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Razzia bei Hypo-Berater

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Unterlagen zu Consultants-Verkauf beschlagnahmt. | Bank überlegt gegebenenfalls Schadenersatzklage. | Wien. Wenn es um das Herausrücken wichtiger Dokumente geht, lassen sich die Hypo-Ermittler auf keine Spielchen ein. Wie nun bekannt wurde, hat die Soko Hypo Ende August auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eine Hausdurchsuchung bei der Wiener Beratungsfirma ASP durchgeführt. Der Hintergrund ist brisant, geht es dabei doch um den Verkauf der sagenumwitterten Hypo Consultants - der einstigen Projektbeteiligungssparte der Kärntner Bank.


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Wurden bessere Angebote ignoriert?

Anfang 2007 hat die Hypo wichtige Teile der Consultants für 57 Millionen Euro veräußert. Anders als ursprünglich verlangt, musste der Käufer jedoch nicht jene rund 260 Millionen Euro an Verbindlichkeiten umschulden, die die Beteiligungssparte bei ihrer Mutter hatte. Die Kredite blieben bestehen. Die Justiz geht nun Hinweisen nach, dass - in der Gesamtsicht - bessere Angebote ignoriert worden sein könnten.

Allerdings hat die Hypo den Verkauf seinerzeit nicht selbst abgewickelt, sondern ASP damit betraut. Justizakten, die der "Wiener Zeitung" vorliegen, zufolge, hat die Bank - um die Aufklärung voranzutreiben - am 17. August 2010 ASP-Chef Alon Shklarek um Übermittlung der Unterlagen zum Bieterprozess gebeten. In der Hypo selbst sind diese nämlich nicht auffindbar.

Shklareks Antwort folgte am nächsten Tag: Da er im Ausland sei, könne dies ein paar Wochen dauern. Außerdem müsse er den Zeitaufwand in Rechnung stellen - zum "reduzierten Stundensatz" von 250 Euro. Die Hypo wandte sich daraufhin an die Staatsanwaltschaft, und diese fackelte nicht lange. Bei der Razzia wurden die Unterlagen freiwillig übergeben.

Der Hypo geht es darum, eine mögliche Schädigung aufzudecken und - gegebenenfalls - Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Informationen der "Wiener Zeitung" zufolge ist in der Bank ein eigenes Team abgestellt, das sich nur dem Thema Consultants widmet. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Shklarek war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.