Zum Hauptinhalt springen

Reden kann ein Superjob sein

Von Peter Muzik

Wirtschaft

Agenturen vermarkten Promis als Redner - beide verdienen bestens daran.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 12 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Der Wiener PR-Spezialist David Ungar-Klein holt alljährlich zu seinem Kongress "com.sult" Promis wie Bill Gates, Jack Welch oder Shimon Peres nach Wien. Auch den deutschen Ex-Außenminister Joschka Fischer, Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und den Starregisseur Francis Ford Coppola ließ er bereits einfliegen. Heuer waren im Jänner Tschechiens Präsident Vaclav Klaus, Schwimm-Olympiarekordler Mark Spitz und der US-Ökonom Jeremy Rifkin zu Gast.

Ungar-Klein organisiert die weltweit bekannten Speaker am liebsten in Eigenregie, was in komplizierten Fällen bis zu einem Jahr dauern kann - aber auch seine Vorteile hat: Microsoft-Gründer Bill Gates ließ sich schließlich nur die Reisekosten zahlen, aber keine Gage. Auch Vaclav Klaus und Mark Spitz, die auf der "com.sult" für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden, verzichteten auf ein Honorar. Im nächsten Jahr wird der Kongress-Veranstalter mit dem deutschen Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher aufwarten und dem einstigen Chef der britischen Supermarktkette Tesco, Sir Terry Leahy.

Normalerweise ist - wie gelegentlich auch bei Ungar-Klein - die Beauftragung einer einschlägigen Agentur erforderlich, wenn man einen Top-Speaker engagieren möchte. Um dieses Marktsegment kämpfen etliche international vernetzte Vermittlungsfirmen, etwa in den USA, in Großbritannien oder in Deutschland.

Sie stehen all jenen Unternehmen oder Organisationen kostenlos zur Verfügung, die eine feierliche Veranstaltung mit einem Starredner aufmotzen und sich zugleich in dessen Ruhm sonnen möchten. Solche Agenturen vermarkten auftragsgemäß abertausende Persönlichkeiten, die klingende Namen tragen und - zumeist nach dem Ende einer schillernden Karriere - ihren Markenwert auf rhetorische Weise versilbern wollen.

Stars für alle Anlässe - vom Comedian bis zum Vordenker

So etwa stehen einstige Politgrößen, gefeierte Filmstars, ehemalige Sporthelden oder frühere Mondfahrer, aber auch berühmte Ökonomen, angesehene Entrepreneure und blitzgescheite Vordenker gerne zu Diensten, wenn sich ein Auftraggeber ihrer erinnert. Und es ihm nicht schwer fällt, dafür ein stolzes Sümmchen zu berappen. Egal, ob es sich um Firmenjubiläen, Kongresse, Preisverleihungen, Abendgalas oder Branchenfeste handelt - sofern eben die Gage stimmt, jetten Superstars aller Art sogleich per Erste-Klasse-Ticket herbei. Die teuersten unter ihnen - etwa Englands früherer Premier Tony Blair oder der ehemalige Radfahrer Lance Armstrong - kosten zumindest 200.000 Dollar pro Auftritt - Selbst wenn sie bloß eine Dreiviertelstunde zu reden haben.

Ab 100.000 Dollar sind etwa Deutschlands Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der erste Mann am Mond Neil Armstrong, der aus Österreich stammende US-Gastronom Wolfgang Puck oder der Film-Komödiant Eddie Murphy - Blödeln inklusive - zu haben. Für wohlfeile 30.000 bis 50.000 Dollar sind beispielsweise die "Playboy"-Tochter Christie Hefner, die Tennis-Legende Chris Evert oder der Aufdecker-Journalist Bob Woodward zu buchen.

Lediglich bis zu 20.000 Dollar sind laut Agentur All American Speakers für die leibliche Präsenz von irgendwelchen amerikanischen Comedians, Bestsellerautoren oder Baseballgrößen zu veranschlagen, die in Österreich kein Mensch kennt. In sämtlichen Fällen gesellen sich Flug- und Aufenthaltsspesen inklusive bereitzustellender Limousine hinzu, bisweilen auch die Kosten für einen Bodyguard oder eine Begleitperson nach Wahl.

"Diskont-Gagen" bis zu 10.000Euro in Österreich

Das Business hat zwar in jüngster Zeit krisenbedingt einen Dämpfer abbekommen - weniger Sponsoren und weniger Veranstaltungen heißt naturgemäß weniger Speaker -, doch selbst auf einem winzigen Markt wie Österreich gibt es immer wieder Nachfrage. Heidi Glück, ehemals guter Geist von Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel, hat sich mit ihrer Firma Topspeaker vor drei Jahren auf dieses Metier spezialisiert. Sie vermarktet, abgesehen von der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright und der ehemaligen EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner, rund hundert hierzulande fast durch die Bank bekannte Personen, denen zu praktisch jedem Thema etwas einfällt.

Glücks wichtigste Kunden sind Banken, Versicherungen und größere Unternehmen, aber auch eine Anwalts- sowie eine Steuerberatungskanzlei bescheren ihr alljährlich zumindest einen Auftrag. Das Honorar etwa für einen Moderator startet bei 2000 Euro, die Obergrenze bei einem Redner-Kaliber liegt laut Glück bei 10.000 Euro. Also Diskonttarife geradezu im Vergleich zu den Summen, die internationale Stars zu kassieren pflegen. Dafür macht auch die Provision für die Vermittlung weniger aus als der übliche Satz von 25 Prozent, den Topspeakers ihrer Agentur abzutreten haben. Bei Glück, deren größter Mitbewerber Speakers Excellence heißt, beträgt sie, je nach Honorarhöhe, 15 bis 20 Prozent.