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Republik verkauft Fläche an der Copacabana

Von Christian Mayr

Politik

Letztes bebaubares Grundstück dürfte mit Fokus auf Olympia Millionen bringen.


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Wien. Es ist wohl eines der exklusivsten und teuersten Grundstücke der Republik Österreich, das demnächst unter den Hammer kommt: Die 1000 Quadratmeter große Fläche befindet sich nicht nur in der aufstrebenden Metropole Brasiliens, in Rio de Janeiro, sondern auch noch am vielleicht berühmtesten Strand der Welt, der Copacabana - und dort in der ersten Reihe, der Avenida Atlantica. "Und es ist die letzte Liegenschaft, die an der Copacabana verbaut werden kann", berichtet Stephan Weninger, Geschäftsführer der Sivbeg (Strategische Immobilien Verwertungs-, Beratungs- und EntwicklungsgesmbH), die mit dem Verkauf betraut wurde.

Auf dem Areal befinden sich derzeit drei kleinere Gebäude, in denen bis 2009 das Österreichische Generalkonsulat untergebracht war, ehe es aus Kostengründen aufgelassen wurde. "Die Liegenschaft ist derzeit nicht voll ausgenutzt, denn dort kann man ein zwölfgeschoßiges Haus hinbauen", erklärt Weninger. Er erwartet daher, dass der neue Grundbesitzer ein Hotel oder eine Appartment-Anlage neu errichten wird. Aufgrund der direkten Strandlage (nur eine Straße und ein Gehsteig liegen dazwischen) ist der Kreis der Interessenten im Bieterverfahren äußerst groß: "Vor allem aufgrund des brasilianischen Wirtschaftsaufschwungs und der bevorstehenden zwei Sport-Großereignisse ist die Fläche sehr interessant", so Weninger. Nach der Fußball-WM 2014 steigen in vier Jahren die nächsten Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro.

Vor allem die Infrastruktur werde derzeit in der 6-Millionen-Einwohner-Stadt mit Hochdruck auf Vordermann gebracht.

Mindestens 12 Millionen Euro sollen erlöst werden

Im noch bis 16. August laufenden Bieterverfahren hätten sich in erster Linie lokale Immobilien-Größen beteiligt: "Aber auch internationale Hotelketten und sogar ein paar österreichische Konzerne sind mit im Spiel", so der Sivbeg-Geschäftsführer. Der Mindestverkaufspreis wurde bei 29,8Millionen Real (aktuell rund 12,1Millionen Euro) angesetzt. Da in der zweiten Verkaufsrunde der Bestbieter im Auktionsverfahren ermittelt wird, könnte sich die Summe am Ende Richtung 20Millionen Euro bewegen; für Weninger sei es derzeit schwer abschätzbar, wie viel letztlich für die Republik erlöst werden könne.

Eigentlich wurde die Sivbeg ja gegründet, um die zahlreichen, nicht mehr benötigten Kasernen zu veräußern. In diesem Fall tritt die gemeinsame Tochterfirma von Verteidigungsministerium und Bundesimmobiliengesellschaft als Maklerin für das Außenministerium auf, das für die Generalkonsulate zuständig ist.

"Nachdem wir auch schon Heeresliegenschaften im Ausland verkauft haben, haben wir diesen Auftrag natürlich gerne angenommen", sagt Weninger zum Einsatz unter dem Zuckerhut.

Bisher konnte die Sivbeg 118,5Millionen Euro durch insgesamt 128 Liegenschaftsverkäufe des Bundesheeres lukrieren: Zu den Top 5 gehören die Salzburger Struber-Kaserne (15,6 Millionen Euro), die Wiener Tegetthoff-Kaserne (14,2 Millionen), die Eugen-Kaserne in Innsbruck und die Kopal-Kaserne in St. Pölten mit je rund 13 Millionen Euro sowie Teile der Salzburger Schwarzenberg-Kaserne, die 12,5 Millionen Euro einbrachten. "Mit dem, was bisher verkauft wurde, ist man sehr zufrieden", meint Sivbeg-Chef Weninger. Allerdings ist man von der einstigen politischen Vorgabe doch noch sehr weit entfernt: Zum Verkaufsstart nannte der damalige Verteidigungsminister Günther Platter einst "400 Millionen bis eine Milliarde Euro" an möglichen Einnahmen.