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Rede über das Gute, das du tust

Von Regine Bohrn

Wirtschaft
Non-Profit-Unternehmen tun sich oft schwer, ihren Erfolg zu messen. Foto: fotolia

Gelungene Schritte sollen intern und extern kommuniziert werden.
| Expertin: Erfolg und Misserfolg liegen im Auge des Betrachters.


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Wien. Ein Konzern hat es relativ einfach, seinen Erfolg darzustellen. Ein Blick in die Bilanz reicht in der Regel aus, um zu sehen, wie es dem Unternehmen gerade geht. Bei Non-Profit-Unternehmen (NPOs) schaut die Sache aber etwas anders aus. Das Rote Kreuz etwa ist daran gescheitert, den Erfolg der Organisation "auf eine Kennzahl zusammenzuführen", sagte Salzburgs Rot-Kreuz-Landesgeschäftsführer Helmut Schmidt beim NPO-Tag an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU).

"Der Erfolg ist", so Schmidt, "vielschichtig" und habe im Fall des Roten Kreuz auch "viel mit Emotion zu tun." Daneben sei aber auch die nachhaltige Entwicklung und die Erhaltung der wirtschaftlichen Stabilität für den Erfolg wichtig. Der Manager betonte, dass man sich bei alledem allerdings nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen darf. "Der Erfolg darf keine Selbstverständlichkeit werden."

Erfolgreich, so lange es zum Leben reicht

Dass der Erfolg von NPOs nicht immer leicht messbar ist, bestätigte auch WU-Professorin Ruth Simsa. Ein Problem sei, dass sich gemeinnützige Organisationen manchmal einseitig an einzelnen Interessensvertretern orientieren oder unreflektiert die Instrumente aus der Profitwelt übernehmen. Aber eigentlich, so die Expertin, seien Leistung und Erfolg ein gesellschaftliches Konstrukt.

Sobald nämlich eine Organisation gegründet ist, möchte sie überleben - und sonst nichts. Solange ihr das gelingt, ist sie laut Simsa erfolgreich. Alle weiteren Zuschreibungen von Erfolg oder Misserfolg seien dann lediglich Interpretationen verschiedener Beobachter.

Obwohl der Erfolg einer NPO in den Augen des Betrachters liegt, wird dennoch versucht, ihn messbar zu machen. Die NPOs können auf diese Weise die Auswirkungen ihrer Leistung auf die Umwelt besser sichtbar machen und diese so auch besser kommunizieren. Für die Investoren hat die Erfolgsmessung auch einen Vorteil: Sie können die Ergebnisse als Entscheidungsgrundlage zwischen verschiedenen Projekten oder Organisationen verwenden.

Probleme mit Image und Selbstbewusstsein

Die NPOs hätten es aber gar nicht notwendig, den Erfolg zu messen. Der Sektor habe, so WU-Expertin Simsa, insgesamt kein Erfolgsproblem, "sondern vielmehr ein Problem des Images und des Selbstbewusstseins." Simsas Ratschlag lautet daher, die erbrachten Leistungen nicht kleinzureden und immer wieder zu kommunizieren. Derselben Meinung ist auch Rot-Kreuz-Manager Schmidt, der meinte, dass man Erfolge so oft und so tief als möglich - auch intern - kommunizieren soll. Mit anderen Worten also: "Tue Gutes und rede darüber - aber auch nach innen und nicht nur nach außen."