)
Leon Panetta ist bereits der dritte Ex-Minister, der in seinen Memoiren Barack Obamas Politik kritisiert, die er selbst einst mitgetragen hat.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 11 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Vielleicht hätte US-Präsident Barack Obama seine Minister bei ihrem Amtseid Tantiemenvereinbarungen unterscheiben lassen sollen, dann wäre er jetzt an den Einkünften beteiligt. Zu spät, denn mit den Memoiren des Ex-Verteidigungsministers und -CIA-Chefs Leon Panetta ist bereits die dritte Autobiografie eines ehemaligen Regierungsmitglieds erschienen, während er noch im Amt ist. "Worthy Fights" ist der Titel von Panettas Beitrag zum Ministerbuchregal - ein lesbares Buch mit sehr freimütigen Beschreibungen von Personen und Ereignissen. Vom Feinsten dieses Genres.
Zu vorsichtige Memoiren zu verfassen ist nicht wirklich sinnvoll. Panettas Offenheit kann es mit der von Robert M. Gates, seinem Vorgänger im Pentagon, aufnehmen. Und Panetta ist noch um einiges offener als die frühere Außenministerin Hillary Clinton, die vermutlich für die Präsidentschaft kandidieren will und noch immer nett zu den Leuten sein muss.
Panetta dachte, wie er uns jetzt anvertraut, dass Obama bei einigen Schlüsselentscheidungen falsch lag - wie zuvor in ihren Memoiren Gates und Clinton. Da fragt sich der Leser: Warum harrten diese Minister in der Regierung eines Präsidenten aus, mit dessen Politik sie so oft nicht übereinstimmten? Retrospektive Offenheit ist gut, aber wäre es nicht besser gewesen, gleich etwas zu sagen und vielleicht sogar zurückzutreten?
Panettas CIA-Karriere hatte ihren Höhepunkt mit der Entdeckung und Tötung von Osama bin Laden in dessen Versteck in Abbottabad, Pakistan, im Mai 2011. Eine außergewöhnliche Geschichte, die niemals besser erzählt wurde als hier. Ich wünschte aber, Panetta hätte sich zu den fürchterlichen moralischen und menschlichen Kosten jenes CIA-Schachzugs bekannt, mit dem bin Ladens Aufenthalt bestätigt werden sollte: nämlich einen Arzt zu entsenden, um unter dem Vorwand eines Impfprogramms eine DNA-Probe zu erhalten. Das Misstrauen gegen Gesundheitshilfsprogramme in Afghanistan und in Pakistan hat daraufhin zugenommen - und ebenso Polio.
Über Obama schreibt Panetta, dass sein "entscheidungstragendes System im Weißen Haus zentralisiert" ist, weit mehr als das jeder anderen Regierung, was die Bedeutung der Ministerposten schmälert. Schneidend sind die Bemerkungen zum Irak und zu Syrien. Aus Panettas Sicht war das Weiße Haus "so sehr darauf aus, den Irak loszuwerden, dass es bereit war, sich zurückzuziehen [in 2011]". Obamas Abzug habe den Irak dessen sektiererischen Verführern überlassen und den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat vorbereitet. Was Syrien betrifft, so sei Obama laut Panetta hin- und hergeschwankt, ohne sein Versprechen einzulösen, gegen Chemiewaffen militärisch vorzugehen.
Panetta schreibt, er bewundere Obama als "einen Realisten und einen Pragmatisten" - Qualitäten, über die beide verfügen. Aber Obamas Vorliebe für Coolness habe eine ernste Kehrseite: "Er vermeidet Kämpfe wenn möglich, beklagt sich und verpasst Gelegenheiten." Von Panetta, der in diesem Buch als jemand rüberkommt, der sich niemals vor einer Auseinandersetzung, die er für richtig hält, drückt, ist das eine harte Kritik.
Übersetzung: Redaktion

)
)
)