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Regen, Samba und die Warnung vor Geld und Macht

Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

Politik

Viele Jugendliche setzten große Hoffnung auf Papst Franziskus.


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Rio de Janeiro. Es ist kalt in Rio de Janeiro. Am weltberühmten Copacabana-Strand sorgt ein ungewöhnlicher Temperatursturz dafür, dass die Besucher des Weltjugendtaggottesdienstes noch enger zusammenrücken als ohnehin schon. Rund eine halbe Million Menschen sind gekommen. Die optimistischsten von ihnen mit kurzer Hose und nackten Füßen. Nun stehen sie im vom peitschenden Regen völlig durchnässten Sand und singen sich warm.

Der Kälteeinbruch trifft viele Pilger überraschend. Dass auch in Rio die Temperatur einmal unter die 15 Grad rutschen könnte, hätten sie nicht erwartet. Ein Blick über die riesige Menge an Köpfen und Regenschirmen zeigt ein Flaggenmeer. Junge Katholiken aus mehr als 175 Ländern sind nach Rio de Janeiro gekommen und sie zeigen im wahrsten Sinne des Wortes Flagge. Der starke Wind vom Atlantik lässt die Fahnen flattern. Es ist ein beeindruckendes Farbenspiel, das Gänsehaut erzeugt. Nicht nur wegen der Kälte. Schon der Einmarsch auf den Strand ist ein Spektakel: Hinter dem Fahnenträger mit Landesflaggen ziehen die Gruppen auf das Areal. Fast alle singen dabei den Namen des Landes, aus dem sie stammen. Sie halten sich an den Händen und bilden eine lange Menschenschlange, um sich auf dem Gelände nicht aus den Augen zu verlieren. Wer hier die eigene Gruppe verlässt, kann schnell abtreiben in diesem riesigen Meer von christlichen Überzeugungstätern. Ganz wenige haben nicht die Nationalflaggen, sondern nur die Fahnen ihrer Bundesländer dabei. So viel Regionalstolz muss sein: natürlich die Bayern und auch die Kalifornier.

Olympische Spieledes Glaubens

"Für mich sind das die Olympischen Spiele des christlichen Glaubens", sagt Anna aus Polen. Sie ist mit ihren 28 Jahren und insgesamt vier Weltjugendtagsteilnahmen eine Veteranin: "Hier hat sich die Jugend der Welt versammelt. Nur dass sie kein Sport treiben, sondern der gleichen Überzeugung angehören."

Die Partystimmung mit Sambamusik aus Lautsprechern unterstreicht ihre Worte. Auch dass wegen des brasilianischen Winters die Sonne schon gegen 17 Uhr verschwindet, stört sie nicht. Im Gegenteil: Die perfekt ausgeleuchtete Bühne des Weltjugendtages mir warmen Lichttönen steht im Kontrast zum tristen Wetter. Zumindest optisch verstrahlt die Bühne etwas Wärme. Das hat auch etwas Mystisches.

Viele der Jugendlichen setzen große Hoffnungen auf den Papst: "Er gibt eine neue Richtung vor, mit der wir uns wieder identifizieren können", sagt Pedro (17) aus Rio de Janeiro. "Er kennt die Probleme der Menschen und bringt frischen Wind in die Kirche."

Papst Franziskus wird erst im Laufe der Woche zu den vielen Jugendlichen an der Copacabana stoßen. Doch schon beim Besuch des Marienwallfahrtsorts Aparecida wandte sich Franziskus an die Jugend und warnte vor "flüchtigen Idolen" wie Geld und Macht. "Heute fühlen sich alle, auch unsere Jugend, verführt von den Idolen, die sich an die Stelle Gottes setzen und Hoffnung zu geben scheinen: Geld, Erfolg, Macht, Vergnügen", sagte der Papst vor 15.000 Gläubigen in und 200.000 vor der Basilika.