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Antrittsbesuch des US-Außenministers in Moskau - Putin empfing Tillerson doch noch.
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Moskau/Washington. Allein die Tatsache, dass Wladimir Putin bis zur letzten Minute offen ließ, ob er US-Außenminister Rex Tillerson in Moskau empfangen werde oder nicht, sprach Bände über die angespannten russisch-amerikanischen Beziehungen. Schließlich empfing der Präsident den Gast am Abend doch noch, einen Fototermin gab es nicht. Seit dem US-Angriff auf eine Militärbasis in Syrien als Antwort auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz des Assad-Regimes, ist die Moskauer Führung auf die Trump-Administration schlecht zu sprechen. Das ließ auch Außenminister Sergej Lawrow den amerikanischen Gast am Mittwoch deutlich spüren: Nach einer frostigen Begrüßung folgte ein kühles Gespräch hinter verschlossenen Türen. Dabei wiederholten beide Seiten ihre Positionen, eine gemeinsame Sprache fand man nicht.
Die viel gepriesene Hoffnung auf ein Reset der Beziehungen zu den USA unter Donald Trump ist zerplatzt. Und mit ihr die Aussicht auf eine baldige Aufhebung der westlichen Sanktionen, die sich negativ auf Russlands ohnehin schwache Wirtschaftsperformance und das klamme Staatsbudget auswirken. Trumps Wahlsieg im November hatte in der russischen Machtelite regelrechte Begeisterungsstürme ausgelöst. Nun rückt wieder die Kalte-Kriegs-Rhetorik in den Vordergrund. Vor allem für Präsident Putin, der sich im kommenden Frühjahr vor dem Hintergrund einer wachsenden Protestbewegung seiner Wiederwahl stellen muss, kommt die Krise zur Unzeit.
"Man kann sagen, dass sich der Grad des Vertrauens auf Arbeitsebene, insbesondere im militärischen Bereich, nicht verbessert, sondern vielmehr verschlechtert hat", erklärte Putin gestern schmallippig. Lawrow warnte die USA offen vor weiteren Militärschlägen gegen die Armee von Bashar al-Assad in Syrien. "Wir halten es für einen wichtigen Grundsatz, solche Risiken und zukünftige Wiederholungen solcher illegaler Aktionen nicht zuzulassen."
Es war auch kein Zufall, dass just während Tillersons Visite bekannt gegeben wurde, dass Syriens Außenminister Walid al-Moualem am heutigen Donnerstag in Moskau begrüßt werde. Am Freitag soll Irans Chefdiplomat hinzustoßen. Im Mittelpunkt der Gespräche dürfte stehen, wie künftig auf mögliche US-Angriffe gegen Assad reagiert werden soll.
Tillerson sprach im Anschluss an die Unterredung mit Lawrow von "scharfen Meinungsverschiedenheiten". Das gegenseitige Vertrauen sei auf einem Tiefstand. Ziel seines Antrittsbesuchs sei es gewesen, die unterschiedlichen Ansichten besser zu verstehen und nach Wegen zu suchen, sie zu überbrücken, bemühte sich der ehemalige Chef von ExxonMobil in Moskau dennoch um einen verbindlichen Ton. Davor hatte das noch anders geklungen: Russland müsse dazu gebracht werden, die Unterstützung für Assad einzustellen, hatte der US-Minister beim G-7-Treffen proklamiert.
Das Vorhaben ist missglückt. "Es sollten längst alle verstanden haben, dass man nicht mit Ultimaten zu uns kommen kann", erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa im TV-Sender Doschd.
Die US-Streitkräfte hatten in der Nacht auf Freitag den Luftwaffenstützpunkt Al-Shayrat der syrischen Armee in Homs mit Tomahawk-Marschflugkörpern bombardiert. Damit reagierte Washington auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff in der Provinz Idlib durch syrische Regierungstruppen, bei dem mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen waren. Auf der Militärbasis, von der nach US-Erkenntnissen die mit Sarin bestückten Kampfjets losgestartet sind, hat auch Russland Soldaten und Kampfjets stationiert. Die Moskauer Führung war erst kurz vor dem US-Angriff informiert worden, Washington hält sich zudem die Option auf weitere Militärschläge offen. Assads Sturz rückte seit der Sarin-Attacke gegen Zivilisten auf der Prioritätenliste des Westens wieder weit nach oben.
"Abgenickt wie Götzenbilder"
Der Kreml hält hingegen an seinem wichtigstem Nahost-Verbündeten bedingungslos fest. Als Inszenierung und Provokation der Rebellen bezeichnete Putin den Giftgaseinsatz mehrmals. In Moskau werden bereits Verschwörungstheorien verbreitet: Ähnliche Attacken, die Assad in die Schuhe geschoben werden sollen, würden auch in Vororten von Damaskus vorbereitet, heißt es. Im Fernsehinterview warf Putin gestern den Nato-Staaten vor, sie hätten Trumps Angriff einfach abgenickt wie "chinesische Götzenbilder".
Eine unabhängige internationale Untersuchung des Giftgasvorfalls lehnt der Kreml allerdings ab. Russland werde gegen die Resolution im UN-Sicherheitsrat, die die USA, Großbritannien und Frankreich eingebracht hatten, sein Veto einlegen, kündigte Vize-Außenminister Gatilow am Mittwoch an.
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