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Was soll Barack Obama mit dem US-Geheimdienst machen? Vor allem sollte er ernsthaft über die Frage nachdenken, ob die bestehende Struktur überhaupt noch sinnvoll ist.
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Die anderen Mitglieder seines Sicherheitsteams hat der künftige US-Präsident Barack Obama bereits vorgestellt, aber die Bestellung von DNI (Director of National Intelligence) und CIA-Chef sind noch immer von Intrigen umgeben. Mögliche Kandidaten schmoren in einer Gerüchteküche, die es mit Beirut aufnehmen kann. Richtig glücklich wirkten letzte Woche bei der CIA-Weihnachtsfeier nur einige Journalisten, die ausgiebig in Speis und Tratsch schwelgten.
Statt vorschnell Wer-Fragen zu beantworten, sollte sich Obama in Ruhe überlegen, was er von den Geheimdienstagenturen möchte - und ob ihre jetzige Struktur überhaupt sinnvoll ist. Der Geheimdienst braucht mehr als jeder andere Teil der US-Regierung gutes Management. Dazu bedarf es aber größerer Klarheit über die Aufgaben.
Regierungen, die sich nicht im Klaren darüber sind, was sie sich von ihrem Geheimdienst erwarten, wählen häufig die falschen Leute für den Job. Unter Bill Clinton zum Beispiel führte der Ruf nach einem konservativen Demokraten zur Ernennung von James Woolsey, einem smarten Anwalt, der aber so wenig Zugang zum Weißen Haus hatte, dass er auch Brieftauben hätte schicken können. Clintons zweite Wahl war John Deutch, der nicht so recht wusste, ob er den Job überhaupt wollte und ihn, wie die meisten fanden, auch nicht gut machte.
Gleich eine ganze Reihe von Fehlern mit dem Geheimdienst machte schließlich George W. Bush: Zu seinen schlimmsten zählt die Ernennung von Porter Goss, einem früheren Kongress-Abgeordneten, der den bereits geschwächten Geheimdienst noch mehr zermürbt und demoralisiert hat.
Die Was-Fragen sind auch darum heute so wichtig, weil sich der US-Geheimdienst von der chaotischen Umgestaltung 2006 noch nicht erholt hat. Diese schlecht durchdachte "Reform" hat dem DNI noch mehr Bürokratie beschert, während alles andere unberührt geblieben ist. Das Ergebnis erinnert an einen klumpigen Pudding.
Soll die Regierung von Barack Obama diese Organisation des DNI beibehalten? Wahrscheinlich doch, denn eine neuerliche Umgestaltung würde alle endgültig in den Wahnsinn treiben. Wie müsste sich der ideale Zar der Geheimdienste verhalten? In einer perfekten Welt wäre er der Warren Buffett des Geheimdienstes, das heißt, er wäre eine Art Geschäftsführer der einzelnen Agenturen: Er würde auf Qualitätskontrolle und Verantwortungsbewusstsein achten, aber die anderen in Ruhe ihre Arbeit tun lassen.
"Nach einem jungen Jack Welch sollte man suchen, der nicht nur daran denkt, den Präsidenten morgens zu informieren, sondern daran, dem Geheimdienst die besten Mittel zur Verfügung zu stellen, den PDB (President´s Daily Brief) zu einem Weltklasseprodukt zu machen", sagte ein früherer führender Geheimdienstmitarbeiter.
Um Doppelfunktionen zu vermeiden, wäre es sinnvoll, die Analyse dem DNI zu übertragen und die Spionage der schlankeren, aggressiveren CIA zu überlassen. "Wir sollten ein ähnliches Bild von der CIA haben wie die Briten vom MI6, mit einem Profi-Geheimdienstchef an der Spitze, der für eine bestimmte Zeit eingesetzt ist, ganz unabhängig von Wahlen", so der Ex-Geheimdienstler.
Die richtige Antwort auf die Frage der Geheimdienste wäre also, einen Buffett-ähnlichen Manager zu finden, der imstande ist, ein wirklich gutes Geheimdienstsystem aufzubauen und einen unpolitischen CIA-Chef auszuwählen. Und dann lasst uns, wie der frühere CIA-Chef Richard Helms zu sagen pflegte, endlich weitermachen.
Übersetzung: Redaktion

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