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Roaming: Vorstoß für Billig-Tarife

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

EU-Gesetz soll bereits vor Sommerferien wirken. | Maximal 40 Cent pro Minute für Auslandstelefonate. | Brüssel. Schon vor Beginn der Sommerferien könnten Handy-Telefonate im Ausland bis zu 70 Prozent billiger werden, erklärte der ÖVP-Europaabgeordnete und zuständige Berichterstatter im EU-Parlament Paul Rübig am Donnerstag.


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Laut der Entscheidung des zuständigen Industrieausschusses sollen die Kosten für einen Anruf in einem ausländischen Netz mit 40 Cent pro Minute exklusive Mehrwertsteuer und für ein angenommenes Telefonat im Ausland mit 15 Cent gedeckelt werden. Dieser Euro-Konsumentenschutztarif soll automatisch sowohl für neue als auch für alle bereits bestehenden Mobilfunkverträge gelten.

Verträge, die höhere Roaminggebühren beinhalten, müssten innerhalb eines Monats nach Inkrafttreten des geplanten EU-Gesetzes umgestellt sein, außer der Kunde möchte seinen alten Tarif ausdrücklich behalten. Die anvisierten Obergrenzen für die Großhandelspreise von 23 Cent würden unmittelbar EU-weit gelten.

Angst um Einnahmen

Heute würden immer noch grenzüberschreitende Minutenpreise von bis zu drei Euro verrechnet, sagte Rübig. "Ein gute akzeptable Lösung" könnte das Plenum Anfang Mai finden und von den zuständigen Ministern bei ihrem Treffen Anfang Juni endgültig beschlossen werden. Die Minister hatten sich Mitte März aber mit maximal 52 Cent pro Minute für einen aktiven Anruf und höchstens 25 Cent für ein passives Telefonat noch etwas näher an den Vorstellungen der Mobilfunkbetreiber orientiert. Die fürchten um den fünf bis acht Milliarden Euro schweren Roaming-Markt pro Jahr und verlangen mindesten 65 und 35 Cent.

Voll auf Kommissionslinie liegen dagegen die Abgeordneten auch mit der automatischen Gültigkeit für alle bestehenden Verträge. Nach Berechnungen der Kommission können so um die 80 Prozent der Kunden in den Genuss des neuen Schutztarifs kommen, ansonsten wären es weit weniger als die Hälfte gewesen.

Rübig hatte immer gegen einen "Zwangstarif" gewettert und am Donnerstag erneut vor dem enormen Verwaltungsaufwand für die Umstellung von "zehn Millionen Verträgen" gewarnt, die sowieso bereits einen günstigeren Tarif hätten. Immerhin könnten die betroffenen Mobilfunkkunden ohne zusätzliche Kosten innerhalb von 30 Tagen zu ihrem alten Tarif zurückwechseln, meinte er. Betroffen wären davon lediglich Spezialtarife, bei denen die erste Minute über den Obergrenzen des neuen EU-Gesetzes liegt, die darauf folgenden Minuten jedoch deutlich darunter - wie etwa der beliebte Vodafone-Passport-Tarif. Verträge bei denen das Roaming schon jetzt durchgehend günstiger ist, müssten nicht umgestellt werden.