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Reiseberatung per Videokonferenz

Von Monika Jonasch

Wirtschaft

Eine "neue Dimension der Beratungsqualität" kündigte der Generaldirektor des Österreichischen Verkehrsbüros, Dieter Toth, gestern vor Journalisten in Wien an. Via Videokonferenz will Österreichs größter Tourismuskonzern künftig Experten in seine Reisebüros hinzuschalten, um alle noch so spitzfindigen Kundenfragen beantworten zu können. Toth ist überzeugt, damit nicht nur das Reisebürosterben auszubremsen, sondern sogar ihre "Renaissance" einleiten zu können.


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Das "Mehrwissen", das ab sofort in 80, bald schon 120 Verkehrsbüro-Verkaufsstellen zur Verfügung steht, soll dem Tourismus-Konzern kommendes Jahr ein Umsatzplus von 10% auf 280 Mio. Euro bescheren, prognostiziert Finanzchef Harald Nograsek.

Gekostet hat die neue Beratungsschiene namens "Expertline" inklusive Entwicklung bisher etwa 700.000 Euro. Nun muss sie noch entsprechend bekannt gemacht werden. "Wir wollen diese Lösung mit aller Macht in den Markt bringen", kündigt Toth an.

Er denkt auch schon über diverse Erweiterungsschritte nach. So sollen künftig nicht nur die konzerneigenen Experten via Videokonferenz zur Verfügung stehen, sondern bald auch externe Spezialisten von Reiseveranstaltern, Hotelketten oder Fluglinien. Außerdem entwickelt das Verkehrsbüro bereits eine Datenbank mit genauem Kartenmaterial für die ganze Welt. Dieses wird noch durch Expertenkommentare erweitert. Damit soll den Reisenden dann eine genaue Routenplanung ermöglicht werden.

Die Experten werden gewissenhaft ausgewählt, verspricht Toth. Sie müssen selbst schon vor Ort gewesen sein oder ein umfassendes Wissen über das Reiseziel aufweisen. "Das ist ein laufender Prozess. Derzeit haben wir etwa 80-100 Experten zur Hand. Aber es kommen laufend mehr hinzu. Immerhin stecken wir pro Jahr 100 Mio. Euro in die Ausbildung unserer 300 Mitarbeiter. Und es werden auch von den Veranstaltern laufend Schulungen vor Ort gemacht", betont er.

Jede Destination werde mehrfach belegt, damit möglichst immer ein Experte bereit steht. Signalisiert wird dessen Verfügbarkeit durch eine Art "Ampelregelung": Grün heißt: Der Spezialist ist für Fragen bereit. Um sicher zu gehen, dass auch in buchungsintensiveren Zeiten das Expertenwissen abrufbar ist, sollte allerdings schon ein Termin vereinbart werden, empfiehlt Verkehrsbüro-Vertriebschef Jörg Preiss.

Maßgeschneiderte Lösungen sind Zukunft des Reisens

"Der Trend bei Reisebu-chungen geht in Richtung maßgeschneiderte Lösungen. Mit unserer Videokonferenz-Beratung kommen wir dem entgegen", meint Toth weiter. Das Expertenwissen stehe jedoch genauso für Pauschalreise-Buchungen zur Verfügung. Auch Reklamationen könnten so schneller geklärt werden, fügt Preiss hinzu.

"Expertline" sei eine "Spitzenentwicklung in der Tourismusbranche", schwärmt Anton Steinringer, Leiter der Telekom Austria-Abteilung Business Solutions, welche die Lösung technisch umgesetzt hat. So könne "Kommunikation Raum und Zeit überwinden" und verhelfe zu mehr Kundenbindung auf dem wettbewerbsintensiven Markt.

Der Lernaufwand bei den Mitarbeitern sei gleichzeitig gering, so Toth: In nur einer Stunde seien "die paar Knöpfe" leicht zu erlernen.

Derzeit läuft die Videokonferenz über ein Virtual Private Network (VPN) via Breitbandleitung, erläutert Steinringer. Die nächste Stufe sei jedoch schon in Planung, freut er sich. Dann soll die Kommunikation auf dem Internetprotokoll (IP) basieren und mit Pop-up-Fenstern erweitert werden, die dem Experten Basisinformationen über die Kundenwünsche gleich mitliefern.