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Reich werden - trotz Ethik und Moral

Von Herbert Hutar

Wirtschaft

Bis jetzt nur recht zögerliche Nachfrage. | Viele Vorurteile gegen Ethikfonds. | Wien. Börsen haben den zweifelhaften Ruf, Orte skrupelloser Geldgier zu sein. Die Kurse steigen, wenn Menschen massenweise entlassen werden, soziale Standards oder der sorgsame Umgang mit der Umwelt scheinen vielen als Hindernis für noch mehr Gewinn. Ganz zu schweigen von der - übrigens irrigen - Ansicht, dass Kriege die Aktienkurse in die Höhe treiben. Aber das muss nicht so sein: Viele Banken bieten Investmentfonds mit Aktien von Unternehmen an, deren Wohlverhalten geprüft wird, und mit Anleihen von Ländern, in denen die Menschenrechte geachtet werden.


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Die Wertentwicklung - also die Performance - von Ethik-Fonds ist sicher nicht schlechter als die anderer Aktienfonds, Alternativenergien erleben sogar einen regelrechten Boom. Trotzdem ist die Nachfrage noch recht bescheiden. Viele meinen, die Rücksicht auf Umwelt und soziales Verhalten verursache zusätzliche Kosten. Die Befürworter hingegen sagen: Umweltbewusstsein und sparsamer Einsatz von Rohstoffen reduzieren Kosten. Und: Soziales Verhalten des Unternehmens gegenüber Mitarbeitern senkt das Risiko rechtlicher Auseinandersetzungen.

Langfristig mehr Erfolg?

Auch gegen den Grundsatz des Shareholder-Value mit ausschließlicher Rücksicht auf die Interessen der Eigentümer und der Aktionäre haben die Verfechter ethischer Investments Argumente: Langfristig bringt Rücksicht auf Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden und Umwelt mehr, sagen sie. Das reicht von der besseren Motivation der Mitarbeiter bis zur höheren Zufriedenheit der Kunden, die treu bleiben. Und schließlich ist auf diese Weise auch politisches Wohlwollen leichter zu erlangen, was für die Rahmenbedingungen sehr nützlich sein kann.

Die Auswahl der Titel für einen Ethik- oder Nachhaltigkeitsfonds erfolgt in mehreren Stufen: Die Bank definiert, welche Kundenschichten sie ansprechen will; und sie formuliert die Grundsätze, nach denen die einzelnen Titel ausgewählt werden sollen. International tätige Agenturen filtern aus dem gesamten Angebot an Aktien oder Anleihen - also aus dem sogenannten Universum - die geeigneten Titel heraus. Und der Fondsmanager stellt dann den Fonds zusammen.

Trotz positiver Erfahrungen ist die Nachfrage nach Ethik- oder Umweltfonds immer noch relativ zurückhaltend. Von fast 170 Milliarden Euro, die in Österreich in Investmentfonds angelegt sind, entfallen nur knapp 1,5 Prozent auf nachhaltiges Investment. Warum das so ist? Viele Anleger meinen immer noch, dass man mit ethisch motiviertem Investment weniger verdient. Das mag insofern stimmen, als zum Beispiel Werte aus Osteuropa, aus Russland oder aus Asien - einmal abgesehen von Japan - in Ethik-Fonds wenig bis gar nicht vertreten sind, ebenso wenig Aktien aus anderen Schwellenländern. Günter Bergauer, Vorstand im Bankhaus Schelhammer & Schattera, drückt das so aus: "Die Fragen nach dem Wie des Wirtschaftens werden in diesen Ländern erst langsam gestellt, aber es ist zu erwarten, dass es in Osteuropa und in den Schwellenländern doch zu einem Umdenken kommen wird."

Bisher nur Einzeltäter

Einer der größten Einzelinvestoren der Welt, der norwegische Petroleumfonds mit 150 Milliarden Euro aus den Öleinnahmen, legt seit dem Jahr 2004 nur noch nach Kriterien der Ethik und der Nachhaltigkeit an. Heimische Pensionskassen verlegen immer mehr das Schwergewicht ihrer Anlagestrategie auf ethisches und nachhaltiges Investment. Bei den Wertpapierberatern heimischer Banken muss man hingegen ausdrücklich danach fragen. Vielleicht wäre ja eine Marketingoffensive für ethisches und nachhaltiges Investment eine gute Idee vor Weihnachten.