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Revolutionsparty oder Pläne zur Finanzierung?

Von Hans Pechar

Gastkommentare

Der harte Kern der studentischen Protestbewegung ist bekanntlich "gekommen, um zu bleiben". Ob die Silvesterparty tatsächlich im Audimax stattfinden wird, hängt aber weniger von der Versorgungslage in der Volxküche ab als von der gesellschaftlichen Verankerung des Protests. Die wird von Tag zu Tag geringer.


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Der Auftritt der Audimaxisten beim Hochschuldialog hat erneut gezeigt, dass jene den Ton angeben, die an keinem ernsthaften Gespräch, geschweige denn an einem Kompromiss interessiert sind. Es geht ihnen ja um die "ganz andere" Universität, und die ist naturgemäß nicht verhandelbar.

Für ihre eingeschworene Fangemeinde wird das Spektakel der "Drei" ein großer Spaß gewesen sein. Es hat aber zugleich alle Klischees des "gesunden Volksempfindens" und seiner medialen Resonanzkörper über die Studentenproteste bestätigt.

An den Unis selbst - und zwar sowohl beim akademischen Personal wie bei der Mehrheit der Studenten - gab es von Anfang an Lob dafür, dass Studenten die Regierung aus ihrem hochschulpolitischen Dämmerschlaf geweckt haben. Die Weltverbesserungsmantras und basisdemokratischen Überspanntheiten quittiert man mit einem peinlich berührten Achselzucken.

Die Hochschulleitungen der besetzten Unis haben bisher sehr zurückhaltend reagiert, aber diese Geduld dürfte sich nun dem Ende zuneigen. Denn im Gegensatz zu den Revolutionsparty feiernden Clowns wollen die Rektoren wirklich etwas bewegen. Vor allem wollen sie die finanzielle Situation der Unis verbessern. Das will zwar jetzt auch die Regierung, aber es wäre nicht das erste Mal, dass sie ihre Versprechungen schnell vergisst, wenn sich andere Prioritäten in den Vordergrund drängen.

Um diesem notorischen hochschulpolitischen Gedächtnisschwund vorzubeugen, wollen die Rektoren die versprochenen Budgetsteigerungen gesetzlich festschreiben lassen. Für eine derartige "Road-Map" zur Finanzierung brauchen sie den Rückhalt in der Bevölkerung. Es reicht nicht aus, dass den aufbegehrenden Studenten die Herzen liberaler Theaterdirektoren und anderer Kulturschaffender zufliegen, die gerne die Phantasie an der Macht sähen. Es müssen breite Teile der Bevölkerung davon überzeugt sein, dass die zusätzlichen Steuermittel, die an die Universitäten fließen sollen, tatsächlich in die Zukunftssicherung des Landes investiert werden.

Der Protest hat zunächst viele Menschen für die Probleme der Unis sensibilisiert. Aber nach fünf Wochen wird die Besetzung nur noch als Vergeudung ohnehin knapper Ressourcen gesehen. Immerhin hat sie alleine an der Uni Wien bisher Mehrkosten von rund 600.000 Euro verursacht. Höchste Zeit für eine "Exit-Strategie".

Hans Pechar leitet die Abteilung Hochschulforschung an der Universität Klagenfurt.