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RBI in den roten Jahren

Von Marina Delcheva

Wirtschaft

Raiffeisen International befürchtet auch 2015 Verluste - Dividenden für Landesbanken wackeln.


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Wien. "Das Ergebnis kann heuer auch noch negativ ausfallen", sagt Karl Sevelda, Chef der Raiffeisenbank International (RBI), bei der Jahrespressekonferenz am Mittwoch. Nachdem die RBI im vergangenen Jahr erstmals in ihrer Geschichte einen Verlust von 493 Millionen Euro eingefahren hat, ist auch heuer keine Entspannung in Sicht. Die andauernde Krise in der Ukraine, der schwache Rubel, Fremdwährungskredite und nicht zuletzt sogenannte Restrukturierungskosten von geschätzten 550 Millionen Euro setzen der Bank weiter zu.

Ein weiteres Verlustjahr hätte negative Folgen für den gesamten Raiffeisensektor in Österreich. Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und die Landesbanken haben in der Vergangenheit von üppigen RBI-Dividenden profitiert. Und diese könnten nach einem zweiten roten Jahr wieder ausfallen.

Baustelle Osteuropa

Die kriegsgebeutelte Ukraine ist mittlerweile zum Millionengrab geworden. 2014 hat die RBI dort 290 Millionen Euro verloren, nach einem Gewinn von 101 Millionen 2013. Rund 40 Prozent der dort vergebenen Kredite gelten als uneinbringlich. Auf der annektierten Krim wurden alle 32 Filialen verkauft, in der umkämpften Donbass-Region mussten 50 von 80 Filialen schließen. In Kroatien, Rumänien und Serbien rechnet das Institut mit weiteren Kosten für Fremdwährungskredite nach der massiven Aufwertung des Schweizer Franken. "Ein paar Millionen (im einstelligen Bereich, Anm.) kommen schon zusammen", erklärt Risikovorstand Johannes Strobl.

In Russland sehen die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr ebenfalls düster aus. Die Russland-Tochter hat zwar im Vorjahr einen Gewinn von 340 Millionen Euro eingebracht. Verglichen mit 2013 fiel dieser aber um fast ein Drittel geringer aus. Außerdem musste die RBI dort vor allem wegen des starken Rubelverfalls Firmenwertabschreibungen in der Höhe von 148 Millionen Euro vornehmen. Für heuer wird mit einem Einbruch des Wirtschaftswachstums von fünf Prozent gerechnet. Das wird auch die RBI treffen. Sevelda erwartet deswegen ab Mitte des Jahres höhere Risikokosten, etwa für Kreditausfälle. 2014 musste die RBI 1,7 Milliarden Euro für faule Kredite und Vorsorge in die Hand nehmen. Das ist doppelt so viel wie im Jahr davor.

Angesichts der schwierigen Bedingungen will sich der Konzern nun bis 2017 neu aufstellen. Die RBI zieht sich aus den Kernmärkten in Slowenien und Polen zurück und beendet ihre Operationen in den USA und Asien. In der Ukraine stehe man vor der Einigung rund um den Einstieg der Oststeueropabank EBRD mittels einer Kapitalerhöhung. Wie viel Prozent die EBRD an der ukrainischen Aval, die von Raiffeisen 2005 erworben wurde, übernimmt, wollte man seitens der RBI noch nicht kommentieren. Auch in Russland wird das Geschäft zurückgefahren: Bis Ende August steigt die RBI aus sechs östlichen Regionen aus. Man wolle sich aus 15 Städten zurückziehen und 34 unrentable Filialen schließen. Dafür sollen neue Filialen in Moskau eröffnet werden.

Wenig Hoffnung auf Dividende

Wenn es der RBI schlecht geht, geht es auch deren Mehrheitseigentümerin Raiffeisen Zentralbank (RZB), den Raiffeisen-Landesbanken und den einzelnen Raiffeisenkassen nicht gut. "Freude haben die Raiffeisenbanken mit dem Verlust keine. Zu sagen, ob und wann wir eine Dividende zahlen, dafür ist es noch zu früh", meint Sevelda. Vorrangiges Ziel sei die Erhöhung der Kapitalquote bis 2017 auf zwölf Prozent. Alle anderen Ziele seien untergeordnet.

Die RZB hält 60,7 Prozent an der RBI. Die acht Raiffeisen-Landesbanken halten 89,86 Prozent an der RZB, und diese gehören wiederum je nach Bundesland den einzelnen Raiffeisenkassen. 2013 hatte die RBI eine Dividende von insgesamt 298,3 Millionen Euro gezahlt. Für heuer fällt diese aus. Und wenn das laufende Geschäftsjahr nicht besser verläuft, wird es wohl auch für 2015 keine Dividenden geben. Das drückt auch die Gewinne in Österreich.

"Der RBI-Verlust wird die Ergebnisse von RZB und Landesbanken beeinflussen", sagt Monika Riedel, Sprecherin der RZB. Negative Auswirkungen erwartet auch die Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich-Wien - diese hält über 34 Prozent an der RZB -, wobei man auf Anfrage keinesfalls von Verlusten sprechen will, weil das Geschäft hierzulande gut laufe. In welcher Größenordnung die RBI-Verluste die RZB und die Landesbanken treffen, wolle man erst bei den Ergebnispräsentationen Mitte April offenbaren. Ob die RZB eine Dividende an die Landesbanken ausschütten wird, sei auch noch offen. Erfreut ist man im Raiffeisensektor über die Schwierigkeiten der RBI jedenfalls nicht. Auch das Sparprogramm wird fortgesetzt. Bis 2017 soll der Mitarbeiterbestand von knapp 1300 auf unter 1000 Beschäftigten, vor allem durch Fluktuation, reduziert werden.