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Raus aus der Dritte-Welt-Ecke

Von Brigitte Pilz

Politik

Eine dreijährige Info-Kampagne soll dem sozialen Gütesiegel TransFair zum Durchbruch verhelfen und den Umsatz fairer Produkte aus der so genannten Dritten Welt verzehnfachen.


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Marktforscher haben eine klare Prognose erstellt: Produkte des fairen Handels könnten in Österreich jährlich einen Umsatz von bis zu 550 Mill. Schilling erzielen. Diese Verzehnfachung des derzeitigen Verkaufs setzt voraus, dass die Bekanntheit der unter gerechten Bedingungen gehandelten Waren wie Kaffee, Tee, Orangensaft, Kakao, Bananen oder Honig aus der sogenannten Dritten Welt zunimmt und dass Konsumentinnen und Konsumenten keine allzu großen Umwege abverlangt wird, an das Ziel ihrer Kaufwünsche zu gelangen.

Bereits in den letzten Jahren wurde das Angebot von den Weltläden hin zu Supermärkten erweitert. Dies war durch die Einfügung des TransFair-Gütesiegels möglich. Es wird Firmen für Produkte verliehen, die nach den von der Label-Organisation TransFair bestimmten und kontrollierten Bedingungen bezogen und verkauft werden. Sie garantieren u.a. höhere Preise und verlässliche Handelsbeziehungen für die Produzenten. So finden die Konsumenten in ihrem Supermarkt beispielsweise in einer Reihe von Kaffeemarken auch eine oder zwei, die das TransFair-Siegel tragen. Ein großer Erfolg für den fairen Handel ist der kürzliche Einstieg von Markenartiklern wie Meinl oder Pfanner als Lizenzpartner.

Die Studie von MPC-Consulting auf der Basis der Marktforschung von AC Nielsen hat allerdings festgestellt, dass die bahnbrechende Durchsetzung des sozialen Labels TransFair auf dem heimischen Markt Marketing- und Werbemaßnahmen in der Größenordnung von 35 Mill. Schilling erfordern. Diese Herausforderung hat TransFair angenommen. Eine breite Informationskampagne soll beitragen, im Laufe von drei Jahren das Marktpotential auszuschöpfen. Als erster Schritt sollen bis Ende Januar 2002 zahlreiche Maßnahmen wie Fernsehspots, Plakatwerbung, Anzeigen in Printmedien die Bekanntheit von fairen Produkten erhöhen. Sozialtarife erleichtern oder ermöglichen erst den medialen Auftritt der gemeinnützigen Organisation. Prominente Persönlichkeiten wie Kardinal Franz König oder der Schriftsteller Michael Köhlmeier traten bereits öffentlich für die Idee des fairen Handels auf. Intensive Zusammenarbeit mit dem Handel in Form von Verkostungen, Aktionswochen etc. soll die Nachfrage stimulieren.

Die Investitionen werden zu einem Drittel von den TransFair-Trägerorganisationen, darunter die namhaften Dritte-Welt-Initiativen Österreichs, aufgebracht. Für ein Drittel werden noch Sponsoren, Finanzpartner und Spender gesucht. Ein Drittel trägt die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass Entwicklungszusammenarbeit mehr ist, als Hilfsprojekte in Ländern der Dritten Welt zu finanzieren.

http://www.fairtrade.at