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Reality-TV und kein Ende?

Von Manfred A. Schmid

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Wer darüber gejubelt hat, dass RTL II nach den Flopps mit den "Big Brother"-Nachfolgeformaten tatsächlich eine kreative Pause einlegen werde, hat sich getäuscht. Zwar wurde im ersten Schock der drastisch abstürzenden Reality-Shows und nach dem vorzeitigen Ende von "Big Diet" angekündigt, in Hinkunft wieder mehr auf Quizsendungen und andere Unterhaltungsshows zu setzen, doch die Hoffnung auf eine Wiederholung der einmal verzeichneten Erfolge in abgewandelter Form lässt die deutschen Privatsender nicht ruhen. Man kann daher getrost davon ausgehen, dass auch im öffentlich-rechtlichen ORF bereits an derartigen Nachfolgesendungen gebastelt wird. So kurzlebig und kurzatmig ist die Welt geworden.

Und schon ging es - pünktlich zum Herbst- und Schulbeginn - Schlag auf Schlag: Am Sonntag um 20.15 Uhr startete RTL II die auf 28 Teile angelegte Insel-Show "Gestrandet", und gestern, Montag, konterte RTL mit der werktäglichen Gerichts-Show "Das Jugendgericht" um 16 Uhr. In letzterer "Court Show" nach dem Muster amerikanischer Gerichtssaal-Übertragungen werden jugendliche Delinquenten im Alter zwischen 14 und 21 Jahren gezeigt, die sich wegen Schlägereien in der S-Bahn, wegen Autodiebstählen oder Handtaschenrauben zu verantworten haben. Da Fernsehkameras bei Prozessen - vor allem wenn darin Jugendliche verstrickt sind - verboten sind, schlüpfen Laiendarsteller in die Rolle der Täter. Immerhin die Richterin ist (fast) echt: Ruth Herz, Richterin am Amtsgericht Köln, wurde für die TV-Show für zwei Jahre beurlaubt . . .