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Reisen im Schatten des Vulkans

Von Franz Steinbauer

Wirtschaft

Bahnpassagiere erleben unliebsame Überraschungen bei Online-Buchungen. | Kooperationen der EU-Eisenbahnen stecken teils noch in den Kinderschuhen. | Wien. Die Asche hat es ans Tageslicht gebracht: Nicht alles funktioniert heutzutage per Mausklick. Wer etwa glaubt, ein Bahnticket von Madrid nach Wien einfach online kaufen zu können, der hat die Rechnung ohne die europäischen Bahngesellschaften gemacht.


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In Folge des Vulkanausbruchs in Island wurden selbst die passioniertesten Flugmeilensammler gezwungen, sich auf den Landweg zu machen - im buchstäblichen Sinn. Wer sich nicht um ein Taxi oder einen Mietwagen anstellen wollte, fand sich in immer länger werdenden Schlagen vor den Schaltern der Bahnhöfe wieder.

Madrid-Wien wird zur Strecke Genf-Wien

Ein Kauf der Fahrkarten im Internet ist im konkreten Fall nicht möglich: Auf der ÖBB-Website wird zwar die Relation Madrid-Wien offeriert, doch im Verlauf der Buchung entpuppt sich die Sache als eine Fahrt von von Genf nach Wien. Wobei betont werden muss: Es erfolgt ein Hinweis, dass die Kunden sowohl "Ankunftsbahnhof" als auch "Abfahrtsbahnhof" noch einmal überprüfen sollen. Denn es handelt sich bei Genf-Wien um eine sogenannte "alternative" Strecke.

Von der Bahn war dazu Folgendes zu erfahren: "Der Kunde bekommt ein Ticketangebot für eine Destination zum nächstgelegenen Bahnhof, wo wir vertraglich dazu in der Lage sind, ein Online-Ticket zu verkaufen", sagt ÖBB-Sprecherin Karin Gruber der "Wiener Zeitung". Nicht mit jeder anderen europäischen Bahn gebe es für den Internetverkauf ein Kooperationsabkommen. Im persönlichen Verkauf - also im österreichischen Fall über die Bahnreisezentren, Personenkassen und das ÖBB-Callcenter - sei die Buchung der "gesamten" Strecke natürlich "immer" möglich. Internet-Buchungen bietet die ÖBB derzeit flächendeckend nur für Österreich, Deutschland und die Schweiz an.

Vertrauen ist gut,Kontrolle besser

Das Kernproblem ist die Kontrolle: Wenn die Schaffner nicht die richtigen Lesegeräte haben, kann nicht festgestellt werden, ob die Internet-Ausdrucke gültig, abgelaufen, storniert oder gar gefälscht sind.

Kritik an der unbefriedigenden Situation üben die Bahnaktivisten von Probahn: Nicht nur - nicht funktionierende - Internetbuchungen stellen Probahn-Sprecher Peter Haibach zufolge ein Problem dar.

Generell gestalte sich die Kooperation zwischen Bahngesellschaften schwieriger als früher, da die Eisenbahnen immer weniger Geld hätten. "Die Bahngesellschaften konzentrieren sich auf sich selbst", erklärt Haibach. Zusammenarbeit hingegen koste - zumindest am Anfang - etwas.

Die Wurzel der Probleme sieht er bei den Staaten: "Die Politik zieht sich in der ganzen Europäischen Union von den Bahnen zurück." Fast überall habe man die Staatsbahnen in Aktiengesellschaften umgewandelt, die nun stärker betriebswirtschaftlich agieren müssten.

Da ist auch die europäische Allianz Railteam, der neben sechs weiteren Bahnen auch die ÖBB angehören, nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Railteam wurde hauptsächlich deshalb gegründet, um Werbung für schnelle Züge in der EU etwa den TGV oder den Railjet zu machen und versteht sich als Widerpart zur Luftfahrtbranche.

Doch im Fall Madrid-Wien nützt auch das nichts: Spanien ist kein Mitglied von Railteam.