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Rechtsextremisten verkleiden sich als Muslime

Von WZ-Korrespondentin Barbara Barkhausen

Politik

Die Gruppe stürmte eine Kirche in Australien, deren Priester sich gegen Rechtsextremismus ausgesprochen hatte.


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Sydney. Vater Rod war mitten in seiner Predigt. Er sprach über Jesus Christus und eine nicht ganz einfache Bibelstelle, als eine Gruppe Männer und Frauen in die Kirche stürmte. Sie trugen lange, muslimische Kleidung, breiteten Gebetsteppiche aus und begannen, eine Aufnahme des Korans abzuspielen. Die Szene, die teilweise gefilmt wurde, war bizarr, die Kirchengemeinde schockiert. Bei den etwa zehn Teilnehmern handelte es sich jedoch keineswegs um echte Muslime. Mitglieder der rechtsextremen Party for Freedom hatten sich verkleidet, um die Gemeinde, die für ihre humanitäre Einstellung gegenüber Asylsuchenden bekannt ist, einzuschüchtern.

Vater Rod Bower ist in Australien so etwas wie eine Institution. Der anglikanische Priester, der einer Kirchengemeinde etwa eine Stunde nördlich von Sydney vorsteht, hält sich nicht zurück mit seiner Meinung. Fast jede Woche prangert er in seiner Kirche in Gosford an, wie Asylsuchende behandelt werden, setzt sich für Homosexuelle ein oder assoziiert sich mit muslimischen Gläubigen.

Seine Botschaften übermittelt er stets über ein Schild vor der Kirche, Bilder davon veröffentlicht er auf Facebook. Auch die nationalistische Politikerin Pauline Hanson, die mit ihrer Partei One Nation bei den Wahlen im Juli vier Sitze im australischen Senat erhalten hat, erhält von Bower schon mal persönliche Nachrichten mittels seines Kirchenschildes. Im Juli kritisierte der Priester beispielsweise die "Hass- und Angstpolitik" der ultrarechten Hanson. Mit ihr assoziieren sich aber auch die Extremisten, die am Sonntag in die Kirche eindrangen: Das Foto der 62-Jährigen prangt groß auf ihrer Facebookseite. Hanson selbst distanzierte sich in einem Interview mit dem "Guardian" zwar von der Aktion. Ihre populistischen Parolen gegen muslimische Migranten, den Bau von Moscheen oder Halal-Zertifizierungen schlagen jedoch in die gleiche Kerbe.

Radikalisierte Christen, rechtsextremer Terror

Während des Vorfalls schrien die Mitglieder der Gruppe, dass Muslime die Welt einnehmen würden und die westliche Welt das nicht wahrhaben wolle. Bevor sie die Kirche verließen, riefen die Männen: "Werbt nicht für den Islam." Der australische Geistliche bewahrte die Ruhe, schnell erkannte er, dass die Eindringlinge sich als Muslime verkleidet hatten.

Er beruhigte seine Gemeinde, die, wie er später sagte, von dem Vorfall zum Teil "schwer traumatisiert" ist. Im Raum waren auch Kinder, ältere Menschen und Flüchtlinge. Die Polizei wurde eingeschaltet. Bower setzte den Gottesdienst nach dem Vorfall fort, beendete seine Predigt und erinnerte seine Gemeindemitglieder daran, dass das ein Beispiel für eben jenes "radikalisierte Denken" sei, das er ablehne. "Traurigerweise werden diese mit Hass erfüllten Menschen wahrscheinlich bei der Volkszählung vergangenen Dienstag auch noch angegeben haben, dass sie Christen sind", schrieb er auf Facebook. Das seien radikalisierte Christen und rechtsextremer Terror und das solle man auch beim Namen nennen. "Wir arbeiten schwer daran, Brücken zu bauen anstatt Mauern und ich fürchte, diese Rechtsextremen wollen nur eine dysfunktionale Gesellschaft", sagte er dem Sender ABC.

Laut lokaler Medien könnte die Aktion in Zusammenhang mit Berichten stehen, nach denen einige rechtsorientierte Senatoren, darunter auch Hansons One-Nation-Anhänger, eine Sektion aus dem Antidiskriminierungsgesetz streichen lassen wollen. Laut dem Gesetz dürfen Menschen nicht aufgrund ihrer Rasse beleidigt oder verletzt werden.