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RHI setzt auf Asien-Expansion

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Ausbau in China, Zukauf einer Produktion in Indien. | Verdoppelung von Umsatz und Gewinn bis 2010 geplant. | Wien. "Sie werden mich in keiner operativen fremdbestimmten Funktion mehr sehen" - mit 56 verwirklicht der scheidende RHI-Chef Helmut Draxler seinen Studententraum und wird Privatier. Nach fast fünf Jahren harter Sanierungsarbeit beim RHI-Konzern, der 2001 nach einer unglücklichen Übernahme in den USA für Asbest-Schadenersatzklagen geradestehen musste, will der frühere E-Wirtschaftsmanager und ÖBB-Generaldirektor in Zukunft nur mehr tun, was ihn freut. Das könnte ein Sitz im Aufsichtsrat seiner RHI sein - der er als "Kleinaktionär" treu bleibt - auch "drei bis vier" der zahlreich angebotenen anderen Aufsichtsratsmandate kann er sich vorstellen - aber keinesfalls im Verkehrsbereich.


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"Wir sind heute glücklich und stolz darauf, dass wir in der Literatur als Modell-Turnaround-Fall dargestellt werden", sagte Draxler am Mittwoch bei der Vorstellung seines Nachfolgers Andreas Meier, der zum Jahreswechsel an die Spitze rückt.

Der Konzerngewinn des vor fünf Jahren noch fast 900 Millionen Euro Verluste schreibenden Feuerfest-Weltmarktführers werde heuer "bei etwa 100 Millionen Euro" liegen, sagte Draxler. Der Schuldenstand, der 2001 bei 1,1 Milliarden Euro lag - "das waren damals ja noch Schilling, mehr als 14 Milliarden !"- sinkt heuer auf rund 430 Millionen Euro - inklusive dem damals "als kreative, rettende Lösung" von den Banken eingebrachten so genannten "Mezzanin-Kapital" in Höhe von 400 Millionen Euro. Ab Anfang 2007 gilt das Mezzanin-Kapital als langfristige Verbindlichkeit, mit der weiteren Umwandlung der Wandelschuldverschreibung in Aktien wird dann auch das Eigenkapital erstmals wieder positiv.

Die Sanierung ist stabilisiert - jetzt will man wieder auf Expansionskurs gehen - vor allem in den Wachstumsmärkten Asien und Südamerika. In Fernost hat RHI seine Position diese Woche gefestigt: In China, wo man bereits vier Produktionsstätten und ein Rohstoff-Joint Venture aufgebaut hat, werden die Kapazitäten 2007 mit einem zusätzlichen Investitionsschub von 12 Millionen Euro weiter ausgebaut.

In Indien übernimmt RHI Refractories im Zuge einer Kapitalerhöhung zunächst 51 Prozent der Anteile an der indischen Clasil Refractories Ltd. - und verfügt damit über ein erstes Produktionszentrum in dem dynamisch wachsenden Markt. Kostenpunkt: "Eine Handvoll Millionen Dollar". Erst am Vortag hatte RHI, wie berichtet, für 27 Millionen die US-Firma Monofrax gekauft, mit der man die Position im Segment Glasindustrie ausbauen will.

Aktie heuer plus 60%

Beim Umsatz will RHI heuer von 1,2 auf "etwas über 1,3 Milliarden Euro" zulegen, sagte Meier, bis 2010 will er die Verkaufserlöse auf 2 Milliarden Euro ebenso fast verdoppeln, wie den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit). Jeweils die Hälfte des Wachstums soll organisch und durch Zukäufe erzielt werden. Das Eigenkapital soll auf das branchenübliche Maß von 25 Prozent wachsen - "mit 100 Millionen Euro operativem Gewinn pro Jahr sind wir in drei Jahren dort", stellte Meier in Aussicht. Solange werden sich die Aktionäre möglicherweise auch noch bis zur Auszahlung einer Dividende gedulden müssen. Mit der Aktie haben sie allerdings Grund zur Freude: Die stieg heuer um mehr als 60 Prozent, seit dem Tiefstand 2001 hat sich der Kurs etwa verneunfacht.