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Wer aus hauptstädtischer Perspektive meint, dass es im Rest Österreichs weniger Hirn gibt, täuscht sich
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Nicht nur in der Bundeshauptstadt, sondern in den restlichen acht Bundesländern kommt es regional verteilt zu einer Fülle von Initiativen, die außerordentlich fruchtbar sind, ohne dass nach außenhin Tamtam damit gemacht wird.
Aus der Wiener Perspektive wird selten wahrgenommen, was sich auf breiter österreichischer Fläche alles tut. Bei den jährlichen "Sommergesprächen" der Waldviertel Akademie am vergangenen Wochenende in Weitra wurden einige dieser Initiativen vorgestellt. Es ging um das Thema Jugend. Und tatsächlich, die Jugend kam dabei ausführlich zu Wort.
So hat etwa die "Kleinregion Waldviertler StadtLand" die Kommunikationsplattform "Jugend trifft Wirtschaft" eingeführt, die von WKÖ über AMS bis Arbeiterkammer unterstützt wird und die schmerzliche Lücke im ökonomischen Wissen der nachwachsenden Generation füllen soll. Denn Jugendliche erfahren im normalen Schulbetrieb und zumeist auch im Elternhaus zu wenig über wirtschaftliche Zusammenhänge.
Neun Gemeinden mit rund 21.000 Einwohnern haben sich in dieses kommunikative Netzwerk eingeklinkt und nehmen an Arbeitskreisen und Besuchsprogrammen teil, die von Karl Bauer, dem Chef des Gmünder Glasfaseroptik-Spezialisten NBG, gemeinsam mit der "StadtLand"-Geschäftsführerin Viktoria Neuteufel organisiert werden. Besuche bei bedeutenden Unternehmen der Region bieten Orientierungshilfen für die Berufswahl von Hauptschülern. Nach dem Projektstart im September 2009, etlichen Workshops und Schnuppertouren zu Partnerbetrieben findet am 5. November in Hirschbach die erste Abschlusspräsentation von Schülerarbeiten darüber statt.
Eindrucksvoll war bei der Tagung der Waldviertel Akademie auch das Jugendprogramm der Gemeinde Großschönau. Jetzt kann man sagen: Wer kennt diese Marktgemeinde mit 1250 Einwohnern schon? Aber es ist ja gar nicht so einfach, in Waldviertel eine Gemeinde zu finden, die ihre Bevölkerungsstärke seit Jahren einigermaßen in Balance hält. Die Ursache dafür ist komplex, aber gewiss hilft mit, dass in Großschönau die vielbeklagte Sprachlosigkeit zwischen Jung und Alt gezielt durchstoßen wird. Das Rezept lautet: Kommunikation, bei der die Jungen öfter zu Wort kommen als die Alten. Die Angebote reichen vom Kinderfasching für die Jüngsten bis zur Selbstorganisierung von Ausflügen und gesponserten Festlbussen" zu Events für die Älteren. Mit 307 Personen im Alter von 5 bis 24 lässt sich einiges machen, und viele tun engagiert mit.
Die beiden Gemeinderäte Kurt Schauer und Elfie Spitaler gliedern die Jugendarbeit in vier Kategorien: Veranstaltung, Arbeit/Bildung, Jugendräume, Mobilität. "Die Befähigung der Jugendlichen, ihre Bedürfnisse zu artikulieren und sich in einen kommunalen Partizipationsprozess aktiv einzubringen, steht im Mittelpunkt des Projektes."
Auch Landespolitik kann regional ideenreich sein, wie Bildungslandesrat Johann Heuras am gestrigen Mittwoch zeigte: Er organisiert in fünf Pilotkleinregionen ein praxisbezogenes Informationsprogramm für Eltern, die ihre Erziehungskompetenz steigern möchten. Mit einem "blaugelben Elternpass" können wahlweise Kursangebote wählen wie: Besser lernen, Konflikte lösen, Motorik und Gesundheit, Talente erkennen, Medien, Pubertät - je nach Handlungsbedarf. Wer weiß schon genau, wie Erziehung heute funktionieren soll.
Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

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