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Riskanter Einsatz

Von Michael Schmölzer

Politik

Attentat auf ein Luxus-Hotel in zeigt, wie gefährlich die Mission der Österreicher in Mali ist: Sie soll trotzdem ausgeweitet werden.


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Bamako. Auf Paris folgt Bamako, am Freitag stürmten Terroristen im Zentrum von Malis Hauptstadt in das bei Ausländern beliebte Luxushotel Radisson-Blu. Zu diesem Zeitpunkt waren 170 Menschen in dem Gebäude, sie wurden von den Dschihadisten als Geiseln genommen. Es spielten sich dramatische Szenen ab, in den Stunden nach der Erstürmung konnten dutzende Geiseln in Sicherheit gebracht werden: Man ließ die frei, die Verse aus dem Koran rezitierern konnten.

Die Angreifer fuhren offenbar in einem Auto mit Diplomatenkennzeichen vor, eröffneten dann im siebten Stock des Hotels das Feuer und riefen "Allahu akbar". Unter den Geiseln befanden sich Franzosen, Türken, Algerier, Chinesen und Inder. Sechs US-Bürger und zwei Deutsche waren unter denen, die sich aus dem Gebäude retten konnten. An der Befreiung der Geiseln waren auch US-amerikanische und französische Spezialeinheiten beteiligt. Am Freitag Abend waren dann alle Geiseln befreit, die Rede war zunächst von 20 Todesopfern. Unter den Toten seien auch zwei Angreifer. . In UNO-Kreisen war von 27 Toten die Rede.

Zu dem Anschlag bekannte sich eine Gruppe, die mit der Al-Kaida verbündet ist. Die Terrorgruppe will angesichts der Pariser IS-Anschläge nicht ins Hintertreffen geraten, spekuliert wird bereits über einen "Wettlauf der Terrororganisationen".

Bundesheer in Bamako

Was die Sache für Österreich brisant macht: In Bamako sind Bundesheer-Soldaten stationiert: Bis zu zehn Österreicher versehen derzeit als Teil der EU-Ausbildungsmission EUTM ihren Dienst. Die EU berät malische Soldaten unter anderem in taktischen Fragen. Schon in wenigen Wochen, Anfang 2016, sollen weitere 15 Österreicher - zehn Stabsoffiziere und fünf Beobachter - im Rahmen der UN-Mission Minusma nach Mali geschickt werden. "Das ist bei weitem die gefährlichste Bundesheer-Mission derzeit, wenn nicht die gefährlichste überhaupt", so der Sprecher von Verteidigungsminister Gerald Klug, Andreas Srobl. Auch für die UNO ist der Einsatz einer der riskantesten - im Weltmaßstab.

Von der blutigen Geiselnahme im Radisson Blu-Hotel lässt man sich im Verteidigungsministerium nicht einschüchtern. "Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Mali-Mission beibehalten wird", so Strobl. Auch wenn man im Norden Malis, also dort, wo die Österreicher Dienst tun werden "von einem Bürgerkrieg" sprechen kann. "Dort herrscht Kriegszustand", so Strobl. Teile der Tuareg bekämpfen die Regierung, Islamisten stellen eine ständige Bedrohung dar. Die Blauhelme haben ein robustes Mandat, "sie dürfen beispielsweise unter bestimmten Umständen Terroristen angreifen, wenn sie eine Bedrohung für Zivilisten darstellen", sagt Strobl. Und das wäre genau jetzt in Bamako der Fall gewesen.

Das östereichische Stabspersonal in Mali wird an der UN-Einsatzplanung beteiligt sein, "es ist das Rückgrat der Mission", so Strobl. "Es gibt dort Bearf an Stabspersonal, das einsatzerfahren ist." Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Bundesheer-Soldaten ins Feld gehen. "Nicht ins Feld gehen heißt übrigens nicht, dass es weniger gefährlich ist", so Strobl. "Siehe Afghanistan."

In der Tat griffen dort Anfang August Taliban das Lager der internationalen Friedenstruppe in Kabul an, drei österreichische Soldaten des Jagdkommandas wehrten den Anfgriff gemeinsam mit anderen ab und versorgten schwer verwundete Soldaten. Sie wurden danach mit dem "Bronze Star" der US-Armee dekoriert.

Auch in Mali werden die Österreicher auf dem Prüfstand stehen - eine direkte Beteiligung an Kampfeinsätzen sei aber nicht geplant, versichert das Verteidigungs-Ministerium. Als "Ersatzprogramm" für den Abzug der Österreicher vom Golan im Sommer 2013 will man den Mali-Einsatz beim Bundesheer aber nicht verstanden wissen.

Die Horror-Anschläge von Paris haben die Lage in Afrika verändert. Das schwer getroffene Frankreich hat die EU-Partner um Hilfe gebeten, das bestrifft auch Mali. Hier sind starke französische Einheiten im Einsatz, Deutschland könnte seine Kräfte aufstocken, die EU bot der malischen Regierung bereits ihre Hilfe an. Österreich hat im Rahmen des EU-Trainings-Einsatzes schon mehr Soldaten als zu Beginn in Mali. Und "künftig werden es über 20 sein", sagt Strobl. "Wir steigen gerade in die Minusma-Mission ein, und es besteht das Potenzial, dass das ausgeweitet wird", sagt Strobl. "Da ist aber ein politischer Beschluss notwendig."

Mit dem Einsatz in Mali will das Bundesheer Krisen, die nach Europa ausstrahlen, an der Wurzel packen. 150.000 Flüchtlinge, die in der EU Asyl beantragen, kommen aus Afrika, Mali ist einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte für Flüchtlingsbewegungen aus West-Afrika. "Alles, was dort passiert, hat direkte Auswirkungen auf Europa", sagt Strobl. Mali habe eine Perspektive, auch wenn es derzeit unter dem Eindruck des furchtbaren Terrors nicht danach aussehe.