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"Reine mediale Konstruktion"

Von Christian Rösner

Politik

Grünen-Klubobmann Ellensohn zur angeblichen Schwäche der Wiener in der Bundespartei.


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Wien. Bei den Grünen bleibt kein Stein auf dem anderen. Der Rücktritt von Eva Glawischnig hat es in der Partei kräftig rumoren lassen. Allerdings wurde mit der Doppelspitze schnell eine Lösung gefunden. Eine Lösung, bei der die Wiener Grünen - eigentlich die stärkste Landespartei in Österreich - angeblich nicht viel mitzureden hatten, wie manche Beobachter meinen.

"Ich habe beobachtet, dass die Doppelspitze nicht die von Wien präferierte Variante war. Da ist es schon aufgefallen, dass die Wiener Grünen - ich sags jetzt euphemistisch - das nicht diktiert haben, was da passiert ist in der Partei", meint etwa Politikberater Thomas Hofer. Das rühre daher, dass die Wiener Partei in der jüngeren Vergangenheit sehr stark mit sich selbst beschäftigt gewesen sei. Vom Prinzip her sei die Situation mit Michael Häupl und der Kür von Christian Kern vor einem Jahr vergleichbar - zumindest hätten sich die Wiener Grünen unter anderen Voraussetzungen besser in Szene setzen können, ergänzt Hofer.

"Zermürbender Zustandfür Vassilakou"

Der Status Maria Vassilakous als durchsetzungsfähige grüne Politikerin sei aufgrund der Debatten rund um das Heumarktprojekt beschädigt worden. Ein zermürbender Zustand für die Politikerin, der laut Hofer aber bereits seit 2015 wirke. Also seit dem Zeitpunkt, als Vassilakou nach der Gemeinderatswahl erklärte, sie würde weitermachen - obwohl sie davor angekündigt hatte, Platz für die jüngere Generation machen zu wollen, sollten die Grünen Verluste einfahren. Die Grünen verloren damals immerhin 1,5 Punkte und landeten bei 11,14 Prozent. 2010 waren es noch 12,64 Prozent. Aber auch die zunehmenden Konflikte mit dem roten Koalitionspartner haben laut Hofer Vassilakou über die Jahre geschwächt - da sei das Thema Heumarkt nur eines von vielen.

Bei den Grünen sieht man das anders. Vor allem der Wiener Klubchef David Ellensohn: "Die Spitzenkandidatin bei der nächsten Nationalratswahl ist Ulrike Lunacek und die Wiener Grünen sind begeistert von dieser Lösung und betrachten Lunacek eindeutig als Wienerin. Auch wenn sie in Krems aufgewachsen ist, kommt sie aus dem 2. Bezirk. Bei jedem Wahlkampf in Wien macht sie mit - ich verstehe also dieses ganze Gerede überhaupt nicht."

Zudem sitze er im Bundesvorstand und sei in jede Entscheidung eingebunden gewesen. "Und wir sind ja auch keine bündische Partei, die ihre Jobs nach Bundesländer verteilt. Abgesehen davon: Die Spitzenkandidatin ist von hier, der Klubobmann im Parlament ebenso. Und ich bin zwar ursprünglich aus Vorarlberg, aber ich bin mir sicher, dass man mich zu den Wiener Grünen zählt", betonte Ellensohn im Gespräch mit der "Wiener Zeitung."

"Gab nie einen Kampf zwischen Ost- und Westgrünen"

Er sei schon immer verwundert gewesen von der Berichterstattung über den angeblichen Kampf von West- gegen Ostgrüne. "Jetzt haben wir alles problemlos untereinander gelöst, aber nach außen hin muss es plötzlich schon wieder einen Gewinner und einen Verlierer geben. Das sehe ich definitiv nicht so", so Ellensohn weiter. Abgesehen davon, dass man kaum von einer West- und Ostachse sprechen könne, wenn etwa Vorarlberg nicht einmal im Bundesvorstand vertreten sei.

Auch den Vorwurf des mit sich selbst beschäftigt Seins lässt der Politiker nicht gelten. "Erstens sind immer alle auch mit sich beschäftigt - was denn sonst: Die Tiroler Grünen sind in einer Regierung und machen Regierungsarbeit. Die Vorarlberger und wir ebenso. Es machen sowieso alle das, was sie tun müssen und jetzt kommt der Nationalratswahlkampf dazu, wo auch wieder alle dabei sind. Das ist doch logisch."

Über Ost gegen West habe man intern immer nur gelacht, "da war ja noch die Fundis gegen Realos-Geschichte besser - und die gibt es auch nicht." Sehr amüsiert hätten ihn zum Beispiel wieder Berichte, in denen man Lunacek zur Linken und Felipe zur Bürgerlichen machen wollte. Fazit: Für Ellensohn sind alle genannten Punkte "eine reine mediale Konstruktion".