicht gefallen sind, waren: Schwanz, Rollmops, sexuell frustriert. Das ist nun aber die Qualität, mit der sich Protagonisten der neueren österreichischen Literatur miteinander streiten - Facebook macht’s möglich. Thomas Glavinic bezeichnete dort Bachmannpreis-Kandidatin Stefanie Sargnagel als "talentfreie Krawallnudel". Wahrscheinlich noch kein justiziabler Wertungsexzess. Sargnagel konterte mit dem anmutigen Vorschlag, Glavinic solle lieber sein Gemächt posten (das tat er einmal, um auf Facebook-Zensur hinzuweisen). Glavinic entgegnete in mehr als unelegantem Macho-Gebaren: "Wieso kann ein sprechender Rollmops meine Seiten verschweinen?"

Keine Frage: Diskurs belebt die Kunst und Derbheiten können auch poetisch sein. Aber außer zweifelhafter PR wird man auf dem Kindergartenniveau "Du bist blöd! - Nein, du bist blöd!" eher weniger gewinnen. Wobei, in der Marienkäfer-Gruppe hätte man sich wohl gewählter ausgedrückt.