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Ob in Rom, Warschau, Krakau oder Wadowice - Millionen Polinnen und Polen verfolgten am Freitag das Begräbnis von Papst Johannes Paul II. Auf Leinwänden wurde die Trauerfeier auch in kleinen polnischen Städten übertragen. Mit Märschen und Prozessionen gedachten Gläubige des Verstorbenen.
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Sie ließen sich nicht abhalten. Weder Medienberichte noch Ratschläge von österreichischen Zollbeamten konnten die meisten Polinnen und Polen von ihrer Reise nach Rom abbringen. Mit Isomatten, Taschen voller Essen und Wasser, Kindern an der Hand; in Sonderzügen, Autobussen, per Flugzeug oder im PKW waren sie zum Begräbnis von Johannes Paul II. gepilgert. Großmütter hatten ihre Fahr-tickets an ihre Enkelinnen abgetreten, ganze Familien waren auf dem Weg, um am Freitag wieder zurückzufahren. Wie viele es waren, ist kaum zu schätzen. Von einer Million war ebenso die Rede wie von zwei Millionen.
Jene die zu Hause geblieben sind, verfolgten das Begräbnis auf Bildschirmen oder Leinwänden im Freien. In Warschau blieben Behörden, Supermärkte, Banken und die Börse geschlossen. Um zehn Uhr heulten die Sirenen; in Krakau läutete die mittelalterliche Sigmund-Glocke, in Warschau feuerten Soldaten 26 Salven aus sechs Kanonen ab - für 26 Jahre des Pontifikats von Karol Wojtyla.
Wie zu seinen Lebzeiten mobilisierte Johannes Paul II. Massen zum gemeinsamen Gebet. Am Grab des unbekannten Soldaten auf dem Pilsudski-Platz in Warschau fanden sich an die 30.000 Gläubige ein. Ebenso viele waren es in Wadowice, dem Geburtsort Wojtylas. In Tschenstochau, dem bedeutendsten Wallfahrtsort Polens, versammelten sich 200.000. In Lublin gedachten Moslems, Juden und Christen des Verstorbenen.
Wiese als riesige Kirche
In Krakau, der ehemaligen Bischofsstadt Wojtylas, verfolgten 800.000 Menschen auf Videowänden die Trauerfeier in Rom. Die Blonia-Wiese, auf der der Papst Messen zelebriert hatte, wurde schon am Donnerstagabend einmal mehr zu einer riesigen Kirche: Eine Million Menschen fanden sich dort ein. Auch sie waren aus allen Teilen Polens gekommen. Die meisten von ihnen hatten zuvor am "Weißen Marsch der Dankbarkeit für das Pontifikat" Johannes Pauls II. teilgenommen. Weiß, als Symbol für Hoffnung und Liebe, war denn auch die dominierende Farbe. Schon einmal hatten Krakauer Studentinnen und Studenten spontan einen "Weißen Marsch" organisiert - im Mai 1981, nach den Schüssen von Ali Agca auf den Papst.
Auch die Hälfte der polnischen Parlamentsabgeordneten konnte nicht nach Rom reisen. Aus organisatorischen Gründen konnten nur 230 von ihnen an der Trauerfeier auf dem Petersplatz teilnehmen - wer, das entschied das Los. Staatspräsident Aleksander Kwasniewski, sein Vorgänger und ehemaliger Arbeiterführer Lech Walesa sowie Ministerpräsident Marek Belka standen an der Spitze der offiziellen Delegation. Die Einladung Kwasniewskis, das selbe Flugzeug zu nehmen, hatte Walesa ausgeschlagen. So fragten sich viele Polen, ob Walesa seinem Nachfolger, den er stark kritisiert, in Rom überhaupt die Hand schütteln würde. Er tat es.
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