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Der wirtschaftliche Wettbewerb um Wohlstand und Erfolg macht längst nicht mehr vor den Menschen Halt. Kein Wunder, dass das vielzitierte "Rennen um die besten Köpfe" in vollem Gange ist. Im Windschatten dieser Entwicklung feiert auch ein lange Jahre fast völlig aus der öffentlichen Diskussion verschwundener Begriff ein bemerkenswertes Comeback. Die Rede ist von den Eliten und ihrer Rolle in der Gesellschaft.
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Dabei schleppt allein schon der Begriff noch immer einen Rucksack an historischem Ballast mit sich. Elite wurde man nicht, entweder man gehörte kraft Geburt dazu - oder eben nicht. Adel und gehobenes Bürgertum waren hier quasi unter sich, ein Aufstieg von unten nach oben blieb lange Zeit die rare Ausnahme von der Regel.
Kein Wunder, dass gerade in den 60er und 70er Jahren der Begriff einen negativen Beigeschmack erhielt, der auch heute noch bei vielen mitschwingt. In dieser Zeit begann der Bildungsboom unter dem Schlagwort der Chancengleichheit und die Universitäten verloren ihren exklusiven Anstrich. Ganz konnte sich Österreich aber bis heute nicht von diesem Erbe trennen, ist der Meinungsforscher Peter Hajek im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" überzeugt: Nach wie vor bestimme der Bildungsgrad der Eltern jenen der Kinder sehr viel mehr als etwa in den USA.
Der globale Wettbewerb um Märkte, Güter und eben auch "Köpfe" hat hier jedoch in den letzten Jahren zu einem Umdenken geführt. Wie tief dieser Wandel mittlerweile geht, mag man daran erkennen, dass sogar die einst so traditionsbewusste SPD Abschied von ihren Bildungsidealen nimmt und "Elite-Universitäten" nach dem Vorbild der USA für Deutschland fordert.
Wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund
Mit den Bedingungen hat sich jedoch auch der Eliten-Begriff verändert. "Heute stehen eindeutig die wirtschaftlichen Aspekte im Vordergrund", erklärt Hajek, Begriffe wie Leistungsbereitschaft oder Belastbarkeit fallen da in einem Atemzug mit Elite. In vergangenen Tagen war das Elitenverständnis sehr viel weiter gefasst. Eine umfassende klassische Bildung gehörte ebenso dazu wie musische Begabungen. Dies, so Hajek, wird heute von wirtschaftlichen Kategorien weitgehend zurück gedrängt: "Ich habe noch nie jemanden sagen gehört, 'die Jelinek (Elfriede, Autorin; Anm.) brauchen wir'."
Eigenverantwortung kaum vorhanden
Was die "freie Bahn nach oben" für jedermann abhängig von seiner persönlichen Leistung angeht, glaubt Hajek nicht an allzu große Unterschiede zwischen Österreich und dem restlichen Europa.
Sehr wohl einen Unterschied zu anderen Ländern sieht Hajek im Stellenwert der Eigenverantwortung. In Österreich komme auch heute noch fast niemand auf die Idee, für Weiterbildung selbst zu bezahlen. Entweder komme der Dienstgeber dafür auf - "oder man lässt es eben bleiben", beschreibt Hajek eine weit verbreitete Einstellung. Es sei jedoch ein Kennzeichen von Eliten, sich weiter zu bilden, "auch wenn es Geld kostet".
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